Ein Buch angucken

Ich gucke „Alias Grace“ auf Netflix und suche dabei beständig nach dem Wort hinter dem bewegten Bild – und immer, wenn die Hauptdarstellerin Margaret Atwoods lange, schöne Textpassagen spricht, denke ich: Das ist es doch. Das ist es doch! Wie kann Sprache so klar und schön sein und so stark? Da ist nichts Überflüssiges gesagt, alles ganz präzise, aber niemals kühl. Ich möchte Margaret Atwood zu meiner neuen Lieblingsschriftstellerin machen und alles verschlingen, was ich von ihr zwischen die Zähne bekommen kann.

Ob ich mir die Verfilmung von „A Handmaid’s Tale“ geben will, weiß ich noch nicht. Irgendwie mag ich an „Alias Grace“, dass hier Frauen über Frauen sprechen, und der männliche Producer von „A Handmaid’s Tale“ irritiert mich. Sollte er vielleicht nicht. Vielleicht tut er’s auch nur, weil das dauernd so ist – Männer, die Frauen zeigen, seit hunderten von Jahren. Oder?

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Netflix

Gibt es eigentlich auch Serien/Filme/andere Medien im Mainstream, die sich mit psychischen Erkrankungen auseinandersetzen, ohne dass dafür irgendwelche Mordfälle aufgeklärt werden müssen? Werden alle Psychos Detektive oder Polizisten? Liegt es daran, dass ich mit den Geisteswissenschaften auf keinen grünen Zweig komme? Sagt das doch gleich.

Anmerkung

Deppen, die auf Reisen gehen, kommen halt als Deppen wieder. Als weitgereiste Deppen mit mehr Strandselfies, aber trotzdem. Okay, sie dürfen dann endlich mitreden, wenn es um die Gastfreundschaft fremder Kulturen geht, darum, wie warm und herzlich alle Menschen überall sind, wo nicht Zuhause ist – und man lernt ja so viel über sich selbst! Und man hat sich überhaupt erst selbst gefunden, da draußen! Denn in Deutschland kann man sich gar nicht selbst finden, wie denn auch, wenn in Südostasien die Menschen so viel einfacher leben! Der Hammer, wie wenig die haben brauchen! Und wenn man zurückkommt, darf man als echter Globetrotter außerdem lässig-selbstverständlich in jeden englischen Satz „you know, like, …“ einbauen. Cool!

Damit will ich sagen, dass man beim Reisen überhaupt nichts verstehen muss, wenn man nicht will. Und wer klug und offen und reflektiert genug ist, um in fremden Ländern was zu begreifen, der war auch vorher schon kein Depp. Also bleibt mir weg mit „Wirf alles hin und mach deine Weltreise. Jetzt!“, „Man sollte aber schon mal ein Jahr im Ausland gewesen sein“, woher will überhaupt irgendwer wissen, was ich sollte, aber ihr solltet alle mal die Klappe halten, ihr überheblichen verwöhnten kleinen Backpack-Kinder, Himmelherrgottnochmal.

 

(Das ist arg persönlich und verärgert und polemisch. Wir wissen das.)