Wie denn, was denn

Vor zwei Wochen hat meine Freundin geheiratet, unter den Gästen ein Freund von ihr, den seh ich zum ersten Mal und weiß: Cute. Er macht den Mund auf und ich denke, wir haben nichts gemeinsam, und das denke ich noch immer, jetzt, wo er mich morgen besuchen kommt.

Entschuldigung, was machst du da?, fragt etwas in mir, entrüstet und besorgt. Ergibt das etwa Sinn?

Grumpy wirft ein, dass wir jetzt für den Typen die Wohnung aufräumen müssen und er darauf echt keinen Bock hat.

Mein besorgter Teil sagt: Wenn es doch eh nicht passt. Nur unnötiger Stress, und dann am Ende anstrengende Gespräche und Enttäuschung.

Warum kommt der überhaupt? Auf der Hochzeit hab ich kaum mit ihm geredet, hinterher schreib ich ihm: Treffen wir uns?, weil es in mir knistert, wenn er in der Nähe ist, und er antwortet: Klar doch. – Find ich gar nicht so klar, aber trotzdem schön. Ich freu mich auf das Wochenende.

Nur dass ein weiterer Teil von mir auf deinem Rücken hockt und sich mit beiden Ärmchen um deinen Hals klammert, weil wir dein Vogelgesicht und dein Lächeln so sehr mögen und weil wir gerne neben dir liegen in der Nacht, und weil wir uns so ungewöhnlich wohl fühlen in deiner Gegenwart. Und ich möchte immer noch mehr herausfinden über dich/dich und mich in unserem seltsamen, unaufgeregten Verhältnis – auf das uns einzulassen wir nicht mit Haut und Haaren bereit zu sein scheinen, wir beide nicht. Das ist ein Widerspruch, den ich nicht aufgelöst bekomme.

Es ist überhaupt alles voller Widersprüche. Dass ich keine Lust hatte, dir das alles zu sagen, weil du von selbst nicht darüber redest außer in Randbemerkungen, jetzt aber alles hier aufschreibe, wo ich genau weiß, dass du es lesen wirst: widersprüchlich.

Wirbel

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.
Bei alten Freundinnen, die mir auf der Hochzeit gestern und im Briefkasten plötzlich wieder über den Weg gelaufen sind, und der neuen Freude, sie wiederzusehen?
Bei dem Liebeskummer, den ich nicht umhin komme auszusprechen, anzusprechen, weil ich keine neuen Löcher und Leerstellen in mein Leben reißen will?
Bei den Begegnungen gestern und einem sommersprossigen kleinen Jungen und den wunderbaren Frauen, bei der Überraschung, dass eine Feier mit über hundert Leuten auch für mich ein schöner Abend sein kann?

So viel. Ich hab der Klinik abgesagt. Meine neuen Tabletten sehen komisch aus. Lustiger, aber auch weniger essbar. Ich bin müde.