So sieht’s aus

Mein WLAN ist mit meinen Nachbarn ausgezogen, deshalb kann ich nur noch bloggen, wenn ich es gerade mal in die UB schaffe. Da schaffe ich es nicht so oft hin, deshalb muss ich dann alle vorher geschriebenen Beiträge auf einmal veröffentlichen. So wie jetzt eben.

Ich hab meinen Arbeitsplatz in der Institutsbibliothek abgeräumt. Meiner Dozentin und auch meiner Therapeutin hab ich es noch nicht gesagt, aber ich glaube, ich werd es gut sein lassen mit der Masterarbeit. Und dann arbeite ich irgendwas, was mir Spaß macht. Nichts am Computer. – Sobald ich es schaffe, natürlich, mich irgendwo zu bewerben, und dann werde ich vielleicht endlich mal meine Geldsorgen los, wär das nicht schön?

Es stehen also jede Menge „Aber du bist doch fast fertig“-Gespräche an. Eigentlich ist das nicht so schwer zu verstehen, aber irgendwie doch. Ich hab auch noch Angst vor dieser Entscheidung und ihrer Endgültigkeit.

Und am Ende möchte ich euch allen vorschlagen, das Album Zanaka von Jain anzuhören, weil das irgendwie das Beste ist, was mir in letzter Zeit passiert ist, akustisch.

Ich geh jetzt Kino. Tschüs!

 

 

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Schlaf, Kindlein, schlaf

Mein Kopf weiß viele Dinge.

Dass man die Frage, wie es weitergehen soll, nicht zwischen 2 und 4 Uhr nachts löst, weiß er nicht.

Worüber er nachdenkt: wie viel Geld brauche ich mindestens? Bekomm ich das im Kino? Soll ich im Kino weiterarbeiten? Soll ich mehr Geld fordern? Soll ich in die ver.di eintreten und einen Betriebsrat gründen? Wie respektvoll muss ich mit meinen Chefs reden? Wie kann man einen Streik organisieren und könnte sich den überhaupt wer leisten? Wo könnte man einen Kummerkasten aufstellen? Lohnt sich das alles, wenn ich nicht mal weiß, ob ich da bleiben will? Macht mich ein besser bezahlter Bürojob froh? Soll ich wirklich die Uni abbrechen? Wie trifft man Entscheidungen? Kenne ich wen, mit dem ich mal wieder ins Bett gehen kann, weil ich wirklich Hunger habe? Wie viel angenehmer wäre mein Leben ohne die drückenden Geldsorgen? Kann ich in meiner Stadt mit einem abgebrochenen Master eine Stelle finden, in der ich in Teilzeit genug zum Leben verdiene? Hab ich wirklich keine Lust auf das, was man Karriere nennt, oder berufliche Selbstverwirklichung? Wie lebt man denn?

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24.10.

Ich hab die Wäsche gewaschen, den Blumen zu trinken gegeben, ein paar Bücher ins offene Bücherregal gestellt, was für die Uni gemacht, mich für die Jobbörse freischalten lassen UND den Abwasch gemacht. Brav! Ich darf mich entspannen.

Morgen fahr ich endlich doch zu meinen Eltern, weil mein Vater nach einem leichten Schlaganfall im Krankenhaus liegt. Ich will vor allem mit ihm schimpfen, weil er damit noch Auto gefahren ist.

Mir geht’s erstaunlich gut.

Es hilft ja nichts

Ich will keine Kirchenmaus mehr sein und der in Aussicht gestellte Job steht da seit einem halben Jahr und ich kann nicht mehr warten. Ich hab aber Angst vor der Jobsuche und dass sie mich stressen könnte und dann alles wieder kaputt geht. Ich hab Angst vor einem neuen Job und dass er mich stressen könnte und dann alles wieder kaputt geht.
Kein Geld haben stresst mich und macht auch alles kaputt.

18.05.

In meinem Tagebuch steht heute:

Ich glaube, dass ich mein Studium abbrechen werde. Melde mich in einer Wäscherei, um halbtags als Fahrerin zu arbeiten, für zwei Monate, bis ich weiß, was ich sonst tun soll. Ist das die richtige Entscheidung? Ich habe Angst. Das hier ist mein Leben, und ich habe noch nie Verantwortung dafür übernommen. Wenn ich jetzt eine falsche Entscheidung treffe, ist mein erster eigener Schritt ein Fehler.

 

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Anoche

Ich kann nicht schlafen.

Du bist zurück in meinem Kopf und hast alle anderen Ungeheuer mitgebracht. Sie heißen Kummer und Sorge und stampfen ungeschlacht durch alles, was ich bin.

Die nächsten Tage habe ich zudem mit so vielen verschiedenen Gelegenheitsjobs vollgestopft, dass mir gar keine Luft mehr bleibt, das wird mir jetzt klar und angesichts der Erstickungsgefahr liege ich knallwach im Bett. Was hab ich mir dabei gedacht? Ich bin ja jetzt schon, nach dem Probearbeiten, total durch, nach Wochen des Stillstands muss ich mit so viel Leben erstmal klarkommen.

Ich muss lernen, über Dinge nachzudenken, bevor ich sie mache.

Ich weiß immer noch nicht, wie ich funktioniere und was ich mit meinem Leben anfangen soll.

Ich vermiss dich.

17.05.

Heute war ich probearbeiten. Es hat Spaß gemacht, der Job ist sogar entspannt, wir machen zweimal Kaffeepause und sind trotzdem eine halbe Stunde früher fertig als erwartet. In diesen sechs Stunden habe ich nur ein einziges Mal an den Mann gedacht, der sonst mein ganzes Denken okkupiert, und mich überhaupt sehr okay gefühlt.

Zuhause besänftige ich die Nachbarn, die wegen der Fahrräder im Treppenhaus auf dem Kriegspfad sind, und lese von meinem Brieffreund: Schmeiß das Studium nicht hin, du bist doch eine tolle Kunsthistorikerin.
Woher er das nun wissen will?

Da hat er was mit Vati gemeinsam. Beide überschätzen mich, ohne zu wissen, wovon sie reden. Sind Sie auch nicht zu bescheiden?, hat die Psychologin gefragt. Nein, sage ich, weil ein hingerotzter Sprachkurs an der Uni nicht bedeutet, dass ich Türkisch spreche; eine tolle Kunsthistorikerin braucht neben Begeisterung auch ein solides Wissen – und Lust, sich drei Jahre an einer Promotion* abzuarbeiten.

Ich bin das Studieren müde. Das ist ein Kampf, den ich gegen mich selbst verloren gebe, aber „müde“ zählt nicht gegenüber Vätern und Brieffreunden, auch „unglücklich“ zählt nicht, ist ja auch absurd, wegen Müdigkeit und Unglück das hinzuschmeißen, was nur noch die Masterarbeit ist. Es ist aber seit zwei Jahren nur noch die Masterarbeit: das wird halt nix.

Bitte nicht widersprechen, nur Liebe und Verständnis ausdrücken, danke.

 

*No! freaking! way!

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