17.09.

Morgen fahre ich nach Hamburg. Vor einer Woche hatte ich einen Fahrradunfall, bei dem mir wunderbarerweise nichts passiert ist, aber ich muss mich drum kümmern, Schmerzensgeld von der Frau zu bekommen, die schuld war; ich hab weder Wohngeld noch Führungszeugnis beantragt, brauche aber beides, die Fahrkarten sind noch nicht gedruckt und gepackt hab ich sowieso noch nicht, ich habe schon wieder alles so hingeschoben, dass es mich erdrückt.
Nervös vor der Zugfahrt bin ich außerdem, und wie soll ich denn alles machen: ich bin ein so seltsamer kleiner Mensch und alles kommt mir höchst fragwürdig vor, jeder Atemzug ist wert, sorgfältig geprüft zu werden auf Nutzen und Notwendigkeit, und dann eine Zugfahrt.

 

Ich habe mich, immerhin, exmatrikuliert (ja wirklich). Vielleicht muss man nicht alles sofort machen. Vielleicht hätte ich mich nicht gleich für drei Tanzkurse anmelden müssen. Vielleicht doch. Vielleicht nicht für das Ehrenamt. Vielleicht doch. Vielleicht ist es okay, für gewisse Dinge lange zu brauchen. Vielleicht nicht. Vielleicht geht es nicht anders. Vielleicht doch. Ich weiß nichts. Ich brauche einen anderen Job.

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Mach was draus

Was soll das, ich bin nur jemand, der dreimal im Jahr einen Stift, einen Pinsel in die Hand nimmt, aber ihr erwartet, dass ich mich hinstellen soll und sagen: Künstlerin, das bin ich, und jetzt bezahlt mich dafür, mich, und nicht die anderen. Wie soll ich mir das anmaßen?

27.08.

Seit gestern ist es besser. Ich gehe zu einem Kennenlerntreffen für das Ehrenamt, das ich machen möchte, und begreife etwas über mich. Das klärt die Unordnung ein bisschen, ich weiß jetzt, warum ich diesen Blog brauche oder warum ich eine Zweierbeziehung brauche, wenn sie da ist, oder warum ich dieses Ehrenamt brauchen werde.

Leben ist so irre groß.

Ich muss jetzt zum Lindy Hop. Mein Job ist und bleibt grundsätzlich bescheuert.

A new career in a new town*

Ich hab meinen ersten Arbeitstag im neuen Job. Ich denke NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN NEIN —- , von der siebten Minute an, und ich denke es noch.
Das Unternehmen besteht aus stromlinienförmigen, glattpolierten Karrieremädchen (ja, Mädchen, so, wie ich es nicht nett meine), und es ist nirgendwo Platz für Persönlichkeit. Wir bringen dir schon bei, wie man in unserem Tonfall redet, sagen sie, und meinen es beruhigend. Das ist kein Witz: es gibt einen Unternehmensduktus für E-Mails und Telefongespräche. Ich fühle mich, als wär ich in einem dystopischen Film. Ich gucke zu der Spedition rüber, die im selben Gebäude ist, und wäre viel lieber dort, wo es schmutzig, handgreiflich und körperlich anstrengend ist.
Du musst uns im Weihnachtsgeschäft ganz viel unterstützen, sagen die Karrieremädchen. Ich lächle und denke, Like shit.

Ich vermisse den alten Kinojob und verbringe meinen ersten Feierabend mit der Suche nach irgendwas, das bloß nicht so ist. Ich hab schon wirklich viele Jobs gemacht, aber wenige waren direktemang so grässlich. GRÄSSLICH, sage ich!

 

*David Bowie. Bittesehr.

03.08./Wuuusch

Ich habe den Tag ohne Venlafaxin eigentlich ziemlich gut überstanden, abgesehen von einer unbegründet aufkommenden Panik im Alnatura, dem wohl harmlosesten Ort der Stadt. Ich fühle mich immer noch leicht versetzt zur Position meines Körpers in der Welt und wenn ich die Augen stark bewege, höre ich immer noch ein „Wuuusch“, aber mir ist nicht mehr schlecht und heute Vormittag war ich geradezu euphorisch. Und: Sex fühlt sich wieder an wie Sex.

Ich glaube, ich habe geträumt, ich wäre ein Pinguin in sehr schlechtem Anstellungsverhältnis und wollte eine Art Arbeitskampf organisieren.

Vor einigen Tagen hat jemand hier in der Gegend Gülle ausgebracht. Da ich unterm Dach wohne, sind im Sommer praktisch immer die Fenster offen. Den Geruch, liebe Freunde, kriegt man tagelang nicht aus der Wohnung.

Ich beantrage die Grundreinigung meiner Wohnung. Grumpy lehnt wiederholt ab.

In zwei Wochen fange ich im neuen Job an.

 

Weidenzweige

 

Entpuppung

Ich muss mich zum Schreiben anhalten, ich sträube mich, aber ich muss, weil ich das, was ich bin, nicht mehr wiedererkenne.

Was sind das für neue Seiten? Warum hab ich mich so noch nicht gekannt?
Wer ist das, die sich mit anderen Menschen anlegt, sich streitet, provoziert, es drauf ankommen lässt? Wie kann ich das sein, die in einem wachsenden Bekanntenkreis Unterstützung erfährt und Verantwortung übernimmt? Verantwortung! Wie bin ich das geworden? Es ging so schnell, ich hab mich selbst überholt, das scheue Tier im Regen, und es ruft: Warte, bitte warte, ich hab noch nicht verstanden, was passiert.

Und muss es wirklich ich sein, die einem unschuldigen, schönen Menschen das Herz gebrochen hat? Wollte ich nicht immer behutsam sein und wahrhaftig und gerecht? Aber das hab ich nicht gewusst, dass ich nicht bereit bin, solche Nähe zuzulassen, ich dachte, die Umstände verhinderten große Romanzen, aber nein, ich bin es selbst.

Wer ist diese Frau, in der ich wohne und die so laut durch die Welt geht, die streitet und aneckt und immerzu Dinge tut, und diese Dinge sind nicht immer schön? Ich weiß nicht, wo sie hinwill und wozu sie noch im Stande ist, ich hab mich so anders in Erinnerung.