Wie machen wir das jetzt?

Wir haben Streit, seit du dich verliebt hast, und ich versteh nicht, weshalb, ich versteh sehr viel an dieser Situation nicht, vor allem dich versteh ich nicht mit deiner Verweigerung eines klärenden Gesprächs. Nichts wird sich ändern, sagst du, aber ich denke, Dummkopf, natürlich wird es das.

Treffen wir uns, bevor du wegfährst?, frage ich, das ist in drei Tagen und wir haben uns immer noch nicht ausgesprochen.

Ich weiß nicht, sagst du. Vielleicht spontan, ich möchte ganz viel Zeit mit ihr verbringen, aber irgendwo kann ich bestimmt ein bisschen quatschen einschieben.

Ich sage zu dir, dass ich das verstehe, aber ich sehe einen Riss in unserer Freundschaft, den du nicht kitten möchtest.

Ich klinge wie die eifersüchtige beste Freundin und mag mich selbst nicht in dieser Rolle, ich will nicht zwischen euch kommen, aber ich fühl mich doch einen Platz weiter weggerückt, und wenn du mir Fotos von deinem Balkon schickst, als wäre nichts gewesen, seh ich in den Blumenkästen alles Ungesagte wuchern, und dass du das nicht merkst, tut am meisten weh.

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Gefühlskater: Hingeben hinnehmen

Wie ich dich besuchen komme, weiß ich, dass ich heute verliebt in dich sein werde, und ich zaudere kurz vor dem Gefühl. Dann nehm ich es an, weil es schön ist, und es ist wirklich schön, so weich zu sein und für einen Abend, eine Nacht und einen Morgen die üblichen Schranken fallenzulassen.

Das Grübeln kommt am nächsten Tag, das hab ich in Kauf genommen, aber jetzt sitz ich eben da und – grüble.

I killed the beast, that part of me is dead*

Ich habe mir verordnet, am Wochenende allein zu sein und wieder mit der Welt klar zu kommen, aber heute wach ich auf und Grumpy ist da und wir können uns kaum in die Augen schauen, so sehr wünschen wir uns, dass Menschen um uns wären. Dann müssten wir uns nicht spüren und wie wir einander das Leben schwer machen.

Du hast Scheiße gebaut, sage ich zu ihm. Entschuldige dich bei meinen Freunden.

Ich bin nicht immer an allem schuld, sagt er gereizt. Das ist auch deine Scheiße, und jetzt sieh zu, wie du da rauskommst.

 

* Für schaurig traurige Momente: Asaf Avidan mit Labyrinth Song.

It’s so damn dark I think I’m going blind

Ich seh nix mehr. Nichts ist mehr klar, die ganze Welt ist Nebel und Scherben, und in den lichteren Momenten erkenn ich, dass ich meinen Abfall meinen Freunden in die Vorgärten gekippt hab.

Und wir, vor drei Tagen noch beste Freunde, sind fremd bitter stumm, ich verstehe nicht, was geschehen ist, du verrätst es mir nicht, ich vermisse dich und bin wütend und verwirrt und weiß nicht, was ich tun kann.

Allein und erschöpft fühl ich mich.

 

Das ganze tägliche Leben

Alle meine kleinen, neugierigen Tiere habe ich in die Welt geschickt, und sie haben sich hineingeworfen mit weit offenen Augen, voll Lust und voll Hunger, bedürftig sind sie gewesen und haben verschlungen: Nähe, Gespräche, Begegnungen alt und neu, Hoffnung, Vorfreude, Berührungen, den Kitzel des Anfangs, Wärme, Kaffee und Kaffee und Kaffee, Blicke: schüchterne, gesenkte, erwiderte, vertraute, Gelächter, Bücher, Nachrichten, fremden und eigenen Kummer, Geschichten, einen Körper in der Nacht: warme, weiche Haut und ein Atem, Form und Linie bei Lampenlicht; Schönheit an Menschen, wiedergefunden, neuentdeckt, atemberaubend jedes Mal.

All meine Tiere sind ausgeschwärmt, die kleinen Wölfe und bunten Vögel, im Wind höre ich ihre Stimmen von Ferne und weiß: es ist Zeit, sie nach Hause zu rufen, eins nach dem andern, um zu besehen und zu ordnen, was sie von draußen mitgebracht haben in ihren runden, warmen Bäuchen.

All that fascination

War das deine beste Freundin?, fragt mein Kollege.
Ja, sage ich, weil das, was die meisten Leute so unter „beste Freundin“ verstehen, wahrscheinlich ungefähr zutrifft.
Hat man gesehen, sagt er. Du warst so happy.

Warum gibt es eigentlich Bestefreundinnen und Freundinnen? Wenn man das schon kategorisieren muss, sind einfach alle meine Freundinnen meine besten Freundinnen. Und meine Freunde dürfen auch meine besten Freundinnen sein.
Ich lerne, ein neues Verhältnis nicht zu etikettieren, und Etiketten fühlen sich überhaupt immer unsinniger an: du bist mein guter Freund, du aber bist ein Kumpel, du dagegen eine Bekannte, du bist meine beste Freundin und du meine längste, du bist meine Affäre, du mein Schwarm, und du bist eine gute Freundin, aber du kannst nicht die beste sein, weil ich diesen Titel schon vergeben habe – – –
Ist doch alles Liebe.
Ich hab bei einem Mann übernachtet und treffe gleich meinen Kinokollegen mit dem schönen schlanken Nacken – in dem Café, in dem der hübsche, kluge, sympathische Mann arbeitet, mit dem ich kürzlich Kaffee trinken war.

Und Frühling.