Wie es war

Die lachende Welt ruft: Carlie, Carlie, spiel mit mir! Der Himmel ist blau und die Welt voller Möglichkeiten!

Ich schau aus dem Fenster, da kommen die Möglichkeiten in Scharen und schneiden sich dicke Scheiben von mir ab.

Nein, halt, sage ich, aber schon haben sie Nein und Halt heruntergesäbelt und springen kauend davon wie hungrige Kinder. Hört zu, sage ich, wartet – da schneiden sie mir das Wort ab, den Mut und das Herz und verteilen mich bis auf den letzten Rest, die schönen, bunten Möglichkeiten.

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In meinem unbelehrbaren Herzen: du

Auf der Abschlussparty fühl ich mich elend, weil ich das Festival nicht genießen konnte; du setzt dich neben mich und fragst, ob alles okay ist. Nein, sage ich, und deine Hand bleibt auf meinem Rücken, ich kann dich nicht anschauen (ich will so sehr, dass du da bleibst, dass ich mir wünsche, du würdest weggehen).

Sollen wir tanzen?, fragst du, und ich sage, was ich noch nie gesagt habe. Dieses Nein fühlt sich schrecklich an, und du fühlst es auch: Nein?, wiederholst du, weil es so unvorstellbar und verkehrt ist, dass wir beide nicht miteinander tanzen sollen.

Ich schüttle den Kopf, und damit zerschlage ich das Band zwischen uns, und es tut so weh.

Kurs auf Eisberg

Was machst du für Sachen?

Das hier mache ich:
Heute Abend ist ein Wohnzimmerkonzert in einer befreundeten WG, das ich mitorganisiere. Und morgen, gleich nachdem wir den Musiker versorgt und zum Bahnhof gebracht haben, fahre ich zu meinen Eltern.
Knapp, aber machbar, vielleicht, nur: mein Körper ist müde und unerholt, am Mittwoch habe ich meine letzte Tablette genommen und es nicht geschafft, mir ein neues Rezept für die nächsten zu holen, die letzte Nacht war zu kurz, die nächste wird es auch, ich muss noch packen, ich soll Auto fahren, die WG dekorieren, und meine Wohnung sieht seit Wochen aus wie Scheiße.
Es ist alles zu viel, ich bin völlig fertig, ich weiß nicht, was der Mangel an Schlaf und Venlafaxin in meinem Organismus veranstalten, aber ich kann gerade so aufrecht sitzen, mein Kopf ist nicht klar und mein Körper ist es auch nicht.
Was gestern noch Vorfreude auf das Konzert und den Abend mit Freunden war, ist jetzt blanke Panik, ich hab gedacht, ich kann das, ich hab Angst gehabt, ich könne es doch nicht, ich merke, ich kann’s wirklich nicht.

Aber jetzt ist es da. Wie soll das gehen.