Du und mein Bett

Weil „der Typ aus dem Bus“ als Begriff zu lang ist und ich anfange, ihn echt zu mögen, mache ich ihn hiermit im Blog zu Du. Du kommt mich am Mittwoch besuchen und ich muss vorher die Wohnung putzen, denn ich werde nie wieder meine Wohnung zugunsten von irgendwem vernachlässigen, indem ich dauernd auswärts übernachte. Das ist nicht gut fürs Gemüt, ich lerne aus Fehlern und lade Du zu mir ein, was bedeutet, dass wir meine Matratze von direkt unter der Dachschräge hervorpulen und auf den Boden legen müssen. Was gut für mein Gemüt ist, ist schlecht für seinen Rücken.

In den Kleinanzeigen gucke ich nach einem neuen Bett, weil ich im Moment auf vielen aneinandergeschobenen Pappkartons schlafe. In einer kleinen Dachwohnung ein stauraumstrategischer Fehler, deshalb muss ein Bett mit Schubladen drunter her. Kurz überlege ich, ob ich Dus potentieller Anwesenheit in meinem Leben Rechnung tragen und ein größeres Bett kaufen soll, aber das verwerfe ich gleich wieder. Ist immerhin meine Wohnung und wie es mit mir und ihr weitergeht, ist viel sicherer als mit mir und Du.

Du ist groß und polterig in mehr als einer Hinsicht, aber er ist auch klug und warmherzig und sensibel. Er ist nicht der toll gekleidete Mann mit Sinn für schöne Nutzlosigkeiten, der mit mir bei einer Tasse Kaffee über Malerei redet. Du trinkt keinen Kaffee und redet über andere Sachen, und ich messe ihn giftig gegen mein Idealbild, bis ich nicht mehr weiß, wie sehr ich ihn mag. Vielleicht mag ich ihn sehr, bin aber nicht hingerissen, wohingegen er sehr wohl Symptome des Hingerissenseins zeigt, was mir Angst und Bauchweh macht.

Guten Morgen

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Mein Bett ist das weichste, das ich kenne. (Man könnte auch sagen: Die Matratze ist durchgelegen.)

Wie in einem Schwalbennest klebe ich direkt unter der schrägen Decke und versuche an jedem neuen Morgen, wieder flügge zu werden.

 

(Heute geht’s.)

Zuhause

Meinem einzigen netten Nachbarn erzähle ich, dass ich mir ein bisschen Sorgen mache, wer als Nachmieter in seine Wohnung kommt, weil schon ein paar obskure Gestalten im Haus leben.

Zieh doch auch aus, sagt er, und such dir ne schönere Wohnung.

Was!, denke ich, ich habe noch nie einen Ort so geliebt wie diese kleine Wohnung, nirgends sonst ist die Welt so heil, nirgends bin ich je so zur Ruhe gekommen – und schön, bittesehr, ist meine Wohnung außerdem, sie ist klein, sie ist schräg, aber ich hab sie eingerichtet, und was ich einrichte, ist schön, jedes Mal. Merk dir das, junger Mann.