Wahrscheinlichkeiten

Ich treffe Männer und manche schicke ich absichtlich wieder fort, andere aus Versehen, hier liege ich also und bleiche alleine in der Sonne. Ich bin ein verdrehtes Gebilde, knorrig, trocken, rissig, schwer anzufassen wie Haifischhaut, und im Inneren ermüdend wie ein Irrgarten.

 

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Widerspruch

Vor acht Wochen noch haben mir alle gesagt: Geh in eine Klinik. Nimm mehr Venlafaxin. Steh nicht auf eigenen Beinen.

Jetzt sagen sie: Werde Künstlerin. Ändere dein ganzes Leben. Such dir allein den steilsten Weg von allen.

Mal wieder

Heute war ich mit mir im Kino verabredet, zu einem Film, der Spaß macht – aber ich bin nicht hingegangen zu meiner Verabredung, und jetzt sitze ich zu Hause, versetzt und verletzt.

Ich geh gern allein mit mir ins Kino, es ist nur so schwer, mich der Stadt und der Welt zu stellen, wenn ich niemanden dabei habe als mich: dieses seltsame Tier, das viel zu leicht davon läuft.

 

Hund

19.07.

Ich habe sonnige Laune und häng bei dir rum, bis du gehst; dann gucke ich die Internetseite vom örtlichen Lindy Exchange an, auf das sich alle schon total freuen und es geht eh einfach jeder hin, und kurz halte ich es für möglich, auch mitzumachen (die Fotos vom letzten Jahr! so was Schönes!), aber dann passiert was in mir, was mit Lindy Hop und Gruppen und Zugehörigkeit und Einsamkeit und Angst und dem Gefühl zu tun hat, es mag und braucht mich eh keiner, und zack, liege ich wieder im Loch von vorgestern.

Bei diesem Exchange gibt’s eine Fahrt mit einer alten Dampflok(!!!!!!!!!!). Ich will unbedingt Dampflok fahren und einfach dabei sein und mich wie ein normaler Mensch fühlen, aber was ist, wenn ich gerade an den relevanten Tagen überhaupt kein Mensch bin? Man kann nie wissen, als was man aufwacht, Gregor oder Schabe, und Schaben sind in den meisten Zügen nicht gern gesehen.