Lieblings

Du leuchtest. Du leuchtest unter allen anderen Tänzern, ein kleiner heller Punkt in der schwingenden Menge, das bist du und weißt es nicht.

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For I need to care for no one

Ich sitze in der Bibliothek und mache Notizen zu Lady Anne Blunts Reisebericht.

Das stimmt nicht. Ich sitze in der Bibliothek und Lady Anne Blunts Reisebericht liegt neben mir und ich schreibe dir einen flammenden Liebesbrief.

Schon wieder: Night and day

why is it so
that this longing for you follows
wherever I go

And this torment won’t be through
Till you let me spend my life
Making love to you
Day and night, night and day

Vor der Arbeit suchen wir dir eine Brille aus und dann steh ich hinter der Theke und weine ins Popcorn;
nach der Arbeit sehen wir uns beim Tanzen (du bist schon da und ich komme nach – du redest mit jedem und jeder redet gern mit dir, denn du bist nett, du bist einfach richtig nett, ich dagegen brauche dich, weil ich nicht weiß, wie man mit Leuten in Gespräche kommt)
und ich fühle: deine Schulter unter meiner Hand, deinen Arm um meinen Rücken, deinen ganzen warmen lebendigen Körper neben mir: er zwitschert und lacht, so ein Körper ist das,
und ich weiß, was gleich zwischen uns passieren wird: tanzen werden wir,
und ich denke, dass wir jetzt gerade alles sind, was wir überhaupt nur sein könnten.
Zum Abschied umarmen wir uns und wie ich davonfahre, tut sich in mir etwas auf und die Welt stürzt hinein und was übrig bleibt, ist einen Schatten grauer.

Oder, wie eine Freundin von mir feststellt: Dazu ist eigentlich nichts mehr zu sagen.

I am in perfect love with you*

Ich finde alles gut an dir.
Dagegen ist vernünftigerweise einzuwenden, dass das schlicht nicht möglich sei, aber Liebe macht blind, ich bin in dich verliebt und kann beim besten Willen einfach nichts an dir entdecken, das mir auf die Nerven geht. Du bist so ein schöner Mensch, von innen und außen, und ich mag es sogar, wenn wir uns nicht einig sind (ungefähr immer) und uns die Köpfe heiß diskutieren darüber, ob weißes Geschirr schön ist oder nicht. (Ist es nicht. Du hast unrecht.)
Du bist ungewöhnlich und schön und ungewöhnlich schön, ich schau dich gern an, ich hör dir gern zu, ich fühl mich wohl bei dir, angenommen mit allem, was ich bin: mit all meinem Starrsinn und meiner Eitelkeit und meiner Schwäche und meiner Angst und mit Grumpy, und so gern hab ich dich, dass es mir selbst auch weh tut, wenn ich einen bösen, stachligen Moment bei dir habe, aber du lässt dich nicht so einfach verscheuchen, darauf darf ich mich verlassen.
Und ohne dich wär dieser wunderbare letzte Sommer nur halb so gut gewesen (danke), und ohne dich wäre Lindy Hop nicht passiert (danke), und ohne dich hätte ich mich nicht so leicht daran gewöhnt, in die Bibliothek zu gehen und mich an meine Masterarbeit zu setzen (danke). Ich bin froh, dass wir uns kennen, auch wenn es nicht leicht ist mit den Gefühlen, die du nicht erwiderst; aber ich hoffe, dass wir irgendwann wirklich Freunde sein können, bald, wenn ich nicht mehr traurig bin.

 

* … singt Majical Cloudz in Silver Car Crash, und das ist ein verwirrend schönes Lied.

Schaurig traurig

In der Bibliothek sitze ich und mein Gesicht brennt, mein Herz klopft, es zieht in meinem Bauch: nur, weil du zehn Tische weiter arbeitest und wir nachher Abendessen und Tanzen gehen. Ich hab gedacht, das kommt nicht wieder, aber als ich bei dir vorbeigeschaut habe, war ich verlegen wie ein Kind, also geb ich mich kühl, damit nicht alles ins Rutschen kommt und ich mir aus den Armen falle. Dieses Festhalten ist gewaltsam und ich wünschte, ich würde dich heute Abend nicht mehr sehen.

Abziehbilder

Das Gefühl zu dir ist älter geworden und fault. Aus der Zuneigung kriechen Würmer, fressen sie löchrig, und sie heißen: Missgunst und Eifersucht und Gier nach deiner Aufmerksamkeit. Sie werden zu mageren Hyänen und hocken in meinem Schatten, wenn ich neben dir sitze: ich hör nicht, was du sagst, ich zähl nur, wie viele andere Frauen darin vorkommen und behalte ausschließlich, was um mich geht, und weil das alles ist, woran ich denken kann, hab ich dir auch nichts zu sagen.
Und wenn da doch etwas wäre, lass ich mich von deinem Körper ablenken, aber er heißt jetzt nicht mehr: die Augen, die schön sind, oder: die Stimme, die ich gerne höre, oder: die Hände, die tanzen, oder: die Nähe, die froh macht, sondern: alles, was ich nicht zu lange ansehen darf, nicht mit den Augen und niemals mit den Händen.

Das hat alles gar nichts mehr mit dir zu tun. Selbst der Schmerz hat sich verändert und dreht sich stumpf in der Wunde.

Evil young thoughts

I’m an evil young hustler
To be so curious
Those are evil young thoughts here
But I’m so jealous, so jealous

– Tanita Tikaram, Wonderful Shadow –

Du bist beschäftigt und ich habe ohnehin keinen Anspruch auf dich, aber in mir tobt die Eifersucht in Rudeln durcheinander, das stürzt zähnefletschend über sich selbst, prallt gegen Wände, verknäult sich jaulend, kommt nicht los.
Das soll ich im Zaum halten; ich soll nicht sagen: Du gefällst mir am besten, oder: Ich mag deine Hände, oder: Ich möchte dich anfassen, und schon gar nicht: Dich an meiner Seite, das könnte ich mir vorstellen, ich habe mir schon alles fertig ausgedacht, weil wir so schön miteinander funktionieren und es ergibt gar keinen Sinn, dass du das nicht wollen solltest.

Ich soll stattdessen gelassen sagen: Das geht vorbei, und: Ich werd mich auch wieder in anderswen verlieben, und: So bezaubernd bist du nun auch nicht, das ist nur eine vorübergehende Täuschung, und wir sind sicher viel verschiedener, als ich mir jetzt einrede.
Und ich soll auch nicht eifersüchtig sein auf jeden Gedanken, in dem ich nicht vorkomme, und auf jede andere Frau in der Stadt, und auf jedes Lachen mit jemandem, der nicht ich bin, und jede nie geschriebene Nachricht von dir, aber wie soll ich vernünftig sein, wo ich es doch am Körper spüre: etwas, das von innen gegen meinen Brustkorb drückt, und ich wäre so froh, wenn er platzen könnte.
Da ich aber nicht platzen kann, schaue ich hungrig in die Nacht und meine eifersüchtigen kleinen Wölfe heulen unter deinem Fenster.