Was Hänschen nicht lernt

Ich bin froh, aber Frohsein überfordert mich so sehr, dass ich stattdessen lieber wieder in Lähmung und Gleichgültigkeit falle. Die kenn ich wenigstens.

08.10.

Ich wache auf und habe gute Laune und erinnere mich nicht an die Kapriolen, die mein Kopf in der Nacht vielleicht geschlagen hat.
Ich hab gute Laune – das ist so selten, morgens. Ich genieße.

Gestern Abend war schön: kurz, bevor ich in mir versumpfe, packe ich mich doch noch nach draußen in den blaugelben Herbsttag und spaziere durch den sonnigen Herbstwald, das Licht ist voll und golden, die Luft warm und ganz weich. Ich finde einen stillen Weg, auf dem sonst keiner geht, und darauf dicke, reife Esskastanien von einem Baum, den ich nicht ausmachen kann; aber ich sammle mir die Taschen voll mit den prallen, runden Früchten.
Zuhause schiebe ich Kürbis und Kastanien in den Ofen und trinke Tee, bis das Essen fertig ist, und dann schaue ich mir The Bad Batch an und weiß nicht, ob gerade dieser Film mich so glücklich machen sollte, aber genau das passiert, und wenn das Glück in Form einer steroidmuskulösen Romanze mit fehlendem Arm und Bein vorbeikommt, soll man es trotzdem nicht wegschicken, also: hier sitze ich mit meinem Glück.

Draußen ist Herbstnebel und gleich geh ich los, um den Nebel mit der Kamera und mehr Kastanien mit einer großen Tasche einzusammeln, und dann in die Stadt, und ich freu mich auf alles, kostbar ist das.

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