I don’t know why I didn’t come

Doris Lessing schreibt: „Ungebunden, sagen wir, doch die Wahrheit ist, dass sie eine Erektion bekommen, wenn sie mit einer Frau zusammen sind, die ihnen gar nichts bedeutet, dass wir aber nur einen Orgasmus bekommen, wenn wir ihn lieben.“ (Das goldene Notizbuch, Frankfurt am Main, 1978, S. 441.)

Am Anfang des Buches fand ich, Doris Lessing schreibt zu schematisch, pauschalisiert zu stark, aber je länger ich lese, desto öfter stimme ich ihr zu, und bei dieser Passage bin ich überzeugt, dass sie wahr ist. Dann denke ich, sie kann nicht wahr sein, nicht für alle Frauen (und nicht für alle Männer?),  auf keinen Fall – aber für mich ist sie vollkommen wahr.

Ich muss an meine Liebhaber denken – Doris Lessing würde sie Liebhaber nennen, wie nenne ich sie? Männer – an alle Männer, mit denen ich während der letzten vier Jahre geschlafen habe, und daran, dass ich keinem von ihnen meinen Orgasmus anvertrauen konnte, weil ich keinen von ihnen geliebt habe; und ich denke an die totgeborenen stillen Tiere meiner zurückgewiesenen Zuneigung, die ich in mir beerdigt habe, um wütend und dunkel über ihre Gräber zu wachen.

 

Und er: meinen Liebhaber würde Doris Lessing ihn nennen, meine Freundschaft Plus die jetzige Zeit, aber ich nenne ihn nur bei seinem Namen: Er gibt sich Mühe, damit ich auch komme, wenn wir miteinander schlafen, aber wann immer ich kurz davor bin, schnellt eine Barrikade in mir hoch, und das ist der Gedanke: Wenn ich jetzt loslasse, werde ich ihn womöglich lieben.

Ich hasse Grenzen. (Warum bist du dann noch da? – Weil ich es mehr mag als es mich wütend macht.)

 

3 Kommentare zu „I don’t know why I didn’t come“

  1. Du inspirierst mich dazu, dem Goldenen Notizbuch doch nochmal eine Chance zu geben. Habs letztes Jahr begonnen, dann wieder weggelegt, weil ich den Anfang „komisch“ fand, aber es ist auch voll kluger Sätze. Wenn der Satz hier aber stimmt, dann hab ich noch nie einen wirklich geliebt. Oder ich bin zu sehr Kontrollfreak, Who knows😅

    Gefällt 1 Person

    1. Ich habe auch eine Weile gebraucht, um reinzukommen, weil die Erzählweise schon sehr eigen ist, sehr kopflastig und kühl, aber dahinter steckt so viel, worin ich mich wiederfinde oder was mich berührt und zum Nachdenken anregt… Ich glaube, es lohnt sich! Falls du es nochmal liest, sag mir bescheid 🙂
      Das mit der Kontrolle ist auch ein Thema bei mir, dazu gehört extrem viel Vertrauen und Wohlfühlen, Loslassen können und wollen. Wie gesagt, vier Jahre Dürre.
      Schön, was von dir zu lesen! 🙂

      Gefällt 1 Person

      1. Ich werde es auf jeden Fall nochmal versuchen😊 gerade lese ich aber erstmal „Liebe. Ein unordentliches Gefühl“ von Richard David Precht, ist auch nicht schlecht:)
        Und ja, loslassen wollen ist echt wichtig, da tu ich mir schwer. Ich finds auch immer schön, von dir zu lesen 😘

        Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s