Kein Titel

Er ist aus dem Fenster gesprungen, sagt mein Vater über einen todkranken Freund, den ich kannte. Das war gestern, und ich hab keine Worte, so ein rohes, einsames Ende.

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Max

Das war mein Hund: Begleiter auf langen Streifzügen durch die Felder im Sommer, jedes in seine Welt vertieft, zu zweit, aber eins; und nie werde ich aufhören, den schweren Geruch von Springkraut zu lieben, das an den Bächen stand, die wir entlang gegangen sind.
Das war mein Hund: ebenbürtiger Gegner im Tauziehen, Spielgefährte, ewiger Gewinner von Wettrennen, Meister im Auffinden verlorener Spielzeuge, furchtloser Langstreckenschwimmer, den sein Körperbau dazu bestimmt hatte, nie einen einzigen Hasen zu fangen.
Und das war mein Hund: zartfühlend; stummer, aber beharrlicher Tröster, wenn ich weinend aus der Schule kam, der nicht von mir abließ, bis ich, unter Tränen, lachen musste; eine Seele von Hund, die aus dem Zimmer ging, wenn Leute stritten, meinen Bruder anbellte, wenn der vor der Playstation einen Wutanfall bekam, der Hund, der sonst ein schweigsamer Riese war – und  trotz seiner Körpermasse so vorsichtig durch unsere aufgebauten Spielzeuglandschaften gehen konnte, dass er kein einziges Figürchen umstieß.

Das war mein Hund.

Nach Hause von daheim

Ich war ein paar Tage bei meinen Eltern. Sie drücken Liebe und Fürsorge in sehr viel Essen, Hilfsbereitschaft und Freigiebigkeit aus, ich bin gerührt, verwöhnt, geborgen und habe trotzdem Heimweh nach meiner Wohnung und meiner Stadt. Wo ist Zuhause für dich?, fragt meine alte Schulfreundin. Dort, sage ich, und es ist die Wahrheit.

Dann steige ich dort, zuhause, wieder aus dem Fernbus, mein Rad erwartet mich, die Stadt begrüßt mich mit einem Regenschauer, durchnässt komme ich in meiner Wohnung an: ich bin müde, es ist still, ich fühle mich allein und vermisse meine Eltern. Komm herein, sagt das Loch, darüber denke ich nach, dann antworte ich: Das ist okay. Allein fühlen ist okay, kein Loch. – Schön, sagt es, wenn du mich brauchst, ich bin in der Nähe.

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