Ticktack, fliegt die Zeit

Liebe Kinder und Kinderinnen,

ich würde euch gerne zum Jahresende noch was Schönes schreiben, weil ich mich freue, dass ihr meinen Blog lest, und mit einem hübschen Text könntet ihr euch zurück freuen. Aber weil ich aus den schönen, vollen Weihnachtstagen bei meinen Eltern direkt wieder in die genauso volle Welt der Popcorntheke, Kinogäste und Eintrittskarten getaucht bin, kopfüber quasi, habe ich mich selbst noch nicht wieder eingeholt und kann deshalb noch gar nicht alles aufschreiben.

Aber, weil heute Silvester ist und wir ja alle inne- und Rückschau halten, sage ich euch zumindest, dass es schön ist, dass ihr hier seid und zuhört, denn wer will schon Selbstgespräche führen – und dass 2018 ein gutes Jahr gewesen ist. Im Februar habe ich Einjähriges mit meiner neuen Wohnung! Wir wissen noch gar nicht, wie wir feiern sollen.

Grüße aus dem Fernbus und jaha, auch einen guten Rutsch!

Advertisements

Um Ihren eigenen Kram

Wo kämen wir hin ohne all die unermüdlichen ehrenamtlichen Ordnungshüter, die, wenn wir an ihnen vorbeifahren, ohne einen Mensch zu stören, uns in Aufopferung der eigenen Ruhe zurufen, um uns über unseren gefährlichen Irrtum zu belehren:

„Des isch en Gehweg!“

„Hier isch Einbahnstraße!“

„Dr Radweg isch DA!“

Ja, wenn wir Sie nicht hätten.

Fuck this

Im Lindy Hop ist es so: es gibt Leader (meistens Männer, aber auch ein paar Frauen) und Follower (meistens Frauen, aber auch ein paar wenige Männer), das kennen wir von anderen Paartänzen, und wenn man zu einem Social geht (Tanzveranstaltung), sieht das so aus: es sind immer zu wenige Leader da, das kennen wir auch von anderen Paartänzen, und deshalb kommen die Leader gar nicht mehr von der Tanzfläche, während rundherum mindestens ein Dutzend traurige Follower sitzen, die auch gern tanzen würden. Sie trauen sich nicht, jemand aufzufordern, oder kommen gar nicht erst dazu, weil man sich dafür ganz schön offensiv auf die paar Leader stürzen muss, bevor jemand anders schneller ist. Das liegt nicht jedem. Nicht jeder, denn die traurigen Leute außenrum sind ja nur Frauen.

Gestern war das letzte Social für dieses Jahr und alle haben sich drauf gefreut, ich auch, und dann finde ich mich unter den traurigen Frauen am Rand wieder und denke, das darf nicht wahr sein.
Du kannst doch auch jemand auffordern, wendet ihr ein, und dazu sage ich: Ja, ich kann, und ja, mache ich – aber: Ich muss das nach jedem Lied neu machen, und es fällt mir verdammt schwer, und an manchen Abenden bin ich nicht in der Verfassung, mich alle vier Minuten neu zu überwinden zu etwas, das mir nicht wirklich entspricht. Und ich bin damit nicht allein, sonst würden die traurigen Frauen am Rand nicht den ganzen Abend genau da sitzen.
Ein Leader, mit dem ich drüber rede, sagt: Fällt mir auch auf, und dann lacht er, Aber ich steh auf der anderen Seite, ich kann einfach die ganze Nacht durchtanzen – und weg ist er, auf der Tanzfläche, und ich bleib am Rand stehen.
Eine Leaderin, mit der ich drüber rede, sagt: Ich hab als Follower angefangen und genau deswegen die Tanzrolle gewechselt. Man fühlt sich so abhängig. – Damit trifft sie’s auf den Punkt.
Dabei mag ich es, als Follower zu tanzen – es ist intuitiv und leicht und macht mir Spaß, aber wenn es mit dieser bescheuerten Abhängigkeit einhergeht, muss ich jetzt halt Leader lernen. Keine Ahnung, ob ich darauf Lust habe, aber ich bin doch kein blödes Mauerblümchen, das drauf wartet, von irgendwem gepflückt zu werden.
Und wenn ich halbwegs Leaden kann, kann ich wenigstens ein paar von den anderen traurigen Frauen am Rand retten.

 

PS: Ein Leader, den ich gestern aufgefordert habe, hat mich eiskalt abblitzen lassen. Dafür kommst du in die Hölle, Arschloch.

20.12.

Ich sitze bei meiner Therapeutin und spreche von mir wie von einem Uhrwerk, das nicht richtig läuft. Ja, aber wie geht’s Ihnen denn?, fragt sie, und ich fange an zu weinen.
Dass es mir so geht, hab ich selber nicht gewusst.

 

 

 

Weil ich nicht wollte, dass es mir so geht. Das ist jetzt vorbei, hab ich gedacht und nicht mehr richtig hingeschaut.