Das geht nicht einfach weg, mein Schatz

Du wirst später zu Besuch kommen, um die Deko für ein Konzert zu planen. Und genau so, wie der kleine Hund noch nicht ahnt, dass er jetzt drei Tage lang sein Frauchen vermissen wird, ahnst du nicht, dass ich dir alles vorsetzen werde, was zwischen uns im Raum steht. Das ist schon kein Elefant mehr, das sind mindestens zwei, aber du siehst entweder keinen von beiden, oder du versuchst, sie wegzuignorieren, aber wenn du nur hinsehen würdest, müsstest du verstehen, dass die zu groß sind, um durch die Tür zu passen. Da müssen wir schon nachhelfen und sie kleiner reden.
Meine Freundin hat sich beklagt: Frauen machen so oft die emotionale Arbeit in Beziehungen zwischen Männern und Frauen. Da du nichts unternehmen möchtest, um die Elefanten aus dem Raum zu kriegen, scheint sie einmal mehr recht zu haben. Sie ist ja auch klug. Und überfordert die Männer, die sich zu ihr hingezogen fühlen, mit ihrer emotionalen Unbedingtheit. Hab ich was Ähnliches gemacht? Bin ich so auf dich zugestürmt, dass ich dich in die Flucht geschlagen habe? Und wenn ja, wie kann man sich denn so vor Gefühlen fürchten?
Ich werde dir auch einen Vorwurf machen, einen verdienten, denn auch, wenn es mich nervt, dass ich dieses Gespräch anleiern und steuern muss, sollst du mir nicht davonkommen, ohne dich dem gestellt zu haben, was du da veranstaltet hast. Und: diese Elefanten stehen genau zwischen uns, und wenn sie da bleiben, kann ich dich nicht mehr sehen und schon gar nicht mehr mögen. Ganz genau jetzt mag ich dich nicht mehr. Aber das ist nicht wahr, also komm nur und erwarte deinen gemütlichen Tee, den sollst du haben, aber bequem sitzen lass ich dich nicht.

Pardon?

Wenn ich meine Statistik richtig verstehe, hat irgendjemand all meine Bildchen durchgeklickt. Mochtest du die oder was? Kannste wenigstens was dazu sagen? Ich hab doch keine Ahnung, ob meine Bilder Bilder sind. Ich mag die. Aber andere auch? Sag was, Mensch. Spazier da nicht einfach so durch und hau wieder ab.

IMM015_21A (2)

Außerdem hab ich keine passende Kategorie für diesen Beitrag. „Kunst“? Ganz schön selbstbewusst.

 

Barney

Gleich bekomme ich Besuch von einem kleinen Hund mit weichem Fell und Grau um die Schnauze. Er kann auf Kommando Tricks machen und sabbert und ist ein furchtbar niedliches Kerlchen. Von seiner Besitzerin war er noch nie lange getrennt und ich bin auch noch ziemlich fremd für ihn: während ich mich also auf seine kuschelige Gesellschaft freue, steuert er auf ein Wochenende zu, an dem eine Welt für ihn zusammenbrechen wird. Verlassen! Armer, lieber Hund.

And that explains the way that I behave

Du bist schön und ich bin es auch, wir sind zwei junge, schöne Menschen, die sich gern haben, wir haben Striemen und Flecken auf den Seelen und die gleiche unschuldige Sehnsucht nach Liebe, Glück, Geborgenheit. Wir berühren uns, wir geben einander, was wir können, du sagst: Wenn wir beide mit 35 noch allein sind, werden wir ein Paar. Ich schweige lächelnd und denke erst später: Gut.

Gerechtigkeit

Ich finde es ungerecht, dass die Leute, die mich in der Schule fertig gemacht/ausgeschlossen/gehänselt/gemobbt/beleidigt/beschädigt haben, nicht einmal wissen, was sie angerichtet haben.

Ich finde es ungerecht, dass  alle Lehrerinnen und Lehrer, die bemerkt haben, dass etwas nicht in Ordnung ist, nichts von diesen Vorgängen begriffen, erfasst, verhindert haben und dass sie sich der Verantwortung, die sie für meine Lage damals wie heute tragen, nicht bewusst sind. Dass sie nicht wissen, dass sie mitschuldig sind an mir und an anderen Menschen, die ihnen anvertraut waren und denen sie hätten helfen müssen.

Da sind junge Menschen zerbrochen und nichts war da, um sie aufzufangen. Da war nichts als Stirnrunzeln und Achselzucken und ein Vorwurf: Hör schon auf, so zu sein.

Ich würde gerne die, die verantwortlich waren, in Kenntnis setzen über ihre Verantwortung. Alle sagen mir, das würde nichts bringen, ich soll es gut sein lassen, das sei besser für mich. Aber es ist nicht gerecht.

Schmerz und Angst

Ich träume, dass ich sterbe. Ich habe eine sehr seltsame Krankheit, die macht, dass mein Körper aufhört zu funktionieren und mein Blut sich in graubraunen Schlamm verwandelt. Ich bin in einem Krankenhaus und neben mir hat jemand die gleiche Krankheit: wir reden miteinander, Freunde und Familie sind dauernd um uns herum, und gemeinsam gehen wir durch die Behandlung, gleichzeitig bekommen wir beide einen neuen Brustkorb transplantiert, einen neuen Oberkörper, mit allen Organen darin: das ist das einzige mögliche Heilmittel und sehr riskant. Danach sind wir, bis alles verheilt ist, mit riesigen Maschinen verbunden, jeder von uns teilt seinen Blutkreislauf mit einem stampfenden, keuchenden, dampfenden Apparat, und wir sehen unser Blut in seinen durchsichtigen Adern kreisen: noch immer schlammfarben, klumpig das meine, klar und rot und sauber das meines Gefährten. Die Menschen an seiner Seite sprudeln vor Glück und Erleichterung und Freude, und ich möchte mich für ihn freuen, aber ich kann nur denken, dass ich auch gerne weiterleben würde. Es gibt aber keine Hoffnung mehr für mich, nur die Aussicht auf ein paar Monate langsamen Schwindens, und die Leute an meinem Bett werden stiller und weniger.
Im Traum entscheide ich, meinen neuen Brustkorb zurückzugeben, damit ihn jemand anders haben kann; tu das nicht, sagen sie an meinem Bett, die Schmerzmittel werden nicht mehr wirken, es wird schlimm. Aber ich kann den Gedanken nicht ertragen, langsam zu sterben, während alles um mich blüht, was ich nicht mehr haben kann, das Licht und das Leben und Liebe und Glück, und sie nehmen meinen Brustkorb wieder heraus und ich zerfalle von innen, es geht ganz schnell, ich sitze in einem Rollstuhl und sinke von Minute zu Minute weiter in mich zusammen, ich rolle in ein dunkles Zimmer, damit niemand es mitansehen muss.