Keine Angst

 

Erstens. Ist sie nicht wunderbar?

Zweitens. Freiheit ist, keine Angst zu haben, und ich will all diese absurde Angst loswerden und frei sein, meiner Neugier und Intuition und meinem Herzen zu folgen und ein ganzer Mensch mit einem ganzen Leben zu sein, und ich werde dafür zweimal die Woche mit einer kleinen, rehäugigen Frau in einer altmodischen Praxis über das Chaos in meinem Kopf sprechen, blöde Pillen schlucken und für ein paar Wochen in einer Klinik leben, wenn das bedeutet, dass ich das Tanzen und das Radfahren und eine Zukunft und Zuversicht und mich selbst zurückbekomme. If I could have that half of my life: no fear!

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Beschwerde

Wenn jemand sagt, er ist Fotograf, und dann guckt man auf seine Website und da sind vor allem Bilder von sinnfrei irgendwo drapierten Mädchen, die lasziv oder sehnsüchtig gucken, dann kann ich den nicht ernst nehmen. Weder als Fotograf noch als Mensch noch als Künstler. Ich habe gesprochen.

All the madmen

Ich stehe auf einem wüsten Stück Boden. Warum ich nicht in ein besseres Land gestellt worden bin, weiß ich nicht. Bin ich’s nicht wert? Das darf man nicht sagen. Reicher als ich kann nirgends ein Strauch aufgehn.

Das hat Kafka aufgeschrieben. Ein Verbündeter: ich sammle die Sensiblen, Beschädigten, Besonderen, die Kuriosen, die innerlich Zerrissenen – wir könnten so groß sein (wenn wir nur könnten), wir schmecken das Leben klarer, unsere Sonne brennt heißer, wir lieben tiefer und sehnen uns weiter, wir sehen und tragen nach Hause und bewahren: wie du gelächelt hast, wie dein Haar im Gegenlicht aussah, ob Zärtlichkeit in deiner Geste lag, als du ein Buch zur Hand nahmst.
Vielleicht sind wir beständig Verliebte – in jedes Haar an jedem Hund, in jedes grüne Blatt, in jeden beliebigen Fremden, und unsere Liebe wird beständig enttäuscht, zurückgewiesen, erwidert, hintergangen, bestärkt, ausgenutzt, hingehalten, angefacht, erprobt.
Wir erkennen uns in der Musik, der Dichtung, der Malerei fremder Künstler wieder, und wir erkennen einander: beinahe wie ein Geheimcode ist das Wort „Psychotherapie“, wir hören es und verstehen: einer von uns.
Dann können wir sprechen, ohne uns zu erklären, denn wir wissen schon, dass andere Realitäten unsere Entscheidungen bedingen, dass Handlungen, die irrational wirken mögen, in Wahrheit folgerichtig und unausweichlich waren, dass das Naheliegende oft auch das Unmögliche ist.

Es ist nicht unsere Schuld, dass wir nicht gerade wachsen durften. Vielleicht wären wir gerne weniger reiches Strauchwerk in einem fruchtbareren Boden, vielleicht würden wir gerne bei den anderen in den sanften Tälern wurzeln, aber wir sind an die Berghänge verbannt, in Staub und Geröll, einen Wechsel von Hitze und Frost.