23.01.

So, fertig, das war’s, die Woche hat mich abgenutzt, jetzt bin ich nicht mehr übrig und mein seltsamer Rest muss noch durch zwei Tage. Dann Ruhe Ruhe Ruhe.

 

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Der kleine Hund kann nicht schlafen, bei ihm ist noch Licht an.

11.12.

Ich geh durch den Tag und fühl mich so euphorisch wegen lauter Kleinigkeiten, und ich wunder mich, bis mir einfällt, dass ich mich vielleicht gar nicht euphorisch fühle, sondern einfach normal gut, aber es fühlt sich an wie Euphorie, weil mein Grundgefühl der letzten Wochen einfach so kacke war. Fühlen sich die ganzen normalen Leute immer so? Wooooow.

Weil, das Erstgespräch für die Berufsberatung war gut, und danach hab ich mich in ein Café ausgeführt, in dem mir die niedlichste Bedienung der Welt Kaffee und Apfelstrudel serviert hat und nicht wusste, dass ich sehr verliebt in sie war, und nebenbei hab ich gezeichnet und Tolstoi gelesen und dann war ich bei der Arbeit und das war okay, weil es sich nicht mehr wie eine Sackgasse anfühlt, und danach hab ich meine sexy neuen Bluetooth-Kopfhörer ausgepackt und mit meinem Typen telefoniert und Essen bestellt, und ich bin immer noch glücklich, obwohl die bei der Lieferung meine Krabbenchips vergessen haben (!!!!!!!), und weil ich letzte Nacht fast nicht geschlafen und darauf Ouzo getrunken habe, verfasse ich diesen Text, als würde ihn eine Sechsjährige sprechen, nämlich ohne jemals Luft zu holen, so.

Ungenießbar

Ich hatte heute keinen Tag bestellt und kriege ihn trotzdem serviert, die ganze Portion. Das krieg ich nicht runter, denke ich und sitze um 12:45 immer noch vor unberührten Tellern. Je länger ich es stehen lasse, desto schlechter schmeckt es, inzwischen also: sehr schlecht. Ich knurre den Tag an wie ein struppiger alter Hund.

Macht euch keine Sorgen

Es ist nichts übrig geblieben: Hier ist öde Dunkelheit, selbst der Wind ist gestorben.

Ich weine und höre Du sagen: Wenn du meinst, dass du nichts kannst, dann kannst du eben nichts, und ich sehe vor meinem inneren Auge, wie ich mich zusammenreiße, um der Beleidigung zu begegnen. Ich reiße mich zusammen, ich bin stark.

Es ist anstrengend, die ganze Zeit stark zu sein. Was ist das für ein Leben, das verschwindet, wenn ich aufhöre stark zu sein? Hätte ich nicht gnädigerweise ein anderer Mensch werden können? Wozu mir Verstand und Talent mitgeben, wenn ich nichts davon benutzen kann, weil Überleben alles ist, wohin ich reiche?

Ich weine, und mein Weinen ist nutzlos, weil ich morgen aufstehen und arbeiten werde und am Wochenende werde ich tanzen, ich werde unter Menschen sein wie ein Mensch, und für alles davon werde ich mich sehr stark machen müssen, aber ich bin so klein und die Welt tut so weh. Vielleicht ist das hier alles, vielleicht wird es nie leichter, oder schöner, oder besser. Das sagt man nicht laut, weil die Menschen es nicht ertragen. Ich ertrage es auch nicht, aber ich ertrage auch die Hoffnungen nicht, die eine nach der anderen leise verwelkt sind, jetzt habe ich nachgemachte Hoffnung, die nicht echt ist. Ich habe nichts, woran ich glauben kann. Nichts fühlt sich an, als wäre es möglich, das hier ist zu wenig, aber wie soll ich an mehr kommen mit diesen schwachen Beinen und den winzigen Händen und einem Herzen, das seine eigene Existenz anzweifelt.

Warum muss es so sein, dass ich schöne Dinge kann, denn ich kann sie nicht benutzen und so wiegen sie wie Blei, und was soll ich jetzt tun, wenn fürs Tun keine Kraft mehr ist, weil ich vernünftigerweise arbeite, und Glaube und Hoffnung sind verschwunden.

Ich mag diesen Text nicht. Ich mag nicht, wie ihn manche Leute lesen werden. Ihr müsst euch keine Sorgen machen, ich weiß wirklich nicht, was ich mit Sorgen anfangen soll.

Halb leer

Donnerstag: Fühle mich leer und unvollständig bei der Arbeit und danach bei Freunden zwar aufgehoben, aber erschöpft.

Freitag: Wache auf, bin aus Blei oder schwerer, empfinde Panik beim Gedanken an das Wochenende, melde mich bei der Arbeit krank und verordne mir Pause. Du kommt vorbei, weshalb ich mich immerhin menschlich fühle, den Abend verbringe ich allein und zwinge mich, mich nicht davon abzulenken, dass ich ich bin.

Samstag: Ich schlafe lange und wache auf mit beinahe guter Laune, jedenfalls fühle ich mich ruhiger. Ich mache nichts als Sachen im Haushalt und bin ganz bei mir, meine Wohnung ist heilsam an diesem Tag. Abends fahre ich zu Du und freue mich drauf.

Sonntag: Weil Du schnarcht, habe ich kaum geschlafen und fühle mich wieder so aufgerieben und mutlos wie am Freitag, nur dass ich jetzt auch noch todmüde bin. Ich treffe eine Freundin zum Kaffee und falle danach in mich zusammen und ins Bett, statt tanzen zu gehen wie geplant. Jetzt kann ich mich selbst nicht mehr leiden und habe das Gefühl, bei der Übernachtung bei Du irgendwie versagt zu haben, weil ich nicht auf das achten konnte, was ich gebraucht hätte. Ich kann mir keine schlaflosen Nächte leisten und der Friede von gestern ist verloren.

Montag: Wache auf und fühle mich müde davon, mich mit mir selbst herumzuschlagen. Verabrede mich für vor der Arbeit und merke eine halbe Stunde später, dass ich das nicht schaffe. Ich bin immer noch überzeugt, alles falsch zu machen. Zusätzlicher Ballast: Nervigkeiten mit einem Techniker und welche mit meinem Körper, außerdem Freunde, die mehr oder weniger versteckte Kritik an meinen Entscheidungen äußern.

Ich kann jetzt nichts tragen.