Gut

Bis über die Hüften steh ich im Wasser, das noch zu kalt ist, meine Hände liegen offen auf der blauen Oberfläche und ich mache mich bereit für den Moment, der gleich kommen wird, das kalte Wasser, das sich um meinen Körper schließt – und es ist wahrhaftig noch zu kalt, ich schwimme in raschen Zügen, um mich aufzuwärmen, aber bald muss ich aufgeben. Danach sitze ich in der Sonne und spüre meinen Körper, der sich schwer atmend von dem Schreck erholt, die Sonne auf der Haut spür ich und meine ganze lebendige Schwere, und wie ich langsam in mich zurück gleite, ist die Traurigkeit nicht mehr so groß. Du bist noch da, sagt der See, und der Himmel ist sehr blau.

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I killed the beast, that part of me is dead*

Ich habe mir verordnet, am Wochenende allein zu sein und wieder mit der Welt klar zu kommen, aber heute wach ich auf und Grumpy ist da und wir können uns kaum in die Augen schauen, so sehr wünschen wir uns, dass Menschen um uns wären. Dann müssten wir uns nicht spüren und wie wir einander das Leben schwer machen.

Du hast Scheiße gebaut, sage ich zu ihm. Entschuldige dich bei meinen Freunden.

Ich bin nicht immer an allem schuld, sagt er gereizt. Das ist auch deine Scheiße, und jetzt sieh zu, wie du da rauskommst.

 

* Für schaurig traurige Momente: Asaf Avidan mit Labyrinth Song.

It’s so damn dark I think I’m going blind

Ich seh nix mehr. Nichts ist mehr klar, die ganze Welt ist Nebel und Scherben, und in den lichteren Momenten erkenn ich, dass ich meinen Abfall meinen Freunden in die Vorgärten gekippt hab.

Und wir, vor drei Tagen noch beste Freunde, sind fremd bitter stumm, ich verstehe nicht, was geschehen ist, du verrätst es mir nicht, ich vermisse dich und bin wütend und verwirrt und weiß nicht, was ich tun kann.

Allein und erschöpft fühl ich mich.

 

Das Recht auf ein verpfuschtes Leben ist unantastbar

Ich liebe dich und ich liebe Lindy Hop und am meisten liebe ich Lindy Hop mit dir – heute Abend gab es das, ich hab noch Bekannte dazu eingeladen, alles war ganz fabelhaft, nur ich bin nicht hingegangen.

Meine hungrigen, lärmenden Vögel

Worüber ich mit meiner Therapeutin in letzter Zeit rede, mit meiner adretten, klugen, jungen Therapeutin, die immer ein bisschen unschuldig aussieht und trotzdem fast immer so, als hätte sie alles im Griff: darüber, dass ich in Wahrheit noch immer nicht begreife, warum Menschen mich gern haben und mit mir befreundet sein (und bleiben!) wollen.
Für ein Ärgernis halte ich mich:
ich komme zu spät,
ich hab schlechte Tage,
ich bin unzuverlässig,
ich schaffe nicht, was man mir aufträgt,
ich sage ab,
ich hab Schwierigkeiten mit normalen Sachen,
ich muss an die Hand genommen werden,
ich hab Redebedarf,
ich bringe doch keinen Kuchen mit,
ich hab kein Geld fürs Kaffeetrinken,
ich mache Schulden,
ich vergesse ausgeliehene Bücher/meinen Geldbeutel/Geburtstage/Dinge, um die mich wer gebeten hat,
ich trau mich nicht,
ich komm nicht mit,
ich brauche am längsten,
ich weine,
ich komme mit Kummer und Sorge auf der Schulter,
ich hab nichts vorbereitet, weil mich das gestresst hat,
ich kann nicht besucht werden, weil die Wohnung unordentlich ist,
ich brauche Zuspruch, weil ich mich vor der ganzen Welt fürchte,
ich bin ganz unzureichend, wohin man nur schaut, aber da seid ihr und sagt, es reicht doch.

Wie es reichen kann, versteh ich immer noch nicht, ich hab mir nur abgewöhnt, daran zu denken, aber in mir rumort es weiter: noch immer glaube ich, ich stünde bei allen so tief in der Schuld, dass ich mir nicht auch noch Bedürfnisse leisten kann. Das wiegt schwerer, je näher man mir kommt, denn je mehr man sieht, für desto mehr glaube ich mich entschuldigen zu müssen, und wenn schon alle Geduld und Großmut ausgeschöpft ist, wie soll ich dann noch sagen, dass ich jetzt auch noch ein Eis will?
(Andere wollen auch Eis, nur mir steht keines zu.)