Sich doch was draus machen

Wenn man müde ist, verpasst man: bis spät nachts mit den Kinokollegen zusammensitzen, oder nach der Schicht noch eine Runde tanzen gehen, oder beides.

Am andern Morgen fühlt sich das für mich an, als wären da Dinge geschehen, die ich nie wieder aufholen kann, nie werde ich richtig dazugehören im Kino, nie bei den anderen Tänzern so ankommen wie du, der du einfach alleine tanzen gegangen bist, und ich kann mir tausendmal sagen, dass ich wirklich ins Bett musste, ich hab trotzdem Angst davor, dass mich keiner mag und braucht, wenn ich eh nie da bin.

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Druck, Druck, Druck

Im Kino gewesen, nur fast geweint. Weil der Film intensiv und traurig war, kommt die Welt draußen mir roh und falsch vor, bloß die Kälte tut gut. Es fällt Schnee und auch das tut gut, ich fahre nach Hause und mache Tee.
In mir ist nichts übrig, was ich anrühren könnte, ohne dass mir alles um die Ohren fliegt. Ich trinke den Tee im Dunkeln, weil das erträglich ist; meine Mutter hat versucht, mich anzurufen, aber ich kann nicht mit ihr reden. –

Morgen ist ein Tag mit Plänen, aber Pläne kommen mir schrecklich vor, und danach ist kein freier Tag mehr bis Mittwoch. Ich kann nicht, ich kann nicht.

Alle Tage wieder

Heute ist Uni. Grumpy sagt, es ist völlig ausgeschlossen, dass wir da hingehen. Nächste Woche vielleicht! Jetzt sind wir einfach noch nicht so weit.

Er liegt noch faul im Bett und stinkt vor sich hin. Ab unter die Dusche!, kommandiere ich, und er guckt mich misstrauisch an und überlegt, so gründlich, dass wir schon seit einer halben Stunde den Wecker auf snooze schalten, statt aufzustehen.

Uni ist gar nicht so schlimm, versuche ich ihn zu überzeugen. Außerdem geht es so nicht weiter, mit der ewigen Verpasserei. Aus dem Bett mit dir!

Er guckt bitterböse, aber er schlurft wirklich ins Bad, um sein Gestinke wegzuduschen.

Mal sehen, ob es klappt mit der Uni.

Verpiss dich endlich

Grumpy geht mir SO auf die Nerven. Jeden Tag macht er sich schwerer, als er ist, damit ich mache, was er sagt: im Bett bleiben und mich im Internet verstecken, damit ich nicht dran denke, dass ich eigentlich versuchen wollte, ein Leben zu leben.
Das kostet nämlich Kraft und Mühe und Willen, und Grumpy will die nicht aufwenden.
Er lässt zuhause alles stehen und liegen und sagt: Schau, das ist der Beweis, dass wir komplett überfordert sind, wir kommen ja nichtmal dazu, das Geschirr zu spülen.
Er kommt mit zur Arbeit und triumphiert, sobald mir was schiefgeht: Siehste? Du kannst das gar nicht! Bald schmeißen sie dich wieder raus. Gott sei Dank.
Er kommt mit zum Tanzen und steht kopfschüttelnd am Rand und fragt mich im Vorbeigehen: Du bist am schlechtesten von allen, ich weiß gar nicht, wieso dein Tanzpartner überhaupt noch mit dir tanzen will? Aus Höflichkeit. Doch nur aus Höflichkeit.
Er guckt sich meine Probezeichnungen für das Projekt am Samstag an und rümpft die Nase. Und dafür nimmst du Geld? Hast du das verdient?

Er ist so bockig, er will nichtmal seine Tabletten nehmen, er macht alles schwierig und scheiße und ich hasse ihn.

Es hilft ja nichts

Ich will keine Kirchenmaus mehr sein und der in Aussicht gestellte Job steht da seit einem halben Jahr und ich kann nicht mehr warten. Ich hab aber Angst vor der Jobsuche und dass sie mich stressen könnte und dann alles wieder kaputt geht. Ich hab Angst vor einem neuen Job und dass er mich stressen könnte und dann alles wieder kaputt geht.
Kein Geld haben stresst mich und macht auch alles kaputt.

Diesmal

… träume ich, neben anderen wirren Geschichten, in denen es um Leben, Tod und die Suche nach dem richtigen Weg geht, von einem Kind und einem bösen Geist. Der Geist will das Kind holen, aber seine Eltern können es beschützen, durch die einfache Tatsache, dass sie liebende, entschlossene Eltern sind. Dann aber kommt eine Nacht, in der sich nicht verhindern lässt, dass sie für ein paar Stunden fortgehen und das Kind zurücklassen müssen, und zum Aufpassen an ihrer Stelle schicken sie: mich.
Das Schlimme daran ist, dass ich weiß, ich bin dafür nicht stark genug und das Kind ist bei mir nicht sicher. Die Eltern wissen es ebenfalls, es geht nur nicht anders, es ist sonst wirklich, wirklich niemand da, aber am allerschlimmsten: das Kind weiß es auch.
Im Dunkeln halte ich es im Arm und tue so, als könne ihm dadurch nichts geschehen, und das Kind, stumm, tut so, als sei das wahr. Dabei wissen wir beide, dass ich gegen den Geist völlig nutzlos bin und wenn er auftaucht, ist es, in meinen Armen, ganz und gar verloren.

Schwere Kost, Nacht für Nacht.

Nichts geht mehr

Der Hund ist weg aus der Wohnung und ich bin weg aus mir. Unbelebt liegt mein Körper auf dem Bett und wartet darauf, dass ich vorbeikomme, um ihn zu bewegen, aber ich komme nicht, ich bin nicht da, und er weiß nicht, wie er alleine aufstehen soll.

Ich träume von einer Hinrichtung, die im letzten Moment verhindert wird, und fühle mit dem Verurteilten: nackte Angst, Ohnmacht, Ausgeliefertsein, zu groß, um über die absurde Rettung etwas empfinden zu können, was sich in Worte fassen ließe. In dieser Leere bleibe ich den ganzen Tag hängen.