Papierkapitänin

Da komme ich heim und rausche unter vollen Segeln auf dem Wind dahin, der noch vom Wochenende her weht – meine Brüder hab ich gesehen und bin so froh, sie zu haben, und dann war Hochzeit: Momente mit alten Freundinnen, die wie Juwelen aus dem staubigen Durcheinander des Tages leuchten, und eine neue Bekanntschaft: wollen wir uns treffen, frage ich, denn ich mag seinen Humor und dass er freundlich zu allen Leuten ist, und er sagt, na klar; und am Ende fahre ich mit einem jungen Paar nach Hause und wir finden heraus, dass sie wen kennen, der vielleicht jemanden wie mich als Assistentin brauchen könnte, und heute morgen bin ich aufgewacht und immer noch froh. Und dazu freue ich mich über die Sonne, die Badesee sagt, und über das Rennrad, und aufs Kino heute Abend, und darauf, danach bei einem gewissen Mann zu übernachten –

aber ein falsches Wort, und ich falte mich zusammen wie eine erschauernde Mimose,

und eine Nachricht über jemanden, von dem ich nichts mehr hören möchte, und mein prachtvolles Segelschiff wird zum morschen Fischerkahn, ich sinke auf den Meeresgrund

und bleib da sitzen

und heule.

Werbeanzeigen

20.12.

Ich sitze bei meiner Therapeutin und spreche von mir wie von einem Uhrwerk, das nicht richtig läuft. Ja, aber wie geht’s Ihnen denn?, fragt sie, und ich fange an zu weinen.
Dass es mir so geht, hab ich selber nicht gewusst.

 

 

 

Weil ich nicht wollte, dass es mir so geht. Das ist jetzt vorbei, hab ich gedacht und nicht mehr richtig hingeschaut.