Gut

Bis über die Hüften steh ich im Wasser, das noch zu kalt ist, meine Hände liegen offen auf der blauen Oberfläche und ich mache mich bereit für den Moment, der gleich kommen wird, das kalte Wasser, das sich um meinen Körper schließt – und es ist wahrhaftig noch zu kalt, ich schwimme in raschen Zügen, um mich aufzuwärmen, aber bald muss ich aufgeben. Danach sitze ich in der Sonne und spüre meinen Körper, der sich schwer atmend von dem Schreck erholt, die Sonne auf der Haut spür ich und meine ganze lebendige Schwere, und wie ich langsam in mich zurück gleite, ist die Traurigkeit nicht mehr so groß. Du bist noch da, sagt der See, und der Himmel ist sehr blau.

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Meine Wohnung redet

Die Scheibe meiner Balkontür haben die Vormieter bestimmt noch nie geputzt, so dreckig ist sie. Beim Einzug hab ich mich drüber geärgert und mir das Putzen sehr vorgenommen.

Jetzt, ein Jahr später, ist die Scheibe immer noch gleich schmutzig. Beobachten zu können, wie sich das Licht in Staubkörnern und Regenflecken fängt, bedeutet mir mehr als klar zu sehen.

Das ganze tägliche Leben

Alle meine kleinen, neugierigen Tiere habe ich in die Welt geschickt, und sie haben sich hineingeworfen mit weit offenen Augen, voll Lust und voll Hunger, bedürftig sind sie gewesen und haben verschlungen: Nähe, Gespräche, Begegnungen alt und neu, Hoffnung, Vorfreude, Berührungen, den Kitzel des Anfangs, Wärme, Kaffee und Kaffee und Kaffee, Blicke: schüchterne, gesenkte, erwiderte, vertraute, Gelächter, Bücher, Nachrichten, fremden und eigenen Kummer, Geschichten, einen Körper in der Nacht: warme, weiche Haut und ein Atem, Form und Linie bei Lampenlicht; Schönheit an Menschen, wiedergefunden, neuentdeckt, atemberaubend jedes Mal.

All meine Tiere sind ausgeschwärmt, die kleinen Wölfe und bunten Vögel, im Wind höre ich ihre Stimmen von Ferne und weiß: es ist Zeit, sie nach Hause zu rufen, eins nach dem andern, um zu besehen und zu ordnen, was sie von draußen mitgebracht haben in ihren runden, warmen Bäuchen.

All that fascination

War das deine beste Freundin?, fragt mein Kollege.
Ja, sage ich, weil das, was die meisten Leute so unter „beste Freundin“ verstehen, wahrscheinlich ungefähr zutrifft.
Hat man gesehen, sagt er. Du warst so happy.

Warum gibt es eigentlich Bestefreundinnen und Freundinnen? Wenn man das schon kategorisieren muss, sind einfach alle meine Freundinnen meine besten Freundinnen. Und meine Freunde dürfen auch meine besten Freundinnen sein.
Ich lerne, ein neues Verhältnis nicht zu etikettieren, und Etiketten fühlen sich überhaupt immer unsinniger an: du bist mein guter Freund, du aber bist ein Kumpel, du dagegen eine Bekannte, du bist meine beste Freundin und du meine längste, du bist meine Affäre, du mein Schwarm, und du bist eine gute Freundin, aber du kannst nicht die beste sein, weil ich diesen Titel schon vergeben habe – – –
Ist doch alles Liebe.
Ich hab bei einem Mann übernachtet und treffe gleich meinen Kinokollegen mit dem schönen schlanken Nacken – in dem Café, in dem der hübsche, kluge, sympathische Mann arbeitet, mit dem ich kürzlich Kaffee trinken war.

Und Frühling.