03.09.

Ich könnte den ganzen Tag schlafen. Was ist denn los? Gestern war’s schon so. Und vorgestern war Hochzeit. Meine zwei liebsten Menschen sind die nächsten Wochen nicht in der Stadt, und ich fühle mich ganz verlassen. Ich würde gern wegfahren, bin aber zu pleite, dabei ist jetzt bald das Fantasy Filmfest und ich will da SO gerne hin. Das, meine liebste Stadt der Welt, ist das Einzige, was ich an dir vermisse. Und meine beste Freundin, jetzt. Und meinen Tanzpartner, aber weil der ja auch der ist, in den ich mich so verliebt habe, ist das vielleicht eher heilsam.

Ich bin ganz schwer. Vielleicht brauch ich Ruhe.

Ich mag düstere, fantastische Geschichten auf der Kinoleinwand, aber wenn ich die alleine anschau, geht’s mir hinterher – düster und gar nicht fantastisch. Nachdem ich alle Trailer fürs Fantasy Filmfest angeschaut habe: auch düster. Ich möchte meinen eigenen finsteren Film machen, es gäbe solch wunderbare Ungeheuer dort, schön und schrecklich, und vielleicht würden sie donnernd über die Stadt hereinbrechen und Angst und Schrecken verbreiten. Vielleicht würden die Patienten einer psychiatrischen Klinik sich das eine Weile ansehen und irgendwann müde aufstehen – vielleicht würden sich manche verschwörerisch zugrinsen – und nach draußen gehen und all die wilden Ungetüme berühren und zähmen, weil sie mit ihren inneren Ungetümen weiß Gott alles Mögliche gewohnt sind und das nun auch nicht weiter schwer ist. Und dann würde die Stadt zu einem staunenden neuen Tag erwachen und alles wäre anders für alle.

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Sie sind ein Übel

Ich hoffe, es gibt eine spezielle Hölle für meinen Nachbarn, in der er für immer  in dem Moment gefangen ist, wo man um Viertel vor acht von einer Motorsäge geweckt wird, weil jemand um diese Zeit in einem Wohngebiet damit eine verdammte Hecke schneidet.

Wohin soll man euch noch schlagen?*

Ich sitze mit einer Freundin im Café, sie hat eine Bibel mitgebracht und zeigt mir eine Stelle, die sie in eine Fantasy-Geschichte umarbeiten will. Wir kommen in Fahrt und blättern gemeinsam durch das Buch, lesen abwechselnd Abschnitte vor und amüsieren uns prächtig über die Sprache, die bizarren Geschichten, die verknöcherten Ermahnungen. Unser Höhepunkt: Jesaja. Da geht’s ab.
Jesus Sirach dagegen (übrigens nicht in protestantischen Bibeln zu finden, die reformierten Kirchen rechnen ihn zu den Apokryphen, also den nicht-kanonischen biblischen Texten) ist ein großer Langweiler, den wir überhaupt nicht mögen.

Mutig wagt sich die Bedienung immer wieder in die Ecke zu den zwei Verrückten, die sich kichernd über eine Bibel beugen, ganze Seiten daraus vortragen und immer wieder in Gelächter ausbrechen.

 

*Jesaja 1,5