17.05.

Heute war ich probearbeiten. Es hat Spaß gemacht, der Job ist sogar entspannt, wir machen zweimal Kaffeepause und sind trotzdem eine halbe Stunde früher fertig als erwartet. In diesen sechs Stunden habe ich nur ein einziges Mal an den Mann gedacht, der sonst mein ganzes Denken okkupiert, und mich überhaupt sehr okay gefühlt.

Zuhause besänftige ich die Nachbarn, die wegen der Fahrräder im Treppenhaus auf dem Kriegspfad sind, und lese von meinem Brieffreund: Schmeiß das Studium nicht hin, du bist doch eine tolle Kunsthistorikerin.
Woher er das nun wissen will?

Da hat er was mit Vati gemeinsam. Beide überschätzen mich, ohne zu wissen, wovon sie reden. Sind Sie auch nicht zu bescheiden?, hat die Psychologin gefragt. Nein, sage ich, weil ein hingerotzter Sprachkurs an der Uni nicht bedeutet, dass ich Türkisch spreche; eine tolle Kunsthistorikerin braucht neben Begeisterung auch ein solides Wissen – und Lust, sich drei Jahre an einer Promotion* abzuarbeiten.

Ich bin das Studieren müde. Das ist ein Kampf, den ich gegen mich selbst verloren gebe, aber „müde“ zählt nicht gegenüber Vätern und Brieffreunden, auch „unglücklich“ zählt nicht, ist ja auch absurd, wegen Müdigkeit und Unglück das hinzuschmeißen, was nur noch die Masterarbeit ist. Es ist aber seit zwei Jahren nur noch die Masterarbeit: das wird halt nix.

Bitte nicht widersprechen, nur Liebe und Verständnis ausdrücken, danke.

 

*No! freaking! way!

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