Macht euch keine Sorgen

Es ist nichts übrig geblieben: Hier ist öde Dunkelheit, selbst der Wind ist gestorben.

Ich weine und höre Du sagen: Wenn du meinst, dass du nichts kannst, dann kannst du eben nichts, und ich sehe vor meinem inneren Auge, wie ich mich zusammenreiße, um der Beleidigung zu begegnen. Ich reiße mich zusammen, ich bin stark.

Es ist anstrengend, die ganze Zeit stark zu sein. Was ist das für ein Leben, das verschwindet, wenn ich aufhöre stark zu sein? Hätte ich nicht gnädigerweise ein anderer Mensch werden können? Wozu mir Verstand und Talent mitgeben, wenn ich nichts davon benutzen kann, weil Überleben alles ist, wohin ich reiche?

Ich weine, und mein Weinen ist nutzlos, weil ich morgen aufstehen und arbeiten werde und am Wochenende werde ich tanzen, ich werde unter Menschen sein wie ein Mensch, und für alles davon werde ich mich sehr stark machen müssen, aber ich bin so klein und die Welt tut so weh. Vielleicht ist das hier alles, vielleicht wird es nie leichter, oder schöner, oder besser. Das sagt man nicht laut, weil die Menschen es nicht ertragen. Ich ertrage es auch nicht, aber ich ertrage auch die Hoffnungen nicht, die eine nach der anderen leise verwelkt sind, jetzt habe ich nachgemachte Hoffnung, die nicht echt ist. Ich habe nichts, woran ich glauben kann. Nichts fühlt sich an, als wäre es möglich, das hier ist zu wenig, aber wie soll ich an mehr kommen mit diesen schwachen Beinen und den winzigen Händen und einem Herzen, das seine eigene Existenz anzweifelt.

Warum muss es so sein, dass ich schöne Dinge kann, denn ich kann sie nicht benutzen und so wiegen sie wie Blei, und was soll ich jetzt tun, wenn fürs Tun keine Kraft mehr ist, weil ich vernünftigerweise arbeite, und Glaube und Hoffnung sind verschwunden.

Ich mag diesen Text nicht. Ich mag nicht, wie ihn manche Leute lesen werden. Ihr müsst euch keine Sorgen machen, ich weiß wirklich nicht, was ich mit Sorgen anfangen soll.

Kleiner als

Wir treffen uns zum Reden. Ich wünsche mir, dass wir so weit zueinander finden, dass wir danach gut auseinander gehen können. Ich will ein ungetrübtes Bild von der Zeit mit dir behalten, ich möchte bedauern, dass sie zu Ende ist, ich will mich gern erinnern, ich will dir frei sagen können, dass sie mir was bedeutet hat, und was.

Aber dann sind wir doch nur zwei Idioten, die verschlossen durch den Wald stolpern und verzerrte Fragmente zwischen sich hin- und herschieben, weil sie ums Verrecken keine gemeinsame Sprache finden, und wie wir auseinander gehen: in Höflichkeit, die brutal ist, weil sich so nicht zwei Menschen verabschieden sollten, die sich mal wirklich, wirklich gern gehabt haben.

Ich hätte dir gern Danke gesagt, aber als wir die letzten vernichtenden Nüchternheiten ausgetauscht haben, weiß ich selbst kaum noch, wofür. Und genau DAS wollte ich mit diesem Gespräch ausräumen, ich wollte, dass das dumme Gefühl weggeht und der Blick wieder frei ist für das, was gut gewesen ist, aber nachdem alles gesagt ist, bin ich mir nichtmal mehr sicher, ob es so gut war, wie ich es empfunden habe.
Du bist nichts als Abstand, während ich mich wehre, so gut ich kann, aber am Ende tut bloß alles weh, und ich komm mir so dumm vor für meinen Versuch, weich zu sein und es gut zu machen. Du hast mir wehgetan und vielleicht hab ich das herausgefordert, aber ich hab mir so gewünscht, noch etwas Wärme zwischen uns zu finden. Du aber hast ewigen Winter ausgerufen: bemüh dich gern, sagst du —  aber so, wie du das sagst, was will ich mit dem Frühling.
Ich bin nur, was ich bin, ich hab gemacht, was ich konnte, und ich weiß, das ist nicht immer genug, es ist nicht immer leicht mit mir, aber ich bin auch allerhand mehr als das, und was du daran nicht sehen kannst, das trag ich dir nicht auch noch nach. Und dein stilles Zählen kleiner Schmerzen: mag damit umgehen, wer will.

Ich weiß um dein Bemühen, ich weiß um deine Großzügigkeit, ich weiß um deine Fürsorge, und ich weiß, wenn mein Zorn vorüber ist, werd ich dankbar sein für das warme Nest, das ich bei dir gehabt habe, und ich werde wieder wissen, dass diese stille kleine Liebe auch wahr gewesen ist: aber auch du hast versäumt und geirrt und versagt.

Was ich mir zum Geburtstag wünsche

Dass ich davon leben könnte, kreative Sachen zu machen, Fahrräder umlackieren zum Beispiel, oder fotografieren.

Dass ganz viele Leute meinen Blog lesen.

Dass Freunde und Freundinnen, die es schwer haben, es leichter haben.

Das große Romantik-Kaboom!

Ein Lagerfeuer.

Diesen Hund. Bitte. Bitte.

Ein Lindy-Hop-Festival, irgendwo, wo es schön  und mein ehemaliger Tanzpartner weit weg ist.

Und Erdbeerkuchen.