Nicht mehr viel Schokolade bis Weihnachten

Meine Mutter hat mir einen Adventskalender geschickt. Weil ich inzwischen erwachsen, diszipliniert und geistig reif bin, habe ich nicht schon am 5. Dezember die leckerste Schokolade komplett aufgegessen, sondern freue mich jeden Morgen auf etwas Kleines, Süßes vor dem Frühstück.

Na klar.

Advertisements

Einkaufen/One man’s trash

In meinem Edeka gibt es zwei Kilo Äpfel für fast kein Geld. Klasse II, steht drauf, deshalb sind sie billig, aber es sind schöne, feste Äpfel ohne braune Stellen. Sie sind nur klein, das macht sie zweitklassig, aber ich freu mich über die kleinen Äpfel, denn die haben genau die richtige Größe für meine morgendliche Müslischale.
Und dann gibt es Kürbisse für auch fast kein Geld, und auch die Kürbisse sind schön, ein paar Runzeln und Schrunden haben sie, aber warum sollte das stören, und auch hier gibt es ein paar ganz kleine, gerade mal faustgroße, und ich freu mich, weil ein normaler Kürbis für einen einzelnen Menschen so viel ist, ein winziger Kürbis aber genau richtig.

Ich kaufe Sachen aus der Grabbelkiste im Kühlregal und versuche, so sparsam wie möglich zu sein, aber am Ende liegt auch eine riesige Portion Vogelfutter auf dem Kassenband zwischen all den Sachen, an denen ich gespart habe. Dabei weiß ich, dass die Vögel nicht wissen, dass mein Balkon existiert, ich würde nur so gerne Vögel füttern. Die Vernunft steht neben mir in der Schlange und schüttelt den Kopf.

Konflikt

Grumpy ruft aus dem Schaukelstuhl: Hör doch auf, so herumzurennen, was soll der ganze Zirkus? Wo willst du jetzt schon wieder hin?
Wir müssen jetzt zur Projektbesprechung, sage ich und packe meinen Rucksack. Komm schon!
Grumpy kommt aber nicht, weil er lieber zuhause bleiben will. Er findet, dass wir viel zu wenig rumhängen und einfach gar nichts machen. Das ist ihm alles zu anstrengend und die ganzen neuen Leute nerven ihn und er will seine Ruhe und erklärt, dass er heute gar nirgends hingeht. So!, sagt er und rutscht noch tiefer in den Stuhl.
Wir müssen los!, rufe ich wütend, Das ist wichtig, ich hab’s versprochen und ich will das Projekt machen, jetzt komm endlich!
Scheiß auf Projekt, sagt Grumpy, Ich bin müde, ich will hierbleiben, früher haben wir viel mehr Netflix geguckt, du kümmerst dich überhaupt nicht mehr um mich!
Müssen wir das wirklich jetzt besprechen, frage ich genervt, weil meine Freundin schon seit fünf Minuten wartet, und Grumpy sagt, Ja, jetzt, und am Ende verlieren wir beide die Diskussion, weil wir viel zu spät kommen, und das ist weder hingehen noch daheim bleiben.

imm031_34A

 

11.11./JETZT

„Haben Sie das Gefühl, Sie kommen mit dem Medikament wieder auf ein Level, auf dem Sie sich so gut fühlen wie früher?“, fragt meine Psychiaterin.

Die Frage ist falsch gestellt. Ich antworte, dass ich mich eigentlich nie einfach gut gefühlt habe, aber was ich wirklich denke, was in prallen bunten Lettern in meiner Brust aufsteigt wie Luftballons, was ich mich auszusprechen nicht getraue, ist: Es ist sehr möglich, dass das bis jetzt die beste Zeit in meinem ganzen Leben ist.
Und es ist so voll, dieses Leben: voller, als es je gewesen ist, voller, als ich überhaupt für möglich gehalten habe. Ich fahre auf dem Fahrrad nach Hause und freue mich über dies funktionierende Stück Mechanik, die mich freier und froher macht, und der Abend mit Freunden fährt mit, und die neue Arbeit mit den neuen Leuten fährt mit, und das Tanzen fährt mit, und dass ich meine Familie habe, fährt mit, und ein gutes letztes Jahr fährt mit, ganze Welten fahren mit und über mir fahren die Sterne, sie fahren freihändig und plötzlich muss ich weinen, weil mir die schiere Fülle einen solchen Schrecken einjagt.

Die letzten Rosen im Jahr

Grumpy hat keine Lust. Ich will nämlich mit ihm den Balkon aufräumen und winterfest machen, um morgens beim Kaffee doch noch ein bisschen Sonne abzukriegen, weil mit Sonne alles leichter ist. Grumpy mag Sonne in Wahrheit auch, obwohl er Theater macht bei dem Vorschlag, irgendetwas aufzuräumen. Aber wenn wir dann erst draußen sitzen, das weiß ich, wird er ganz still und friedlich sein und brav an seinem Kaffee nippen.

Aber für heute muss es reichen, ihn zum Wäschewaschen zu überreden. Das ist auch wirklich genug Arbeit für einen Tag – wir tragen den Wäschekorb in den Keller, er brüllt Zetermordio und ich versuche, ihn mit Blätterkrokant zu besänftigen. Den mag er und hält zumindest die Klappe, bis er den Mund nicht mehr voll hat.

 

Den Hund streicheln

… und genau hinfühlen: wo das Fell so fein ist, dass man die Körperwärme gleich spürt, und wo es kräftiger ist und sich beim Anfassen kühler anfühlt. Wie sich die verschiedenen Längen anfühlen: glatter/rauher, wo sich Farbe und Wuchsrichtung ändern, wie das Fell am Bauch ganz dünn wird, am Hals aber ganz dicht; wie Muskeln und Knochen unter der Haut durchsprechen, wie gar nichts Weiches, Überflüssiges an dem ganzen schmalen Hund ist, wie die Hand dem Auf und Ab des ausgestreckten Körpers folgt; wie der Atem geht und die Flanke hebt und senkt, und beobachten:
wie der Atem tiefer geht, wie sich das Auge weiter schließt, wie der Hund sich fallen lässt und bei welchen Berührungen der Augapfel weiter nach innen rollt: genießen; aber nie ganz, immer kommt der Hund zurück ins Wachen.
Spüren/sehen/hören, wie er seufzt und sich behaglich streckt und in diese Bewegung hineinstreicheln, dass er sich noch weiter dehnt und wieder entspannt.

Darüber werde ich selbst so ruhig, dass ich mich schließlich neben ihm rücklings auf dem Boden ausstrecke und die Augen schließe. Frieden.

Ich bin kein Rassist, ABER

… während immigrierte Spinnen in meiner Wohnung uneingeschränktes Bleiberecht genießen, werden Wanzen ohne Ausnahme direkt vom Balkon geschmissen.

(Darüber soll man keine Witze machen. Außerdem sind Spinnen und Wanzen ja ganz verschiedene Tier… arten(?), mit Rassen hat das also gar nichts zu tun. Und dass alle Spinnen bleiben dürfen, liegt auch nur daran, dass noch keine großen, dicken, haarigen Spinnen vorbei gekommen sind. Aber sonst! ist das alles sehr treffend.)