Traum

Ich träume, dass ich mit Freunden in einem großen Haus auf einen Spuk stoße, jeder auf seinen eigenen: sie findet ihr persönliches Gespenst auf der Treppe, er seines auf der Dachterrasse, ich schließlich habe meines in der Abstellkammer.
Einer von uns findet heraus (und wie mutig das von ihm gewesen sein muss!), dass man sich seinem Spuk stellen kann, ihn immer und immer wieder durchleben, statt davonzulaufen: indem man standhaft und dem schrecklichen Gespenst zugewandt bleibt, wird es weniger schrecklich von Mal zu Mal, es erfährt Mitgefühl, es fühlt sich verstanden, es lässt los – und wir sind gezeichnet von seiner Heimsuchung, aber frei davon.
Meine Freunde stellen sich ihren Gespenstern, einer nach dem andern, nur ich fürchte mich bis zuletzt, weil mein Gespenst am schlimmsten ist. Du musst, sagen sie, es hilft alles nichts. Es hilft alles nichts, und ich erlebe furchtbare Dinge mit in der Abstellkammer meines Gespenstes.

03.09.

Ich könnte den ganzen Tag schlafen. Was ist denn los? Gestern war’s schon so. Und vorgestern war Hochzeit. Meine zwei liebsten Menschen sind die nächsten Wochen nicht in der Stadt, und ich fühle mich ganz verlassen. Ich würde gern wegfahren, bin aber zu pleite, dabei ist jetzt bald das Fantasy Filmfest und ich will da SO gerne hin. Das, meine liebste Stadt der Welt, ist das Einzige, was ich an dir vermisse. Und meine beste Freundin, jetzt. Und meinen Tanzpartner, aber weil der ja auch der ist, in den ich mich so verliebt habe, ist das vielleicht eher heilsam.

Ich bin ganz schwer. Vielleicht brauch ich Ruhe.

Ich mag düstere, fantastische Geschichten auf der Kinoleinwand, aber wenn ich die alleine anschau, geht’s mir hinterher – düster und gar nicht fantastisch. Nachdem ich alle Trailer fürs Fantasy Filmfest angeschaut habe: auch düster. Ich möchte meinen eigenen finsteren Film machen, es gäbe solch wunderbare Ungeheuer dort, schön und schrecklich, und vielleicht würden sie donnernd über die Stadt hereinbrechen und Angst und Schrecken verbreiten. Vielleicht würden die Patienten einer psychiatrischen Klinik sich das eine Weile ansehen und irgendwann müde aufstehen – vielleicht würden sich manche verschwörerisch zugrinsen – und nach draußen gehen und all die wilden Ungetüme berühren und zähmen, weil sie mit ihren inneren Ungetümen weiß Gott alles Mögliche gewohnt sind und das nun auch nicht weiter schwer ist. Und dann würde die Stadt zu einem staunenden neuen Tag erwachen und alles wäre anders für alle.