Rauschen

„Wie lange hält denn dieser Zustand normalerweise an?“, fragt die neue Therapeutin. Sie meint: dieses Nicht-Leben, dieser Stillstand, dieses reine Vegetieren: niemanden gesprochen, niemanden gesehen, zuhause geblieben, bis der Kühlschrank leer war. So geht das nicht weiter, das liegt auf der Hand, aber wo es sonst hin gehen soll – – ?

Dieser Zustand, antworte ich, hält meistens bis zu einer Woche an. Dann geht’s wieder, aber so aufmunternd ist das nicht, schließlich reihen sich solche Zustandswochen in beliebiger Wiederholung aneinander. Und ich muss unbedingt aufhören, dauernd irgendwo Wochen zu verlieren, immerhin hat ein Jahr nur 52 davon.
Wie viele Wochen habe ich schon verloren, wie viele Wochen im Vergleich dazu wirklich gelebt, was macht das mit mir, wie viel mehr habe ich meine Wirbelsäule gekrümmt in den bewegungslosen Tagen vor dem Laptop, was habe ich verpasst? Und wo?

Wie viele Freundschaften habe ich daran verschlissen.

Ich gebe diesem Studium noch zwei Monate.

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