Wurmiger Morgen

Willkommen zurück, sagen sechs Engerlinge, die die Wurzeln meines Geldbaums aufgefressen haben.

Ich wehre mich dagegen, Verantwortung für sechs dicke weiße Maden übernehmen zu müssen, nur weil die sich dafür entschieden haben, ausgerechnet meine Pflanzen zu bewohnen. Im Internet steht, dass sie zu gefräßigen Schädlingen heranwachsen und deshalb von erfahrenen Gärtnern getötet werden. Ich möchte sie weder töten noch weitere Wurzeln an sie verlieren. Morgen spaziere ich sie in den Wald.

In meiner Wohnung fühle ich mich allein, nachdem ich zehn Tage Tuchfühlung mit Du hatte. Zum Abschied haben wir einander erzählt, wie unser Leben aussehen könnte, wenn wir ganz lang zusammen bleiben. Nach nicht einmal einem halben Jahr haben wir bereits angefangen, eine beachtliche Rolle im Leben des Anderen zu spielen – zögernd beginne ich, mich auf ihn zu verlassen. Wohl war ich in andere Männer schon stürmischer verliebt, aber ich fühle wie eine Löwin für Du, den ich brüllend gegen die ganze Welt verteidigen möchte.

Seit zwei Wochen führen wir eine Fernbeziehung, ich bin immer noch abartig erkältet, gleich muss ich los zur Arbeit: dieser Tag steht im Zeichen der fetten, dreisten Engerlinge.

22.12.

 

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Ich komm nicht zum Schreiben, es passiert so viel. Aber ich freu mich auf alles zwischen jetzt und dem 1. Januar, ich höre Melody Gardot und zeichne und bin wunderbar befriedet und ganz bei mir.

 

Außerdem, wohin

Meine kleine Stadt hat keinen Platz für mich, oder ich finde ihn nicht; mein Freund, denn kürzlich habe ich zu Du gesagt: das mit uns ist was Großes, zieht in die Stuttgarter Gegend, wo auch meine Familie ist, und ich frag mich, ob ich hinterher soll – weil ich gern in Dus Nähe bin und weil ich meine Eltern, meinen Bruder, meine Verwandtschaft gern öfter sehen würde. Weil die Gegend dort mir Heimweh macht. Weil ich eine Freundin dort habe und man in Stuttgart auch Swing tanzen kann. Weil ich hier keinen Job finde.

Aber all die Menschen hier, meine Freunde, meine Fahrradwege, meine perfekte kleine Wohnung, mein Blues-Kurs?

An apple a day/Das kommt davon

Ich esse jeden Tag einen Apfel, damit ich schön gesund bleibe. Kürzlich habe ich einen Sack voll gekauft und dann gemerkt, dass die Sorte mir zu sauer ist, also hab ich an ein paar Morgenden die Äpfel nicht gegessen, sondern an Du verfüttert, und was ist passiert? Zack, Erkältung. Der Zusammenhang ist klar!

03.11.

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Freitag musste irgendetwas raus. Ich hab es an meiner Kommode ausgelassen – vorher war sie einfarbig fuchsbraun. Ich hab sie von meiner Oma bekommen, als ich bei meinen Eltern ausgezogen bin, und gefallen hat sie mir eigentlich nie. Es war nach neun Jahren also höchste Zeit, irgendwas damit zu machen.

Sachen gestalten hilft. Zeichnen hilft. Kreativ sein hilft. Ich helfe mir.