Oh, do you know how much I wish it to be so

Und dann, plötzlich, eine Kette beglückender Ereignisse: ich komm herausgepurzelt, randvoll mit Seligkeit.

 

(Ein Date. Funkenflug! Und Masterarbeit. Und Menschen. Und Fahrrad repariert. Und Wohnung aufgeräumt. Gearbeitet. Und getanzt, getanzt! Und du, du schönes, schönes, schönes Wesen. Fast hätt ich dir im allgemeinen Glück was Verliebtes zum Abschied gesagt, aber ich konnt mich grade so beherrschen.)

Advertisements

Huch

Gestern im Workshop war ein netter Mann mit Brille und Bart und einem fröhlichen Dutt, und nachher geht er allein durch die leere Straße davon, da ruft jemand seinen Namen, aber er dreht sich nicht um, weil er mit seinem Handy beschäftigt ist, jetzt kommt hinter ihm wer angerannt und tippt ihm auf die Schulter: das bin ich, außer Atem vom Rennen, und ich sage: Wollen wir mal Kaffee trinken gehen?

Projekt

Ich kann nicht über die eigentlichen Dinge schreiben.
Da war ein Abend in einem kleinen Raum mit gedämpftem Licht: Workshop hieß das, und fremde Menschen kamen, um bei uns zu sitzen, und dann ist so beiläufig etwas so Großes, Tiefes entstanden, dass ich es noch immer kaum begreife.
Ich wünsch mir, dass das wieder passieren kann.
Ich wünsch mir, ich hätte Kunst studiert.
Ich wünsch mir, dass das der Anfang von etwas ist, weil ich mich so ganz dort hinein geben konnte, weil das, was ich bin, mit dem, was meine Freundin ist und was ein weiterer Künstler ist, zu etwas wird, das einem Menschen für eine halbe Stunde ermöglicht, sich selbst zu begegnen und sich gütig zu begegnen, vor uns und mit uns. Im Schein der Lampe weben wir ein zartes, aber dichtes Netz, wir werden ein Kokon und machen Schmetterlinge.

Mach das mal durch Kunstgeschichte, durch reine Theorie, das kannst du nicht.

(Was passiert ist: jemand kommt zu uns und meine Freundin und Projektpartnerin und einfühlsamste Fragerin unterhält sich mit ihm über seinen Körper und wie er sich darin fühlt. Hinter einem Paravent sitzen ich und ein richtiger Künstler und zeichnen Bilder aus den Antworten. Die Gespräche und Bilder sind Geschenke, von uns so sehr wie für uns, wir alle erleben und fühlen und staunen und schaffen mehr, als wir für möglich gehalten haben.)

Entdeckung

Letztes Jahr war ich zur Weihnachtszeit in einer Kirche und hab mir die Krippe angeschaut und was stand da in der detailgetreuen Hirtenlandschaft, zwischen all den Schafen und Ziegen und andächtigen Eseln? Ein Pinguin.

Dieses Jahr dachte ich mir, ich muss doch wisssen, ob der Pinguin wieder da ist.
Die Krippe sieht heuer anders aus und die Hirtenlandschaft ist verschwunden, aber in der Tat: da steht unverdrossen der Pinguin, und dieses Jahr hat er eine Pinguinin und fünf flauschige Küken mitgebracht.

Wer rauskriegt, in welcher Kirche das ist, bekommt einen Pinguin frei Haus!

Einfach

In einem Forum hat jemand einen Thread aufgemacht, um zu fragen: Wozu leben wir, wo wir doch sowieso wieder sterben? Was ist der Sinn?

Ist doch egal, denke ich, weil ich mich über meinen Kaffee freue. Solchen Fragen stehe ich gegenüber wie ein Hund, dessen Welt mit Essen und Schlafen und Tuchfühlung und Spaziergängen so ausgefüllt ist, dass der Sinn des Lebens nicht auch noch hineinpasst.

11.11./JETZT

„Haben Sie das Gefühl, Sie kommen mit dem Medikament wieder auf ein Level, auf dem Sie sich so gut fühlen wie früher?“, fragt meine Psychiaterin.

Die Frage ist falsch gestellt. Ich antworte, dass ich mich eigentlich nie einfach gut gefühlt habe, aber was ich wirklich denke, was in prallen bunten Lettern in meiner Brust aufsteigt wie Luftballons, was ich mich auszusprechen nicht getraue, ist: Es ist sehr möglich, dass das bis jetzt die beste Zeit in meinem ganzen Leben ist.
Und es ist so voll, dieses Leben: voller, als es je gewesen ist, voller, als ich überhaupt für möglich gehalten habe. Ich fahre auf dem Fahrrad nach Hause und freue mich über dies funktionierende Stück Mechanik, die mich freier und froher macht, und der Abend mit Freunden fährt mit, und die neue Arbeit mit den neuen Leuten fährt mit, und das Tanzen fährt mit, und dass ich meine Familie habe, fährt mit, und ein gutes letztes Jahr fährt mit, ganze Welten fahren mit und über mir fahren die Sterne, sie fahren freihändig und plötzlich muss ich weinen, weil mir die schiere Fülle einen solchen Schrecken einjagt.

I am in perfect love with you*

Ich finde alles gut an dir.
Dagegen ist vernünftigerweise einzuwenden, dass das schlicht nicht möglich sei, aber Liebe macht blind, ich bin in dich verliebt und kann beim besten Willen einfach nichts an dir entdecken, das mir auf die Nerven geht. Du bist so ein schöner Mensch, von innen und außen, und ich mag es sogar, wenn wir uns nicht einig sind (ungefähr immer) und uns die Köpfe heiß diskutieren darüber, ob weißes Geschirr schön ist oder nicht. (Ist es nicht. Du hast unrecht.)
Du bist ungewöhnlich und schön und ungewöhnlich schön, ich schau dich gern an, ich hör dir gern zu, ich fühl mich wohl bei dir, angenommen mit allem, was ich bin: mit all meinem Starrsinn und meiner Eitelkeit und meiner Schwäche und meiner Angst und mit Grumpy, und so gern hab ich dich, dass es mir selbst auch weh tut, wenn ich einen bösen, stachligen Moment bei dir habe, aber du lässt dich nicht so einfach verscheuchen, darauf darf ich mich verlassen.
Und ohne dich wär dieser wunderbare letzte Sommer nur halb so gut gewesen (danke), und ohne dich wäre Lindy Hop nicht passiert (danke), und ohne dich hätte ich mich nicht so leicht daran gewöhnt, in die Bibliothek zu gehen und mich an meine Masterarbeit zu setzen (danke). Ich bin froh, dass wir uns kennen, auch wenn es nicht leicht ist mit den Gefühlen, die du nicht erwiderst; aber ich hoffe, dass wir irgendwann wirklich Freunde sein können, bald, wenn ich nicht mehr traurig bin.

 

* … singt Majical Cloudz in Silver Car Crash, und das ist ein verwirrend schönes Lied.