29.11.

Ich bin in der Bibliothek und soll mich konzentrieren, aber ich bin nicht konzentriert – ich bin ein flatterndes Durcheinander auseinanderstrebender Gedanken, jeder zerrt an mir, keiner lässt mir Ruhe.
Meine Therapeutin war diese Woche nicht da, um meinen Kopf zu sortieren. Daran liegt das alles. Und jetzt ist schon wieder alles auf einmal. Vielleicht ist das das Leben: alles auf einmal.
Das BVA in Köln will mein BAFöG-Darlehen zurück: Seid ihr blöd?, würd ich ihnen gerne sagen, Wovon denn? Ich will nicht, dass meine Eltern dieses Geld zurückzahlen müssen, ich will das selber machen, und zwar, wenn ich einen richtigen Job habe, aber das ist nicht jetzt und ihr müsst mich in Ruhe lassen. Ich hab nix. Geht weg.
Mit einer Freundin stecke ich in der Vorbereitung eines Projekts, das wirklich spannend ist, ein Interview gehört dazu und mit den Fragen wollen wir herausfinden, wie Leute sich in ihrem Körper wahrnehmen. Die Fragen sind schön: Welches Tier bist du? Versinkt dein Körper im Boden? Schwebt er? In welchem Aggregatzustand befindest du dich gerade? – Ich bin ein Gas, heute, eine sich verflüchtigende Wolke, und mein Körper kommt mir sehr seltsam vor.
Ich versuche, mich auf den Text zu konzentrieren, den wir auf den Flyer zu unserem Projekt drucken wollen, aber stattdessen denke ich an das BVA und wo ich alles anrufen muss und daran, wie lustig das Mittagessen mit dir heute war und dass ich froh drum bin, und daran, dass mich gestern beim Lindy Hop einer nach meiner Nummer gefragt hat, der alle nach ihren Nummern fragt. Ich find ihn nett und er hat ein schönes Lächeln und wir haben uns für den Weihnachtsmarkt verabredet. Ich will gern mit ihm auf den Weihnachtsmarkt gehen und freu mich drauf. Er ist niemand, in den ich mich verlieben könnte. Er ist sehr auf der Suche nach einer Frau. Ich will nicht, dass irgendwas an Lindy Hop kompliziert wird. Ich flirte gerne.

An all das denke ich und an hunderte Dinge mehr, während ich in der Bibliothek sitze und eigentlich was ganz anderes machen sollte, da kommt auch noch dieser Typ und setzt sich neben mich. Vor ein paar Wochen hab ich ihm mal ein Briefchen zugesteckt, weil er mir gefallen hat, meine Nummer stand drin, und er hat ein Briefchen zurückgeschrieben: dass er sich freut, dass ich schön bin, dass er sich melden wird. Hat er aber nicht, und jetzt sitzt er neben mir und geht mir auf die Nerven, weil er zu laut Musik hört, herumzappelt und die ganze Situation sowieso ziemlich awkward ist. Ich weiß nicht, soll ich ihm ein Buch an den Kopf werfen oder mir Ohrstöpsel holen?

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