All work and no play

Meine Kollegin erzählt von ihrer Fernbeziehung, Nürnberg – Freiburg, jedes Wochenende sind sie gefahren, zweieinhalb Jahre lang.

Aber ich bin so nicht.
Ich liebe Du, aber ich liebe auch andere Dinge, und seit er in einer anderen Stadt wohnt, ist jedes Wochenende die Entscheidung zwischen ihm und allem anderm. Und ich kann mich an einigen, aber nicht an allen Wochenenden für ihn entscheiden, weil ich nicht bloß noch seine Freundin sein kann. Plus, ich verdien nix, und dann soll ich dauernd Fahrkarten kaufen.

Kontext: Ich liebe meinen Blues-Kurs und an den nächsten beiden Wochenenden finden Socials statt, zu denen alle gehen, ich aber nicht, weil ich bei Du bin. Ich würde aber gern hingehen. Ich würde auch gern mit zu einem Blues-Festival in einer andern Stadt fahren, aber das geht nicht, wegen all der Fahrkarten und des Urlaubs, den ich mit Du machen möchte. Vielleicht schließt sich das alles nicht so hart aus, wie ich im ersten angepissten Moment denke, aber eine Fernbeziehung bedeutet, das komplette Leben einer bestimmten Daseinsform zu unterwerfen, verdammt noch eins.

OK

Das jetzt also ein Ding mit dem nicht einschlafen können. Alles klar. Kein Problem.

Trennung

Bis nachts um drei liege ich wach und heule ins Kissen, weil ich so verliebt und glücklich war und nicht glauben will, dass das alles vorbei sein soll, die Leichtigkeit, das Gefühl von Zugehörigkeit, das komplett durchgeschwitzte, aber glücklich erschöpfte Nachhauseradeln um ein Uhr nachts –

aber ich kann keine Swingmusik mehr anhören, ohne mich schlecht zu fühlen, und vielleicht kann ich das hier nicht erzwingen, also sage ich die Verabredung fürs Social heute ab und entscheide, dass wir vorbei sind, Lindy Hop und ich.

24.01.

Es ist schwer, Du plötzlich mit einem neuen Leben zu teilen, das Aufmerksamkeit und Zeit beansprucht, während in meinem Leben noch gleich viel Raum für ihn ist. Was die Entfernung mit mir macht, kann ich erst zugeben, als ich an allen möglichen Stellen in belanglosen Filmen und Büchern zu weinen anfange, denn ich weine nie beim Lesen.*

Ich teile nicht gerne, ich bin eifersüchtig und gierig und lerne großzügiges Vertrauen in mühsamen kleinen Schritten, und: schwindelerregend, dass Du mir so wichtig ist.

 

*Ausnahmen: treue Hunde und Pferde, die sterben, und das Ende von Hemingways In einem andern Land.

Aller Scheiß

Ich hatte ganz vergessen, WIE mistig Fernbeziehungen sind. Ich bin ein wackliges Pflänzchen mit dünnen Wurzeln, ich brauche Stabilität, bittesehr, nicht dauernde Ortswechsel mit emotionalen Jetlags, auf die ich gerade wieder klar komme, wenn ich schon wieder meine Tasche packen muss.

Und all die Eile in einem kurzen Wochenende. Und die Organisation, die Entscheidungen, und wie ich überwach auf Hinweise lausche, die eine beginnende Entfremdung andeuten könnten, ja, alles wiegt doppelt, nur ich bin zu leicht und treibe auf den Ereignissen wie ein durchgebeuteltes Blatt im Wind.