09.04.

Heute ein Erstgespräch bei einer Psychotherapeutin. Da werde ich hingehen; zu einer Veranstaltung gestern konnte ich nicht, obwohl ich es einer Freundin versprochen hatte, und die Idee war auch schön: ich mit meiner Kamera, dachte ich, wie ein normaler Mensch werde ich im Publikum stehen und mich gut fühlen und Bilder machen und mehr sein als beschädigt.
Aber unter so viele Menschen zu gehen, die sich alle selbstverständlich dort bewegen, wo ich um jeden Schritt kämpfe, war nicht machbar. Ist das wahr? Ist es wirklich unmöglich oder denke ich nur, dass es nicht möglich sei, ist das ein Zustand oder eine Ausrede? Woher diese Zweifel, noch immer, wenn ich schon ganz andere Sachen geschafft habe?

Meine Freundin ist nicht wütend, aber ich merke, wie sich um mich enttäuschte Erwartungen und gebrochene Versprechen anhäufen. Wie viel davon erträgt eine Freundschaft? Wie oft kann ich meine eigene Unzuverlässigkeit beweisen, bevor ein Mensch sich abwendet? Und ich schätze meine Freunde, dafür, dass sie immer noch da sind, aber ich habe Angst, dass sie nur trotzdem da sein, mir die Hände nur durch Dornen und Dickicht reichen können, nie aus einem gerade deshalb, deinetwegen heraus, eher aus einem dir zum Trotz.

Ich sitze auf dem Balkon. Auf dem Balkon sitzen ist gut. Auf dem Balkon sitzen Leute, die in Ordnung sind. Das ist nicht dysfunktional. Solange ich auf dem Balkon sitze, geht nichts offensichtlich schief.
Außerdem sitze ich auf dem Balkon und schreibe: das ist sogar produktiv. Kreativ! Ich bin ein kreativer, produktiver, funktionierender Teil der Gesellschaft, und das verdanke ich nur meinem Balkon.

Werbeanzeigen

Der Anfang von etwas

Was soll das werden?
Dokumentation einer Psychotherapie, Logbuch eines verkomplizierten Lebens, Auflistung vertaner Möglichkeiten, Beschreibung, wie man ein Studium beendet, Erzählungen über wahre Freundschaft und, natürlich, von der Suche nach Liebe? Warum nicht.