Mal wieder

Heute war ich mit mir im Kino verabredet, zu einem Film, der Spaß macht – aber ich bin nicht hingegangen zu meiner Verabredung, und jetzt sitze ich zu Hause, versetzt und verletzt.

Ich geh gern allein mit mir ins Kino, es ist nur so schwer, mich der Stadt und der Welt zu stellen, wenn ich niemanden dabei habe als mich: dieses seltsame Tier, das viel zu leicht davon läuft.

 

Hund

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I killed the beast, that part of me is dead*

Ich habe mir verordnet, am Wochenende allein zu sein und wieder mit der Welt klar zu kommen, aber heute wach ich auf und Grumpy ist da und wir können uns kaum in die Augen schauen, so sehr wünschen wir uns, dass Menschen um uns wären. Dann müssten wir uns nicht spüren und wie wir einander das Leben schwer machen.

Du hast Scheiße gebaut, sage ich zu ihm. Entschuldige dich bei meinen Freunden.

Ich bin nicht immer an allem schuld, sagt er gereizt. Das ist auch deine Scheiße, und jetzt sieh zu, wie du da rauskommst.

 

* Für schaurig traurige Momente: Asaf Avidan mit Labyrinth Song.

Das Recht auf ein verpfuschtes Leben ist unantastbar

Ich liebe dich und ich liebe Lindy Hop und am meisten liebe ich Lindy Hop mit dir – heute Abend gab es das, ich hab noch Bekannte dazu eingeladen, alles war ganz fabelhaft, nur ich bin nicht hingegangen.

Versager

Tja, sagt Grumpy.

Ich sage nichts. Seit gestern Abend schweigen wir uns an, weil ich nicht ein Wort von ihm ertragen könnte. Ich habe ihm gewaltsam das Maul gestopft und trotzdem geheult.
Heute Morgen müssen wir aber reden, daran führt kein Weg vorbei, wir wissen es beide und gucken uns nervös an (und schnell wieder weg).

Also, sagt Grumpy schließlich. Du hast verloren. Ist so.
Er meint mein Treffen mit dem Typ aus meiner Schulzeit, und irgendwie hat er Recht:

Du hast mich schikaniert, habe ich zu dem Typen gesagt. – Also daran erinner ich mich nicht, sagt er. Du hast da irgendwas auf dich bezogen und falsch verstanden. Ehrlich, in meiner Erinnerung haben wir überhaupt kein Verhältnis zueinander, das hier ist das erste Mal, dass wir überhaupt miteinander reden.

Grumpy genießt das. Vielleicht hat er ja Recht, sagt er. Vielleicht ist einfach deine Erinnerung falsch. Kann ja passieren, nach so langer Zeit, vielleicht warst du einfach zu empfindlich, also ich fand ihn jedenfalls ganz überzeugend. Denk mal drüber nach.

Bist du bescheuert?!, rufe ich, aber es klingt klein und verzweifelt. Es kann gar nicht sein, dass ich mir alles ausgedacht habe. Meine Mutter hat sogar irgendwann seine Mutter angerufen, damit das endlich aufhört, das ist der Beweis.

Vielleicht, sagt Grumpy hämisch, aber er musste es nur abstreiten, und schon hast du dir selbst nicht mehr geglaubt. Du bist nämlich immer noch ein kleines, verunsichertes, hilfloses Kind, das seinen Standpunkt nicht verteidigen kann. Er ist immer noch stärker als du!

Er ist einfach ein größerer Idiot als ich, sage ich wütend. Er ist ein aufgeblasenes, ignorantes Arschloch, das nur sieht, was es sehen will. Ich bin ein viel coolerer Mensch als er.

Ja, spottet Grumpy, aber davon hat er nichts mitbekommen gestern. Du konntest ihm ja nicht mal erklären, worum es ging. Du hast verloren, sieh’s ein.

Ich sage nichts. Ich will nicht verloren haben, aber es fühlt sich genau danach an.

Ach ja, sagt Grumpy, und du hast ihn nichtmal zur Rede gestellt, weil du fast eine Stunde an dem hässlichen Kackbahnhof auf ihn warten musstest. Früher hast du so wenig existiert für ihn, dass er nichtmal gemerkt hat, wie er auf dir rumgetrampelt ist, und gestern hast du ihn einfach weitertrampeln lassen. Für ihn bist du immer noch kein richtiger Mensch, mit dem man anständig umgehen müsste, und das lässt du einfach mit dir machen. Du bist kein bisschen weiter als damals.
Grumpy schüttelt verächtlich den Kopf und dreht sich weg, und ich hab nichts, das ich erwidern könnte, weil ich selber nicht ganz fassen kann, was da gestern passiert ist. Berlin ist eine große, anstrengende, hässliche Stadt, und ich will zurück nach Freiburg, das mir sachte versichern wird, dass ich immer noch da bin, dass ich gar nicht so übel bin, dass mein stilles, unscheinbares Leben genauso gültig ist wie das von all den Leuten, die irgendwas Vorzeigbares machen und vorzeigbare Reisen unternehmen und Politiker beraten, obwohl sie schlechte Menschen sind.

Und jetzt.

 

Auf See

Morgens stehe ich auf und alles ist OK, aber nach zwei Stunden Sachen machen im Haushalt ist die Luft raus. Ich sinke. Warum? Wohin?

Du bist sauer auf mich oder enttäuscht von mir, ich hör’s an deinem Schweigen. Meine hundertste Entschuldigung verpufft ins Leere, vielleicht sind hundert Mal ein Mal zu viel (bitte nicht). Hermetische Enge: du brauchst mich, ich brauch dich zum Tanzen, zweifache Last.