Schau richtig hin

Loslassen:

Wie auf dem Weg zum Blues-Kurs mein Pedal abgefallen ist. Wie dann das Schild über den gesperrten Radweg umgekippt war, sodass ich es nicht gesehen habe, wie ich erst in die Sackgasse gefahren bin und mich beim Versuch, den Weg drum herum zu finden, komplett verfahren habe. Wie ich zu spät gekommen bin, obwohl ich ausnahmsweise pünktlich losgefahren bin, und dass ich jetzt irgendwie mein Fahrrad reparieren muss.

Dass die anderen Leute aus dem Kurs noch was trinken gegangen sind und mich nicht gefragt haben, ob ich mitkomme.

Wie stressig es bei der Arbeit war und wie allein ich mich mit all dem Druck gefühlt habe. Dass ich für meine Unpünktlichkeit gerügt wurde, was berechtigt ist. Wie wenig ich die meisten meiner Kolleginnen leiden kann. Wie sinnlos, unterfordernd und langweilig der Job ist.

Dass meine Wohnung chaotisch und meine Woche voll ist.

 

Festhalten:

Wie schön der Blues-Kurs war, wie wohl ich mich gefühlt habe und wie besonders diese Zeit ist, jede Woche wieder. Dass ich noch fast den ganzen Kurs mitmachen konnte, trotz der Verspätung. Dass am Freitag eine private Blues-Party bei jemand zuhause ist und ich hingehen kann. Dass ich im Dezember mithelfe, einen Blues Social zu organisieren.

Dass die Leute aus dem Kurs bestimmt nur verpeilt haben, mich zu fragen, weil ich gerade auf dem Klo war. Dass ich noch ein Rennrad in petto habe und mit dem kaputten Fahrrad nicht komplett lahmgelegt bin.

Dass es eine Kollegin gibt, die ich gern mag und dass ich mich mit ihr zum Essen verabredet habe. Dass ich Du habe, der mich in so vielen Dingen unterstützen will, zum Beispiel bei der Suche nach einem anderen Job.

Die Sprachnachrichten mit meinem Bruder. Dass ich am Wochenende meine Familie sehe.

Dass die Woche voll ist, nämlich mit den Menschen, die ich lieb habe, und mit Tanzen. Dass ich das Tanzen wiederhabe, weil ich mich dazu verpflichtet habe, alle zwei Wochen auf einem Social den DJ zu machen. Wie mich gestern alle gefragt haben, warum ich so lange nicht mehr tanzen gekommen bin.

Und dass ich morgen meinen Freund flachlegen werde, nachdem wir ein paar Wochen brav sein mussten.

Festhalten, festhalten, FESTHALTEN.

 

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Ticktack, fliegt die Zeit

Liebe Kinder und Kinderinnen,

ich würde euch gerne zum Jahresende noch was Schönes schreiben, weil ich mich freue, dass ihr meinen Blog lest, und mit einem hübschen Text könntet ihr euch zurück freuen. Aber weil ich aus den schönen, vollen Weihnachtstagen bei meinen Eltern direkt wieder in die genauso volle Welt der Popcorntheke, Kinogäste und Eintrittskarten getaucht bin, kopfüber quasi, habe ich mich selbst noch nicht wieder eingeholt und kann deshalb noch gar nicht alles aufschreiben.

Aber, weil heute Silvester ist und wir ja alle inne- und Rückschau halten, sage ich euch zumindest, dass es schön ist, dass ihr hier seid und zuhört, denn wer will schon Selbstgespräche führen – und dass 2018 ein gutes Jahr gewesen ist. Im Februar habe ich Einjähriges mit meiner neuen Wohnung! Wir wissen noch gar nicht, wie wir feiern sollen.

Grüße aus dem Fernbus und jaha, auch einen guten Rutsch!