Alle Tage wieder

Heute ist Uni. Grumpy sagt, es ist völlig ausgeschlossen, dass wir da hingehen. Nächste Woche vielleicht! Jetzt sind wir einfach noch nicht so weit.

Er liegt noch faul im Bett und stinkt vor sich hin. Ab unter die Dusche!, kommandiere ich, und er guckt mich misstrauisch an und überlegt, so gründlich, dass wir schon seit einer halben Stunde den Wecker auf snooze schalten, statt aufzustehen.

Uni ist gar nicht so schlimm, versuche ich ihn zu überzeugen. Außerdem geht es so nicht weiter, mit der ewigen Verpasserei. Aus dem Bett mit dir!

Er guckt bitterböse, aber er schlurft wirklich ins Bad, um sein Gestinke wegzuduschen.

Mal sehen, ob es klappt mit der Uni.

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Work/Life

„Wie geht’s dir?“, schreibt mir ein Bekannter.
„Ich glaub, ganz okay“, schreibe ich zurück. „Es ist immer noch irre kompliziert, ich zu sein.“
Er versteht das, er kennt das, und ich bin froh, dass ich acht Stunden auf der Arbeit sein kann: ein weitestgehend ordentlicher Mitarbeiter zu sein ist sehr viel leichter, als weitestgehend ordentlich ich zu sein.
„Ich glaube, mein Job hält mich zusammen“, schreibe ich weiter, das versteht und kennt er auch. Ich merke es am Vorher und Nachher, wenn ich zurück in die Wohnung komme, die ich schon nicht mehr sehen kann, weil sie mich so sehr an mich selbst erinnert und ich selbst ein einziges großes Forschungsprojekt ist: ein seltsamer Apparat, der durch die Welt kracht und mit den unwahrscheinlichsten Dingen kollidiert, während er einen komplizierten Hindernisparcours mit Leichtigkeit meistert. Experten werden hinzugezogen, sie gucken mit Brille und Klemmbrett und machen Notizen, ein Handbuch erscheint und wird beständig überarbeitet, man lernt aus Irrtümern und dreht probehalber an Stellschrauben, man kommt der Sache näher, aber das vertrackte Ding läuft einfach nicht rund. Man kommt nicht drauf, übrigens ist die Wartung aufwendig, größtenteils deshalb, weil die Höllenmaschine gern mit Wucht gegen Wände knallt, dabei lief sie grad so gut.

(Grumpy sitzt grinsend hinterm Steuer und winkt.)

Wenn man im Kino arbeitet

Menschen sind, insgesamt, sehr dumm. Vor allem sind sie gedanken- und rücksichtslos und verlieren viel zu schnell den Kopf, die einfachsten Dinge können sie überfordern und wenn sie nicht gleich kriegen, was sie wollen, kennen sie kaum Gnade. Aber sie sind auch gerade oft genug so erstaunlich und nett, dass man sie, unterm Strich, trotzdem liebhaben kann.

(Erst wollte ich schreiben: „… liebhaben muss.„, aber jetzt weiß ich nicht mehr, welches stimmt.)

Seifenblasen 7

05.01.

Manchmal kann ich einen Tag lang alles und am nächsten Tag überhaupt nichts mehr.
Gestern waren Menschen und ich die einfachste Kombination auf der Welt, heute verwirrt mich eine WG-Party mit vermutlich netten Leuten so sehr, dass es völlig ausgeschlossen ist, da hinzugehen.
Um mir diesen Entschluss mitzuteilen, wartet Grumpy wie immer bis zum letzten Moment. „Ich komm zu spät“, schreibe ich dem Kollegen, den ich an der Haltestelle abholen wollte. „Soll ich auf dich warten?“, fragt er. Bloß nicht!, denke ich, du frierst da fest – ein paar Minuten später werde ich sowieso sagen, dass ich es doch nicht schaffe, aber er kennt mich noch nicht genug, um das zu befürchten.
Diese Absagen in letzter Minute wollte ich nie wieder machen und deshalb einfach nicht mehr zusagen bei Sachen, die ich schwierig finde. Diesmal hab ich mich überreden lassen, weil alle so nett gefragt haben und ich so gern dazugehören wollte.

Regel: Keine Parties. (Grumpy sagt: Keine Scheißparties.)

Huch

Gestern im Workshop war ein netter Mann mit Brille und Bart und einem fröhlichen Dutt, und nachher geht er allein durch die leere Straße davon, da ruft jemand seinen Namen, aber er dreht sich nicht um, weil er mit seinem Handy beschäftigt ist, jetzt kommt hinter ihm wer angerannt und tippt ihm auf die Schulter: das bin ich, außer Atem vom Rennen, und ich sage: Wollen wir mal Kaffee trinken gehen?