Dummkopf

Am schlechtesten bin ich zu den Menschen, die ich am liebsten habe.

Advertisements

Auf See

Morgens stehe ich auf und alles ist OK, aber nach zwei Stunden Sachen machen im Haushalt ist die Luft raus. Ich sinke. Warum? Wohin?

Du bist sauer auf mich oder enttäuscht von mir, ich hör’s an deinem Schweigen. Meine hundertste Entschuldigung verpufft ins Leere, vielleicht sind hundert Mal ein Mal zu viel (bitte nicht). Hermetische Enge: du brauchst mich, ich brauch dich zum Tanzen, zweifache Last.

I am in perfect love with you*

Ich finde alles gut an dir.
Dagegen ist vernünftigerweise einzuwenden, dass das schlicht nicht möglich sei, aber Liebe macht blind, ich bin in dich verliebt und kann beim besten Willen einfach nichts an dir entdecken, das mir auf die Nerven geht. Du bist so ein schöner Mensch, von innen und außen, und ich mag es sogar, wenn wir uns nicht einig sind (ungefähr immer) und uns die Köpfe heiß diskutieren darüber, ob weißes Geschirr schön ist oder nicht. (Ist es nicht. Du hast unrecht.)
Du bist ungewöhnlich und schön und ungewöhnlich schön, ich schau dich gern an, ich hör dir gern zu, ich fühl mich wohl bei dir, angenommen mit allem, was ich bin: mit all meinem Starrsinn und meiner Eitelkeit und meiner Schwäche und meiner Angst und mit Grumpy, und so gern hab ich dich, dass es mir selbst auch weh tut, wenn ich einen bösen, stachligen Moment bei dir habe, aber du lässt dich nicht so einfach verscheuchen, darauf darf ich mich verlassen.
Und ohne dich wär dieser wunderbare letzte Sommer nur halb so gut gewesen (danke), und ohne dich wäre Lindy Hop nicht passiert (danke), und ohne dich hätte ich mich nicht so leicht daran gewöhnt, in die Bibliothek zu gehen und mich an meine Masterarbeit zu setzen (danke). Ich bin froh, dass wir uns kennen, auch wenn es nicht leicht ist mit den Gefühlen, die du nicht erwiderst; aber ich hoffe, dass wir irgendwann wirklich Freunde sein können, bald, wenn ich nicht mehr traurig bin.

 

* … singt Majical Cloudz in Silver Car Crash, und das ist ein verwirrend schönes Lied.

Schaurig traurig

In der Bibliothek sitze ich und mein Gesicht brennt, mein Herz klopft, es zieht in meinem Bauch: nur, weil du zehn Tische weiter arbeitest und wir nachher Abendessen und Tanzen gehen. Ich hab gedacht, das kommt nicht wieder, aber als ich bei dir vorbeigeschaut habe, war ich verlegen wie ein Kind, also geb ich mich kühl, damit nicht alles ins Rutschen kommt und ich mir aus den Armen falle. Dieses Festhalten ist gewaltsam und ich wünschte, ich würde dich heute Abend nicht mehr sehen.

Abziehbilder

Das Gefühl zu dir ist älter geworden und fault. Aus der Zuneigung kriechen Würmer, fressen sie löchrig, und sie heißen: Missgunst und Eifersucht und Gier nach deiner Aufmerksamkeit. Sie werden zu mageren Hyänen und hocken in meinem Schatten, wenn ich neben dir sitze: ich hör nicht, was du sagst, ich zähl nur, wie viele andere Frauen darin vorkommen und behalte ausschließlich, was um mich geht, und weil das alles ist, woran ich denken kann, hab ich dir auch nichts zu sagen.
Und wenn da doch etwas wäre, lass ich mich von deinem Körper ablenken, aber er heißt jetzt nicht mehr: die Augen, die schön sind, oder: die Stimme, die ich gerne höre, oder: die Hände, die tanzen, oder: die Nähe, die froh macht, sondern: alles, was ich nicht zu lange ansehen darf, nicht mit den Augen und niemals mit den Händen.

Das hat alles gar nichts mehr mit dir zu tun. Selbst der Schmerz hat sich verändert und dreht sich stumpf in der Wunde.

Max

Das war mein Hund: Begleiter auf langen Streifzügen durch die Felder im Sommer, jedes in seine Welt vertieft, zu zweit, aber eins; und nie werde ich aufhören, den schweren Geruch von Springkraut zu lieben, das an den Bächen stand, die wir entlang gegangen sind.
Das war mein Hund: ebenbürtiger Gegner im Tauziehen, Spielgefährte, ewiger Gewinner von Wettrennen, Meister im Auffinden verlorener Spielzeuge, furchtloser Langstreckenschwimmer, den sein Körperbau dazu bestimmt hatte, nie einen einzigen Hasen zu fangen.
Und das war mein Hund: zartfühlend; stummer, aber beharrlicher Tröster, wenn ich weinend aus der Schule kam, der nicht von mir abließ, bis ich, unter Tränen, lachen musste; eine Seele von Hund, die aus dem Zimmer ging, wenn Leute stritten, meinen Bruder anbellte, wenn der vor der Playstation einen Wutanfall bekam, der Hund, der sonst ein schweigsamer Riese war – und  trotz seiner Körpermasse so vorsichtig durch unsere aufgebauten Spielzeuglandschaften gehen konnte, dass er kein einziges Figürchen umstieß.

Das war mein Hund.