Druck, Druck, Druck

Im Kino gewesen, nur fast geweint. Weil der Film intensiv und traurig war, kommt die Welt draußen mir roh und falsch vor, bloß die Kälte tut gut. Es fällt Schnee und auch das tut gut, ich fahre nach Hause und mache Tee.
In mir ist nichts übrig, was ich anrühren könnte, ohne dass mir alles um die Ohren fliegt. Ich trinke den Tee im Dunkeln, weil das erträglich ist; meine Mutter hat versucht, mich anzurufen, aber ich kann nicht mit ihr reden. –

Morgen ist ein Tag mit Plänen, aber Pläne kommen mir schrecklich vor, und danach ist kein freier Tag mehr bis Mittwoch. Ich kann nicht, ich kann nicht.

Wenn’s ginge

Ich möchte mich aufschneiden von oben bis unten und mein Inneres herausholen, schwarz und klebrig wäre es und ich würde es anzünden und zusehen, bis es verbrannt wäre. Dann würde ich mich mit irgendetwas anfüllen, das klar und sauber ist.

Durch den Schnee

Mein kleines weißes Pferd wird kleiner, bis es mich nicht mehr tragen kann. Auf halbem Weg nehm ich ihm sein Zaumzeug ab und hebe es auf, schwer und warm liegt es in meinen Armen, wir schweigen beide in der großen Stille des Winterwaldes.

Nass und schwer ist der Schnee, ich gehe mühsam und der Weg ist noch weit; der kleine Pferdekopf nickt bei jedem Schritt.

Ein Tag ohne mich

Heute wach ich auf und fühl mich einsam und sage mir, dass ich ja nur nach unten in die Küche gehen muss, da sind meine Eltern, dann fällt mir ein, ich bin in meiner eigenen Wohnung, und fühl mich noch einsamer.

Grumpy sitzt neben dem Bett und hat nur drauf gewartet, dass ich endlich wach werde. Jetzt grinst er mich an und sagt, Na, kennste mich noch?
Na toll, sage ich.
Er freut sich, dass er mir den Morgen noch mehr versaut hat, und geht schonmal in die Küche, um auf mich zu warten. Kommst du?, ruft er. Heute ist ein toller Tag, um gar nichts hinzukriegen!

Draußen scheint die Sonne. Es ist fünf und ich hab gar nichts hingekriegt.

Don’t cry, you’re making it worse

In meinem Traum ist alles auf einmal passiert, Spaziergänge, vergessene Taschen, Verwirrung an Fahrscheinautomaten, Sonnenschein, Verschwörung, Sabotagepläne, doppeltes Spiel, Verführung, und das alles findet statt in einer sich dauernd verändernden Stadt, Hamburg ist Paris ist Berlin ist Lissabon aus ineinander verschlungener Architektur, gotische Kirchen kollidieren mit modernen Hallen, mittelalterliches Pflaster saust über die Hügel, und dann stehe ich mit meiner Freundin in einer Universität und zeige nach oben ins kühn geschwungene Treppenhaus: Das hier ist ein bisschen wie in Freiburg, sage ich und habe ganz deutlich das Freiburger Treppenhaus vor Augen, von dem ich da rede, einen porzellenhellen Wahnsinn aus Schwanenhalstreppen, die sich über- und durcheinander schwingen unter einem organisch gewölbten Glasdach, halsbrecherisch eilige Rolltreppen, ein Raum wie ein Sommertag, aber grotesk, traumschön und schrecklich, und beim Aufwachen weiß ich: diesen Raum habe ich auch geträumt, aber in einer anderen Nacht. Das ist, als würden sich meine Träume von mir ablösen und in eine neue, eigene Welt verwandeln, in die ich Nacht für Nacht geworfen werde.

imm009_10

Ich wach auf und fühl mich scheußlich, erschöpft und steif, mir will nicht warm werden.