Zerfetzt

Liebe ist brutal und mörderisch. Ein Mensch ist dagegen zerbrechlich und viel zu klein für ein so fürchterliches Gefühl.

 

(Halt’s Maul, du bist nur müde, knurrt Grumpy mich an. Grumpy war bestimmt noch nie verliebt.)

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Überwindung

Ich möchte mit allen Leuten über Sex reden und ganz viel darüber hören, wie andere dabei fühlen, erleben und funktionieren, denn ich kenne und verstehe mich selbst so wenig darin. Aber mit fast niemandem rede ich überhaupt jemals über Sex, und wenn, dann nur ganz allgemein. Ich habe Scheu davor, diesen Sicherheitsabstand zu unterschreiten, weil ich nicht weiß, wie das wird, und ob ich damit Leuten zu nahe trete – oder mir. Ich bin so ungeübt darin, über Sex zu sprechen, dass ich nicht einmal ein Wort für meine eigene Vagina habe.

Friedlicher Morgen

Der Hund drückt seinen Kopf in meine Hand, damit ich ihm die Augen reibe, und brummt ein bisschen, weil er Augenreiben so gut findet. Ich streichle ihn und er leckt meinen Arm und erwischt mich mit der Zunge im Gesicht, als ich nicht aufpasse, aber das Kind in mir freut sich heimlich, weil es in Wahrheit gerne Hundeküsse mag.

Ich schau jetzt lange aus dem Fenster

Böse Menschen stehen knurrend am Bahngleis und schnappen nach dem jungen Bahnmitarbeiter, der nichts dafür kann, dass die Züge ausfallen. Aber sie führen sich auf, als hätte er das mit Absicht gemacht. Ich gehe weg von der Meute, in die U-Bahn, die viel länger braucht, aber hier schimpft keiner. Ein paar Leute kommen mit; als drüben plötzlich doch die Bahn einfährt, springen sie wieder auf und rennen, um statt fünfzig Minuten nur fünf in die Stadtmitte zu brauchen. Das ist sinnvoll. Ich weiß nicht, warum ich trotzdem sitzen bleibe. Müde bin ich und mein Morgen ist träge.

Gegenmaßnahmen, 3

Ich klebe Menschen auf meine Wunden und so heilen sie wirklich schneller: die innere Abgezehrtheit, die fehlenden Reserven, die dünne Haut, die mich für alles durchlässig macht, statt mich zu schützen.

Ich klebe: Freunde auf einer Wiese bei Kerzenschein, die über Klimawandel diskutieren, die Umarmung meiner längsten Freundin, und dich, wie du beim Tagebuch schreiben aussiehst, und beim Denken.

Mein Herz ist wie ein treuer Hund am Bahnhof

Dunkel hier draußen, und ich friere so – es ist noch nicht lange her, da hast du mir die Kerzen ausgeblasen, meine Lampen gelöscht und mein Herdfeuer. Zwar wenn ich dir begegne, glimmt es, leuchtet es auf – aber nur für einen Herzschlag, und dann größeres Dunkel.

Oder: Wenn ich dich zufällig irgendwo sehe, trifft mich immer noch der Schlag.

 

Nymphe, Schwetzingen