Dummkopf

Am schlechtesten bin ich zu den Menschen, die ich am liebsten habe.

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Auf See

Morgens stehe ich auf und alles ist OK, aber nach zwei Stunden Sachen machen im Haushalt ist die Luft raus. Ich sinke. Warum? Wohin?

Du bist sauer auf mich oder enttäuscht von mir, ich hör’s an deinem Schweigen. Meine hundertste Entschuldigung verpufft ins Leere, vielleicht sind hundert Mal ein Mal zu viel (bitte nicht). Hermetische Enge: du brauchst mich, ich brauch dich zum Tanzen, zweifache Last.

I’m slime

Da war ein Anlass, aber welcher?
Der Tag fängt gut an und ist dann plötzlich nicht mehr gut. Irgendwas Diffuses hat sich innerhalb kurzer Zeit abgespielt und jetzt bin ich zu klein für die Welt, geschrumpft sitze ich unter dem Schreibtisch und versuch mir vorzustellen, wie ich jetzt tanzen gehen soll, wenn alle anderen Menschen noch normal groß sind. Oder in der Mensa mit ihnen reden – ich müsste ja ganz laut schreien, weil meine Stimme auch geschrumpft ist.

Ich stemme den Laptop auf und hüpfe von Taste zu Taste, was immerhin beweist, dass ich noch da bin.

 

(Du freust dich drauf, dass ich mitkomme, in die Mensa, zum Tanzkurs, das macht es irgendwie schlimmer.)

Putsch!

Grumpy hat die Macht übernommen und als erstes das Zähneputzen abgeschafft. Und dann den Abwasch. Wichtige Anrufe finden nicht mehr statt. Aufstehen vor elf Uhr ist nicht mehr erlaubt, dafür mein gerade eingeführtes Schokoladenverbot wieder abgeschafft. Meine Masterarbeit interessiert ihn nicht und wird auch nicht mehr unterstützt. Kleider gehören nicht mehr in den Schrank, sondern auf den großen Schaukelstuhl, und weil Tassen nicht gespült werden, können wir ab morgen keinen Kaffee mehr trinken. Wie wir dieses Problem lösen, ist dann meine Sache.
Grumpy verfügt, dass wir in der Wohnung nichts Sinnvolles mehr machen, bis es Zeit ist, aus dem Haus zu gehen. Wir kommen vom Einkaufen nach Hause und dann bestimmt Grumpy, dass wir uns im Flur auf den Boden setzen und, Jacke an, die Tafel Schokolade gleich aus der Einkaufstasche essen.
Und so seit Wochen.

Alle Tage wieder

Heute ist Uni. Grumpy sagt, es ist völlig ausgeschlossen, dass wir da hingehen. Nächste Woche vielleicht! Jetzt sind wir einfach noch nicht so weit.

Er liegt noch faul im Bett und stinkt vor sich hin. Ab unter die Dusche!, kommandiere ich, und er guckt mich misstrauisch an und überlegt, so gründlich, dass wir schon seit einer halben Stunde den Wecker auf snooze schalten, statt aufzustehen.

Uni ist gar nicht so schlimm, versuche ich ihn zu überzeugen. Außerdem geht es so nicht weiter, mit der ewigen Verpasserei. Aus dem Bett mit dir!

Er guckt bitterböse, aber er schlurft wirklich ins Bad, um sein Gestinke wegzuduschen.

Mal sehen, ob es klappt mit der Uni.

Work/Life

„Wie geht’s dir?“, schreibt mir ein Bekannter.
„Ich glaub, ganz okay“, schreibe ich zurück. „Es ist immer noch irre kompliziert, ich zu sein.“
Er versteht das, er kennt das, und ich bin froh, dass ich acht Stunden auf der Arbeit sein kann: ein weitestgehend ordentlicher Mitarbeiter zu sein ist sehr viel leichter, als weitestgehend ordentlich ich zu sein.
„Ich glaube, mein Job hält mich zusammen“, schreibe ich weiter, das versteht und kennt er auch. Ich merke es am Vorher und Nachher, wenn ich zurück in die Wohnung komme, die ich schon nicht mehr sehen kann, weil sie mich so sehr an mich selbst erinnert und ich selbst ein einziges großes Forschungsprojekt ist: ein seltsamer Apparat, der durch die Welt kracht und mit den unwahrscheinlichsten Dingen kollidiert, während er einen komplizierten Hindernisparcours mit Leichtigkeit meistert. Experten werden hinzugezogen, sie gucken mit Brille und Klemmbrett und machen Notizen, ein Handbuch erscheint und wird beständig überarbeitet, man lernt aus Irrtümern und dreht probehalber an Stellschrauben, man kommt der Sache näher, aber das vertrackte Ding läuft einfach nicht rund. Man kommt nicht drauf, übrigens ist die Wartung aufwendig, größtenteils deshalb, weil die Höllenmaschine gern mit Wucht gegen Wände knallt, dabei lief sie grad so gut.

(Grumpy sitzt grinsend hinterm Steuer und winkt.)

05.01.

Manchmal kann ich einen Tag lang alles und am nächsten Tag überhaupt nichts mehr.
Gestern waren Menschen und ich die einfachste Kombination auf der Welt, heute verwirrt mich eine WG-Party mit vermutlich netten Leuten so sehr, dass es völlig ausgeschlossen ist, da hinzugehen.
Um mir diesen Entschluss mitzuteilen, wartet Grumpy wie immer bis zum letzten Moment. „Ich komm zu spät“, schreibe ich dem Kollegen, den ich an der Haltestelle abholen wollte. „Soll ich auf dich warten?“, fragt er. Bloß nicht!, denke ich, du frierst da fest – ein paar Minuten später werde ich sowieso sagen, dass ich es doch nicht schaffe, aber er kennt mich noch nicht genug, um das zu befürchten.
Diese Absagen in letzter Minute wollte ich nie wieder machen und deshalb einfach nicht mehr zusagen bei Sachen, die ich schwierig finde. Diesmal hab ich mich überreden lassen, weil alle so nett gefragt haben und ich so gern dazugehören wollte.

Regel: Keine Parties. (Grumpy sagt: Keine Scheißparties.)