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Ich hab einen Fensterplatz im Fernbus und hoffe, dass der Platz neben mir frei bleibt. Ein Typ steigt ein und sieht so nett aus, dass ich plötzlich hoffe, der Platz bleibt doch nicht frei. Ich gucke auch nett. Der Typ setzt sich neben mich und ist mir direkt richtig sympathisch, das weiß ich von dem bisschen Smalltalk, das wir haben, bevor jedes der Form halber was zu lesen auspackt. Ich will keine nervige Nebensitzerin sein, aber dann denke ich, Pfeif drauf, mache irgendeine Bemerkung und ab da quatschen wir die ganze Fahrt durch. Als wir aussteigen müssen, sind wir noch mitten drin, also tauschen wir Nummern und freuen uns aufs nächste Mal, zack, so einfach.

Idiotin

Wir gehen tanzen, ist die Idee. Dann passieren Umstände und sie führen dazu, dass ich um drei im Bett liege und mich selbst verachte. Ich verachte mich. Alles, was ich wollte, hab ich nicht gemacht.

Erwachsen

Ich radel ein Stück mit einer Kollegin und wir tauschen uns darüber aus, wie es ist, wenn man dauernd bei Leuten die Pflanzen gießen muss und dass das gar nicht mal so selbstverständlich ist, weil es nämlich wohl Mühe macht.

Ich beobachte: wir sind in einem Alter angekommen, in dem Leute so viele Pflanzen in ihren Wohnungen angesammelt haben, dass sie andere Leuten drum bitten müssen, sie zu gießen, wenn sie im Urlaub sind. Weil sie nicht mehr in WGs wohnen. Weil sie gelernt haben, sich um Zimmerpflanzen zu kümmern. Weil sie sesshaft geworden sind.
Das kam einfach so. Verrückt, oder?

Kleiner als

Wir treffen uns zum Reden. Ich wünsche mir, dass wir so weit zueinander finden, dass wir danach gut auseinander gehen können. Ich will ein ungetrübtes Bild von der Zeit mit dir behalten, ich möchte bedauern, dass sie zu Ende ist, ich will mich gern erinnern, ich will dir frei sagen können, dass sie mir was bedeutet hat, und was.

Aber dann sind wir doch nur zwei Idioten, die verschlossen durch den Wald stolpern und verzerrte Fragmente zwischen sich hin- und herschieben, weil sie ums Verrecken keine gemeinsame Sprache finden, und wie wir auseinander gehen: in Höflichkeit, die brutal ist, weil sich so nicht zwei Menschen verabschieden sollten, die sich mal wirklich, wirklich gern gehabt haben.

Ich hätte dir gern Danke gesagt, aber als wir die letzten vernichtenden Nüchternheiten ausgetauscht haben, weiß ich selbst kaum noch, wofür. Und genau DAS wollte ich mit diesem Gespräch ausräumen, ich wollte, dass das dumme Gefühl weggeht und der Blick wieder frei ist für das, was gut gewesen ist, aber nachdem alles gesagt ist, bin ich mir nichtmal mehr sicher, ob es so gut war, wie ich es empfunden habe.
Du bist nichts als Abstand, während ich mich wehre, so gut ich kann, aber am Ende tut bloß alles weh, und ich komm mir so dumm vor für meinen Versuch, weich zu sein und es gut zu machen. Du hast mir wehgetan und vielleicht hab ich das herausgefordert, aber ich hab mir so gewünscht, noch etwas Wärme zwischen uns zu finden. Du aber hast ewigen Winter ausgerufen: bemüh dich gern, sagst du —  aber so, wie du das sagst, was will ich mit dem Frühling.
Ich bin nur, was ich bin, ich hab gemacht, was ich konnte, und ich weiß, das ist nicht immer genug, es ist nicht immer leicht mit mir, aber ich bin auch allerhand mehr als das, und was du daran nicht sehen kannst, das trag ich dir nicht auch noch nach. Und dein stilles Zählen kleiner Schmerzen: mag damit umgehen, wer will.

Ich weiß um dein Bemühen, ich weiß um deine Großzügigkeit, ich weiß um deine Fürsorge, und ich weiß, wenn mein Zorn vorüber ist, werd ich dankbar sein für das warme Nest, das ich bei dir gehabt habe, und ich werde wieder wissen, dass diese stille kleine Liebe auch wahr gewesen ist: aber auch du hast versäumt und geirrt und versagt.

Traum

Ich trage ein kleines Pferd auf den Armen. Ich weiß nicht, wo ich es her habe, aber es war noch niemals an der frischen Luft und springt voll Staunen davon, durchs hohe Gras, über die taufeuchten Koppeln, auf denen andere Pferde stehen. Sie kommen zu mir und beraten mich, wie ich mit meinem Pferdchen umgehen soll. Ich rufe es her, um es zu bürsten, es ist so ungeheuer schmutzig.

Der Hund meiner Mutter ist zu mager und ich versuche sie zu überzeugen, dass er mehr Futter braucht. Unterm Fell sieht man Rippen und Wirbel.

Ich bin an einem großen Ort – eine Schule? eine Institution mit vielen Gebäuden, und etwas findet dort statt; jemand ruft: Feuer! Feuer!, der große Saal brennt – ich gehe nachschauen und finde eine Handvoll Kinder, die mit Papierstreifen in flammendem Orange aus den Fenstern winken, um uns alle reinzulegen.

Ich bin und bin nicht ich. Ich stecke in einer komplizierten romantischen Verwicklung mit einem flüchtig Bekannten, die noch komplizierter wird, als seine Mutter uns entdeckt. Ich mag seine Berührungen.

Ich gehe in ein Museum. Es ist riesig und hat neun Stockwerke und die Garderobe ist ganz oben. Die Treppe ist so seltsam, dass ich sie nicht benutzen kann, also nehme ich den Aufzug, einen kleinen Glaskasten mit weißen Verstrebungen. Als ich wieder nach unten fahre, verwandelt er sich in ein riesiges Wohnzimmer voll futuristischer Sitzmöbel. Im nächsten Stockwerk steigt ein junger Typ zu, ich werfe mich auffordernd aufs Sofa, er setzt sich zu mir und gerade, als ich die Hand nach ihm ausstrecken will, steigt ein ganzer Schwall Leute in den Aufzug. Ich suche mir einen bizarren Schaukelsessel und probiere, wie er schaukelt, und schaue von dort den anderen zu.

Anders gesagt

Ich habe mit einem Fremden zum ersten Mal seit Jahren einen Quickstep getanzt, und diesen Tanz hab ich mal geliebt.

Ich hab mich mit den Leuten unterhalten, die ich gern habe, und ich hab wirklich einige gern.

Ich bin spontan mit jemandem essen gegangen, den ich besonders gern habe. Sie muss mich auch gern haben? Kann ich mir immer noch nicht vorstellen.

Ich kann inzwischen allein zu den blöden socials gehen. Das hätt ich nie gedacht.

Ich hab getanzt. Ich hatte ein paar gute Momente. Ich kann ab und an loslassen dabei.

 

Und das alles zählt nichts dagegen, dass ein blöder Typ am anderen Ende der Tanzfläche auftaucht? Ach komm schon.

Zuverlässig

Und war es nicht so, dass du Tanzen gegangen bist, und hast dich nicht übel dabei gefühlt: nicht euphorisch, nicht vollkommen frei, aber leicht genug; und war alles dahin, als du ihn dort gesehen hast bestimmt kennt mein Ohr noch deinen Gang, als du ihn lachen hörtest vor ein paar Monaten wäre ich es gewesen, mit der du lachst, als du einen Blick riskiert und wiedererkannt hast: diese Haltung des Kopfes, diesen weichen Arm und seine Bewegung, diese gewisse Art, die Schritte zu setzen, den Schwung des Körpers aufzufangen, die Musik zu vertanzen; und ist dir nicht der Abend entglitten und gehört jetzt ihm?

Ja, so ist es gewesen, und in vierzig Jahren werde ich ihn anrufen und sagen: Weißt du denn, wie ich in dich verliebt war, du dummer, dummer Mensch.