Zwischenstand

Ich verbringe einen magischen Abend in der Stadt mit Du und danach denke ich: Ja, ganz sicher; ich führe ein Feedbackgespräch auf der Arbeit und das tut gut, ändert aber nichts; mein Brieffreund und ich wissen einander nichts zu sagen und das hätte ich nie für möglich gehalten; ich erwäge, in eine andere Stadt zu ziehen, was ich auch nie für möglich gehalten hätte; innerhalb von zwei Wochen melden sich drei Menschen aus meiner Vergangenheit wieder und bei jedem freu ich mich; meine Freundin war da und ich habe einen Schwips von dem Ouzo, den wir getrunken haben, und bin sehr zufrieden. Dazwischen ist Aufwachen an bleiernen Morgen und große Erschöpfung und der wunderbare Blues-Kurs.

30.11.

Gestern war ich bei meiner Freundin und hab ein Bild gezeichnet, von dem ich vorher nicht wusste, was drauf sein wird. Dann ist es einfach passiert und ich bin zufrieden. Schönes Gefühl.

 

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Halb leer

Donnerstag: Fühle mich leer und unvollständig bei der Arbeit und danach bei Freunden zwar aufgehoben, aber erschöpft.

Freitag: Wache auf, bin aus Blei oder schwerer, empfinde Panik beim Gedanken an das Wochenende, melde mich bei der Arbeit krank und verordne mir Pause. Du kommt vorbei, weshalb ich mich immerhin menschlich fühle, den Abend verbringe ich allein und zwinge mich, mich nicht davon abzulenken, dass ich ich bin.

Samstag: Ich schlafe lange und wache auf mit beinahe guter Laune, jedenfalls fühle ich mich ruhiger. Ich mache nichts als Sachen im Haushalt und bin ganz bei mir, meine Wohnung ist heilsam an diesem Tag. Abends fahre ich zu Du und freue mich drauf.

Sonntag: Weil Du schnarcht, habe ich kaum geschlafen und fühle mich wieder so aufgerieben und mutlos wie am Freitag, nur dass ich jetzt auch noch todmüde bin. Ich treffe eine Freundin zum Kaffee und falle danach in mich zusammen und ins Bett, statt tanzen zu gehen wie geplant. Jetzt kann ich mich selbst nicht mehr leiden und habe das Gefühl, bei der Übernachtung bei Du irgendwie versagt zu haben, weil ich nicht auf das achten konnte, was ich gebraucht hätte. Ich kann mir keine schlaflosen Nächte leisten und der Friede von gestern ist verloren.

Montag: Wache auf und fühle mich müde davon, mich mit mir selbst herumzuschlagen. Verabrede mich für vor der Arbeit und merke eine halbe Stunde später, dass ich das nicht schaffe. Ich bin immer noch überzeugt, alles falsch zu machen. Zusätzlicher Ballast: Nervigkeiten mit einem Techniker und welche mit meinem Körper, außerdem Freunde, die mehr oder weniger versteckte Kritik an meinen Entscheidungen äußern.

Ich kann jetzt nichts tragen.

Why don’t you do right

Ich trau mich zum Tanzen. Dass ich das schon lang nicht mehr gemacht habe, merke ich daran, dass Leute mich fragen, wo ich war, und selbst mein ehemaliger Tanzpartner und mehrfach gekrönter König meines gebrochenen Herzens sagt: Schön, dass du wieder da bist! – Kein Gefühlssturm; aber der ist womöglich ein schlafender Hund und ich werde tunlichst vermeiden, ihn aufzuwecken. Mein ehemaliger FreundPlus ist auch da und fühlt sich an wie ein Freund; ich freu mich. Und ich tanze. Ich fühle mich sehr oft nicht, als ob mein Körper und meine Beine eine sinnvolle Verbindung zwischen dem Raum und der Musik herstellen könnten. Ich merke, wie viele neue Sachen die Leute gelernt haben, mit denen ich lange nicht getanzt habe, und bin ein bisschen traurig, weil mein Repertoire sich noch so gleich anfühlt. Ich führe Buch über meine Fehler und Unzulänglichkeiten und bin an diesem Abend in keinem Moment wirklich frei und leicht beim Tanzen. Aber ich bin da und fühl mich trotz allem wohl und bin so froh, dass ich hingegangen bin.

Vorher war Du bei mir. Wir sind jetzt wohl ein Ding, Du und ich; jedenfalls fühlt es sich so an, aber das verrate ich niemandem und tue so, als wär das alles total vage, weil ich nicht zugeben will, dass ich mich nicht in einen italienischen Künstler- , sondern einen schwäbischen Zockertypen verliebe, aber genau das passiert, so, jetzt ist es raus.

Herz und Heim, ein Bollwerk

Ich gieße die Blumen meiner Freundin. Ihre Wohnung ist schön und voller Dinge. Ich beneide sie.
Ihre Dinge sind nicht mehr wie meine: improvisiert, gebraucht, nicht ganz passend. Ihre Dinge passen ganz genau. Sie sind schön, hochwertig und sie funktionieren. Manche davon – immer mehr davon – waren teuer. Viele sind sehr erwachsen: ein Hochbeet, ein Reiskocher, ein Mann.

Manchmal sage ich, dass meine Freundin spießig ist, aber diese Wohnung mit ihren vielen Dingen atmet gelassene Beständigkeit, ausgesuchte Behaglichkeit, sie ist gefeit vor den banalen Anwürfen des alltäglichen Lebens draußen: ich würde mir auch gerne so etwas geben können.