Was ich mir zum Geburtstag wünsche

Dass ich davon leben könnte, kreative Sachen zu machen, Fahrräder umlackieren zum Beispiel, oder fotografieren.

Dass ganz viele Leute meinen Blog lesen.

Dass Freunde und Freundinnen, die es schwer haben, es leichter haben.

Das große Romantik-Kaboom!

Ein Lagerfeuer.

Diesen Hund. Bitte. Bitte.

Ein Lindy-Hop-Festival, irgendwo, wo es schön  und mein ehemaliger Tanzpartner weit weg ist.

Und Erdbeerkuchen.

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Bleib bei dir

Geh nicht nach draußen, gehöre niemandem an, vergiss dich nicht, denk nicht mehr als an dich an einen einzigen anderen Menschen.

 

Papierkapitänin

Da komme ich heim und rausche unter vollen Segeln auf dem Wind dahin, der noch vom Wochenende her weht – meine Brüder hab ich gesehen und bin so froh, sie zu haben, und dann war Hochzeit: Momente mit alten Freundinnen, die wie Juwelen aus dem staubigen Durcheinander des Tages leuchten, und eine neue Bekanntschaft: wollen wir uns treffen, frage ich, denn ich mag seinen Humor und dass er freundlich zu allen Leuten ist, und er sagt, na klar; und am Ende fahre ich mit einem jungen Paar nach Hause und wir finden heraus, dass sie wen kennen, der vielleicht jemanden wie mich als Assistentin brauchen könnte, und heute morgen bin ich aufgewacht und immer noch froh. Und dazu freue ich mich über die Sonne, die Badesee sagt, und über das Rennrad, und aufs Kino heute Abend, und darauf, danach bei einem gewissen Mann zu übernachten –

aber ein falsches Wort, und ich falte mich zusammen wie eine erschauernde Mimose,

und eine Nachricht über jemanden, von dem ich nichts mehr hören möchte, und mein prachtvolles Segelschiff wird zum morschen Fischerkahn, ich sinke auf den Meeresgrund

und bleib da sitzen

und heule.

I don’t know why I didn’t come

Doris Lessing schreibt: „Ungebunden, sagen wir, doch die Wahrheit ist, dass sie eine Erektion bekommen, wenn sie mit einer Frau zusammen sind, die ihnen gar nichts bedeutet, dass wir aber nur einen Orgasmus bekommen, wenn wir ihn lieben.“ (Das goldene Notizbuch, Frankfurt am Main, 1978, S. 441.)

Am Anfang des Buches fand ich, Doris Lessing schreibt zu schematisch, pauschalisiert zu stark, aber je länger ich lese, desto öfter stimme ich ihr zu, und bei dieser Passage bin ich überzeugt, dass sie wahr ist. Dann denke ich, sie kann nicht wahr sein, nicht für alle Frauen (und nicht für alle Männer?),  auf keinen Fall – aber für mich ist sie vollkommen wahr.

Ich muss an meine Liebhaber denken – Doris Lessing würde sie Liebhaber nennen, wie nenne ich sie? Männer – an alle Männer, mit denen ich während der letzten vier Jahre geschlafen habe, und daran, dass ich keinem von ihnen meinen Orgasmus anvertrauen konnte, weil ich keinen von ihnen geliebt habe; und ich denke an die totgeborenen stillen Tiere meiner zurückgewiesenen Zuneigung, die ich in mir beerdigt habe, um wütend und dunkel über ihre Gräber zu wachen.

 

Und er: meinen Liebhaber würde Doris Lessing ihn nennen, meine Freundschaft Plus die jetzige Zeit, aber ich nenne ihn nur bei seinem Namen: Er gibt sich Mühe, damit ich auch komme, wenn wir miteinander schlafen, aber wann immer ich kurz davor bin, schnellt eine Barrikade in mir hoch, und das ist der Gedanke: Wenn ich jetzt loslasse, werde ich ihn womöglich lieben.

Ich hasse Grenzen. (Warum bist du dann noch da? – Weil ich es mehr mag als es mich wütend macht.)

 

In meinem unbelehrbaren Herzen: du

Auf der Abschlussparty fühl ich mich elend, weil ich das Festival nicht genießen konnte; du setzt dich neben mich und fragst, ob alles okay ist. Nein, sage ich, und deine Hand bleibt auf meinem Rücken, ich kann dich nicht anschauen (ich will so sehr, dass du da bleibst, dass ich mir wünsche, du würdest weggehen).

Sollen wir tanzen?, fragst du, und ich sage, was ich noch nie gesagt habe. Dieses Nein fühlt sich schrecklich an, und du fühlst es auch: Nein?, wiederholst du, weil es so unvorstellbar und verkehrt ist, dass wir beide nicht miteinander tanzen sollen.

Ich schüttle den Kopf, und damit zerschlage ich das Band zwischen uns, und es tut so weh.