07.06.

Ich bin so unruhig. Ich tigere in mir auf und nieder, ein gereiztes Tier, hungrig und voll Ärger, ein Ärger, der sich, da ich Doris Lessing lese und zur Hälfte die von Saul besessene Anna bin, gegen diese Tatsache richtet: dass du ein ganzes Leben besitzen kannst, das von mir abgewandt ist, dass du dich von mir wegdenken kannst, noch während ich da bin – genau, wie ich ein Leben habe, das abgewandt von dir ist.

Meine Freundin hat gesagt: es tut manchmal weh, dass sich Menschen nicht gehören können, und ich habe etwas in der Art geantwortet: dass ich diesen Gedanken nicht habe, aber doch, ich habe ihn, gestern hab ich ihn erkannt, als du in Vorbereitung einer anderen Sache für mich unberührbar wurdest, während ich mich noch nicht abgewandt hatte.

 

Such open-hearted pain

Bei der Arbeit sitze ich auf Klo und heule, weil ich zu klein bin für die ganzen Stürme, die in mir durcheinander toben. Sie sprengen brüllend mein armes wundes Herz und hinterlassen erschöpftes Ödland.

Wie machen wir das jetzt?

Wir haben Streit, seit du dich verliebt hast, und ich versteh nicht, weshalb, ich versteh sehr viel an dieser Situation nicht, vor allem dich versteh ich nicht mit deiner Verweigerung eines klärenden Gesprächs. Nichts wird sich ändern, sagst du, aber ich denke, Dummkopf, natürlich wird es das.

Treffen wir uns, bevor du wegfährst?, frage ich, das ist in drei Tagen und wir haben uns immer noch nicht ausgesprochen.

Ich weiß nicht, sagst du. Vielleicht spontan, ich möchte ganz viel Zeit mit ihr verbringen, aber irgendwo kann ich bestimmt ein bisschen quatschen einschieben.

Ich sage zu dir, dass ich das verstehe, aber ich sehe einen Riss in unserer Freundschaft, den du nicht kitten möchtest.

Ich klinge wie die eifersüchtige beste Freundin und mag mich selbst nicht in dieser Rolle, ich will nicht zwischen euch kommen, aber ich fühl mich doch einen Platz weiter weggerückt, und wenn du mir Fotos von deinem Balkon schickst, als wäre nichts gewesen, seh ich in den Blumenkästen alles Ungesagte wuchern, und dass du das nicht merkst, tut am meisten weh.

Abziehbilder

Das Gefühl zu dir ist älter geworden und fault. Aus der Zuneigung kriechen Würmer, fressen sie löchrig, und sie heißen: Missgunst und Eifersucht und Gier nach deiner Aufmerksamkeit. Sie werden zu mageren Hyänen und hocken in meinem Schatten, wenn ich neben dir sitze: ich hör nicht, was du sagst, ich zähl nur, wie viele andere Frauen darin vorkommen und behalte ausschließlich, was um mich geht, und weil das alles ist, woran ich denken kann, hab ich dir auch nichts zu sagen.
Und wenn da doch etwas wäre, lass ich mich von deinem Körper ablenken, aber er heißt jetzt nicht mehr: die Augen, die schön sind, oder: die Stimme, die ich gerne höre, oder: die Hände, die tanzen, oder: die Nähe, die froh macht, sondern: alles, was ich nicht zu lange ansehen darf, nicht mit den Augen und niemals mit den Händen.

Das hat alles gar nichts mehr mit dir zu tun. Selbst der Schmerz hat sich verändert und dreht sich stumpf in der Wunde.