22.12.

 

15770426402247857527200103888115

 

Ich komm nicht zum Schreiben, es passiert so viel. Aber ich freu mich auf alles zwischen jetzt und dem 1. Januar, ich höre Melody Gardot und zeichne und bin wunderbar befriedet und ganz bei mir.

 

17.12.

Ich schwänze meinen Blues-Kurs, um zu zeichnen. Schade, aber nötig, und am Ende bin ich stolz auf mich. Im Hintergrund unermüdlich Du, der mich lobt und anfeuert, und eine alte Freundin, die mir was zutraut.

IMG-20191217-WA0005

11.12.

Ich geh durch den Tag und fühl mich so euphorisch wegen lauter Kleinigkeiten, und ich wunder mich, bis mir einfällt, dass ich mich vielleicht gar nicht euphorisch fühle, sondern einfach normal gut, aber es fühlt sich an wie Euphorie, weil mein Grundgefühl der letzten Wochen einfach so kacke war. Fühlen sich die ganzen normalen Leute immer so? Wooooow.

Weil, das Erstgespräch für die Berufsberatung war gut, und danach hab ich mich in ein Café ausgeführt, in dem mir die niedlichste Bedienung der Welt Kaffee und Apfelstrudel serviert hat und nicht wusste, dass ich sehr verliebt in sie war, und nebenbei hab ich gezeichnet und Tolstoi gelesen und dann war ich bei der Arbeit und das war okay, weil es sich nicht mehr wie eine Sackgasse anfühlt, und danach hab ich meine sexy neuen Bluetooth-Kopfhörer ausgepackt und mit meinem Typen telefoniert und Essen bestellt, und ich bin immer noch glücklich, obwohl die bei der Lieferung meine Krabbenchips vergessen haben (!!!!!!!), und weil ich letzte Nacht fast nicht geschlafen und darauf Ouzo getrunken habe, verfasse ich diesen Text, als würde ihn eine Sechsjährige sprechen, nämlich ohne jemals Luft zu holen, so.

Amore, euforia

Zwischen Arbeit und Blues-Kurs esse ich bei Du zu Abend und finde zwischen uns einen Schmetterling und darauf segel ich zu meinem Kurs.

In Wahrheit segle ich nicht. Ich ackere wie ein Lastesel: auf einem Fahrrad mit schleifender Bremse bei Gegenwind. Es macht aber nichts, wegen des Schmetterlings und weil jedes Mittel wunderschön ist, das mich zu meinem Blues-Kurs bringt.

Du zieht in ein paar Tagen in eine andere Stadt. Mir wäre lieber, er würde nicht.

Wonniger Dienstag

Das macht natürlich der Blues-Kurs mit mir. Vom Kontakt mit anderen Körpern fühlt sich der meine anders an, ich spüre die Stellen, mit denen ich mich gegen die anderen Tänzer gelehnt habe, so deutlich, dass ich es fast nicht mehr aushalten kann.*

Mein Blut ist kühl geblieben, wenn mir wer vom Tango, von anderen Tänzen mit engem Körperkontakt erzählt hat, Das ist nichts für mich, habe ich gesagt – – – und hier bin ich und kann gar nicht fassen, wie glücklich Blues mich macht.

Es ist auch genau dieser Kurs mit genau diesen Menschen und genau diesem Lehrer, der Blues so liebt, dass er sich weigert, ihn im grellen Deckenlicht zu unterrichten, also üben wir im Halbdunkel unter bunten Scheinwerfern, und ich fühl mich, als hätte ich das verrückte Glück gehabt zu finden, was einmal in der Woche der beste, magischste Ort der Stadt ist.

Ich will, dass das nie wieder aufhört, in meinem Leben zu sein.

 

 

*Entdeckung der letzten Woche: Frauen haben Brüste. Sehr.
Man kann sich auch gegen Brüste lehnen, sie sind nur unleugbar da. Und weich!

Here to stay, vielleicht

Du und ich stellen fest, dass er die Frau in der Beziehung ist, denn er isst weniger, redet mehr, friert schneller und hat wildere Gefühlsausbrüche.

Ich bin ihm dankbar, dass ich nicht die Frau sein muss, sondern meine große böse Lederjacke anziehen kann, so viel ich will, und dass er nichts an mir in Frage stellt außer, wie unerbittlich ich mich selbst in Frage stelle (und Christopher Nolan blöd finde), und ich mich dadurch selbst okayer finde. Man soll nicht brauchen, aber manchmal bekommt man einfach.