05.04.

Mein Kopf ist leer, wie diese Tage leer sind, ich bin aus mir herausgefallen und kann mich nicht wiederfinden, müde bin ich immerzu und starr wie eine Eidechse in der Kälte, nachdem die Sonne so plötzlich verschwunden ist.

Dass ich nur für die nächsten zwei Monate weiß, was ich mit meinem Leben tun werde, macht mir plötzlich Angst. Wenn ich nun keine Stelle finde? Und was für eine Stelle müsste das sein, in die ich mich mit allem werfen könnte, was ich bin und kann?

Ich gucke nach Stellenanzeigen, aber die sehen alle blöd aus (ich kann doch mehr), und jetzt habe ich Bauchweh davon. Dabei muss ich das jetzt noch nicht wissen. Ich hab zwei Monate Zeit, Ideen zu haben, und noch länger, wenn ich will. Aber heute trau ich mir nichts zu, diese Woche hab ich mir sowieso noch sehr wenig zugetraut.
Unten auf dem Platz rennt ein Kind die ganze Strecke quer über den großen Platz, um eine einzelne Taube aufzuscheuchen, und dann rennt es weiter, um sie wieder von dort aufzuscheuchen, wo sie sich jetzt hingesetzt hat Es rennt sehr viel und sehr aussichtslos, aber ungeheuer zielstrebig, und ich denke, wenn ich nur halb so entschlossen wäre wie dieses Kind — !

Ich bin in die Bibliothek gekommen und hab beim ersten Blick auf mir gemerkt, dass ich heute keine Menschen vertragen kann, heute bin ich nicht richtig, in Dissonanz mit allen andern.

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Und dann das

Die letzten Wochen waren überhaupt nicht gut, aber plötzlich fühle ich den Frühling hinter dem kalten Wind wie etwas, das nicht mehr aufzuhalten ist, und in mir ist auch etwas wach geworden: die Leute auf der Straße gucken mich an und ich denke, was die haben, bis ich merke, dass ich lächle – über ein singendes Kind und die immer neuen Blumen, über das frische Grün auf meinem Balkon und das Glück, diesen Balkon und ein Händchen für Pflanzen zu haben, über Nächte mit Berührungen lächle ich und über eine junge Katze, über Freundschaft, die ich spüre, und Vögel, die jetzt wieder singen, über das Licht und die Sonne und ein Bewerbungsgespräch und das Tanzen und sich vertiefende Bekanntschaften und darüber, dass es wirklich nicht weh tut, als jemand zu meinem Tanzpartner und mir sagt: Ihr seid ein Paar, oder?, und wir lachend verneinen.
Vielleicht lächle ich auch darüber, dass ich Lady Anne Blunt jetzt doch nicht in die Wüste begleiten werde und ich darüber ziemlich erleichtert bin. (Mach das nicht, studier fertig, sagt meine Kollegin. – Deine Argumente sind vernünftig, nickt mein Kopf, aber mein Bauch zerrt an meiner Hand und brüllt: Neeeeee!)

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14.03./Wie es weiter geht

Irgendwie ist das ein schönes Datum: 14 klingt frisch und März auch, ein frischer Tag in einem noch jungen Jahr, Frühling, Aufbruch, Möglichkeiten, ein verheißungsvolles Datum, zartgrün und hellrot.

Ich sitze in der UB und hege Zweifel. Neben mir sitzen zwei zweifellose Mädchen, die mindestens fünf Jahre jünger sind als ich und ihren shit so sehr together haben (in zwei Sprachen), dass ich mich daneben ganz klein fühle. Wenn die so alt sind wie ich, haben sie schon drei Jahre Berufserfahrung in irgendeinem lukrativen Bereich, nachdem sie ihr Studium mit Auslandserfahrung als Jahrgangsbeste abgeschlossen haben, denn schließlich haben sie immer schon gewusst, was sie vom Leben wollen. Und wie man da hinkommt, und zwar schnell, bittesehr, keine Zeit verschwendet, mit 30 muss das zweite Kind in trockenen Tüchern sein.

Ich will kein zweites und auch kein erstes Kind, ich will eher, dass all diese Fragen und Zweifel und Unsicherheiten endlich verschwinden, ich will mir von meinem eigenen Geld was Schönes kaufen können und vor allem will ich mich nicht mehr erklären, weil nach fünf Minuten vernünftiger Einwände meine Erklärungen eigentlich nur auf „ich will nicht, weil es sich grässlich anfühlt“ herauslaufen, und dass man sich grässlich fühlt, ist in dieser Welt kein gültiger Grund für Entscheidungen.

Eigentlich möchte ich nur in den Arm genommen werden von irgendwem, mit dem ich nicht über all das reden muss. Drüber reden macht mich müde und traurig. Ich bin müde und traurig, seit ich gestern bei der Arbeit mit zwei Kolleginnen drüber geredet hab.

 

So sieht’s aus

Mein WLAN ist mit meinen Nachbarn ausgezogen, deshalb kann ich nur noch bloggen, wenn ich es gerade mal in die UB schaffe. Da schaffe ich es nicht so oft hin, deshalb muss ich dann alle vorher geschriebenen Beiträge auf einmal veröffentlichen. So wie jetzt eben.

Ich hab meinen Arbeitsplatz in der Institutsbibliothek abgeräumt. Meiner Dozentin und auch meiner Therapeutin hab ich es noch nicht gesagt, aber ich glaube, ich werd es gut sein lassen mit der Masterarbeit. Und dann arbeite ich irgendwas, was mir Spaß macht. Nichts am Computer. – Sobald ich es schaffe, natürlich, mich irgendwo zu bewerben, und dann werde ich vielleicht endlich mal meine Geldsorgen los, wär das nicht schön?

Es stehen also jede Menge „Aber du bist doch fast fertig“-Gespräche an. Eigentlich ist das nicht so schwer zu verstehen, aber irgendwie doch. Ich hab auch noch Angst vor dieser Entscheidung und ihrer Endgültigkeit.

Und am Ende möchte ich euch allen vorschlagen, das Album Zanaka von Jain anzuhören, weil das irgendwie das Beste ist, was mir in letzter Zeit passiert ist, akustisch.

Ich geh jetzt Kino. Tschüs!

 

 

Äh.

Ich bin zu Besuch bei meinen Eltern. Während ich in der Küche sitze und lese, höre ich sie am anderen Ende des Flurs über die Ausbildung zur Kunsttherapeutin beraten, die sie sich für mich ausgedacht haben. Seit ich gesagt habe, dass so eine Ausbildung ja schon ganz cool ist, ist das beschlossene Sache für sie.

Ich hab das eher grundsätzlich gemeint, aber dann haben sie schon was zu tun und üben, wie man das Internet benutzt.

 

Schlaf, Kindlein, schlaf

Mein Kopf weiß viele Dinge.

Dass man die Frage, wie es weitergehen soll, nicht zwischen 2 und 4 Uhr nachts löst, weiß er nicht.

Worüber er nachdenkt: wie viel Geld brauche ich mindestens? Bekomm ich das im Kino? Soll ich im Kino weiterarbeiten? Soll ich mehr Geld fordern? Soll ich in die ver.di eintreten und einen Betriebsrat gründen? Wie respektvoll muss ich mit meinen Chefs reden? Wie kann man einen Streik organisieren und könnte sich den überhaupt wer leisten? Wo könnte man einen Kummerkasten aufstellen? Lohnt sich das alles, wenn ich nicht mal weiß, ob ich da bleiben will? Macht mich ein besser bezahlter Bürojob froh? Soll ich wirklich die Uni abbrechen? Wie trifft man Entscheidungen? Kenne ich wen, mit dem ich mal wieder ins Bett gehen kann, weil ich wirklich Hunger habe? Wie viel angenehmer wäre mein Leben ohne die drückenden Geldsorgen? Kann ich in meiner Stadt mit einem abgebrochenen Master eine Stelle finden, in der ich in Teilzeit genug zum Leben verdiene? Hab ich wirklich keine Lust auf das, was man Karriere nennt, oder berufliche Selbstverwirklichung? Wie lebt man denn?

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Blasen steigen lassen

Ich höre von Traumreisen und fantastischen Romanzen und kreativer Selbstverwirklichung und denke, ich mach gar nichts, ich bleib immer nur da und züchte kleine Blumen auf meinem kleinen Balkon und hab mich immer noch nicht entschieden, was ich mit meinem Leben machen will, ich lese halbherzig über Anne Blunt und denke halbherzig darüber nach, was ganz anderes zu machen, ich bin ein kleiner stummer Fisch und hab mir die einzige Stelle im Strom gesucht, an der das Wasser still steht. Kann mich nicht entscheiden!, sage ich zu den anderen Fischen, die auf den buntesten Wellen an mir vorbeischwimmen und mich fragend angucken.