It’s not the fall that kills you, it’s the sudden stop

Neben dem Bett steht ein neuer Wecker, queroval, orange, retro, und er wird mich für immer an jemand erinnern, mit dem ich auf dem Flohmarkt war (um diesen Wecker zu finden, den ich im Vorjahr auf demselben Markt nicht gekauft habe), mit dem ich ein Wochenende verbracht habe aus Schweiß und Küssen und Körpern und Sommerhitze, Schlaflosigkeit und Freude und Enge, mit dem ich den Übergang von Fremdheit zu Vertrautheit vollzogen habe; der kein Band aus Nüchternheit und Zynismus um sein Herz geschlagen hatte, der bereit war, mir wirklich zu begegnen; mit dem ich gelacht habe, dessen Anwesenheit mir erstaunlich und wundervoll vorkam, der auf dem Flohmarkt eine Lampe gekauft hat, ebenfalls orange, ebenfalls retro, und dem von unserem Wochenende nur diese Lampe bleiben wird, wie mir nur der Wecker bleibt; diese beiden, und ein plötzlicher, wütender Schmerz.

 

Dieses Lied hab ich bisher für Blödsinn gehalten, aber jetzt passt es, so.

 

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10.07.

Gestern ist so sauviel an einem einzigen Abend passiert, ich weiß gar nicht, wie ich das nun sortieren soll.

Mein Top riecht nach fremdem Männerparfum, weil ich in einem Blues-Kurs Körper an Körper mit Leuten getanzt habe. Diese Erfahrung wäre einen eigenen Eintrag wert, aber vorher habe ich mich mit den Salsa-Leuten gestritten, mit denen die Lindy-Hop-Szene sich eine inoffizielle Tanzfläche in der Stadt teilt, und danach hatte ich einen noch viel größeren Streit über Musik, die bei Lindy Socials gespielt werden darf, und über alles davon gibt es so viel zu denken und zu schreiben, ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.

Außerdem hatte ich gestern meine letzte Therapiesitzung und heute geh ich zur Berufsberatung und am Samstag hab ich Geburtstag gefeiert und all das ist auch noch nicht sortiert, und dann sind da noch zwei Männer, die ich auch nicht sortiert bekomme. Zusätzlich zu dem einen, der immer noch Schlammlawinen in mir auslöst, indem er einfach nur anwesend ist.

Und als wär das noch nicht genug, zerrt Grumpy mich an der Hand und will, dass wir aufhören, herumzusitzen. Unruhe!, ruft er. Komm schon, komm schon!
Es ist wohl kein Moment zum Innehalten und Reflektieren.

Was ich mir zum Geburtstag wünsche

Dass ich davon leben könnte, kreative Sachen zu machen, Fahrräder umlackieren zum Beispiel, oder fotografieren.

Dass ganz viele Leute meinen Blog lesen.

Dass Freunde und Freundinnen, die es schwer haben, es leichter haben.

Das große Romantik-Kaboom!

Ein Lagerfeuer.

Diesen Hund. Bitte. Bitte.

Ein Lindy-Hop-Festival, irgendwo, wo es schön  und mein ehemaliger Tanzpartner weit weg ist.

Und Erdbeerkuchen.

Wie denn, was denn

Vor zwei Wochen hat meine Freundin geheiratet, unter den Gästen ein Freund von ihr, den seh ich zum ersten Mal und weiß: Cute. Er macht den Mund auf und ich denke, wir haben nichts gemeinsam, und das denke ich noch immer, jetzt, wo er mich morgen besuchen kommt.

Entschuldigung, was machst du da?, fragt etwas in mir, entrüstet und besorgt. Ergibt das etwa Sinn?

Grumpy wirft ein, dass wir jetzt für den Typen die Wohnung aufräumen müssen und er darauf echt keinen Bock hat.

Mein besorgter Teil sagt: Wenn es doch eh nicht passt. Nur unnötiger Stress, und dann am Ende anstrengende Gespräche und Enttäuschung.

Warum kommt der überhaupt? Auf der Hochzeit hab ich kaum mit ihm geredet, hinterher schreib ich ihm: Treffen wir uns?, weil es in mir knistert, wenn er in der Nähe ist, und er antwortet: Klar doch. – Find ich gar nicht so klar, aber trotzdem schön. Ich freu mich auf das Wochenende.

Nur dass ein weiterer Teil von mir auf deinem Rücken hockt und sich mit beiden Ärmchen um deinen Hals klammert, weil wir dein Vogelgesicht und dein Lächeln so sehr mögen und weil wir gerne neben dir liegen in der Nacht, und weil wir uns so ungewöhnlich wohl fühlen in deiner Gegenwart. Und ich möchte immer noch mehr herausfinden über dich/dich und mich in unserem seltsamen, unaufgeregten Verhältnis – auf das uns einzulassen wir nicht mit Haut und Haaren bereit zu sein scheinen, wir beide nicht. Das ist ein Widerspruch, den ich nicht aufgelöst bekomme.

Es ist überhaupt alles voller Widersprüche. Dass ich keine Lust hatte, dir das alles zu sagen, weil du von selbst nicht darüber redest außer in Randbemerkungen, jetzt aber alles hier aufschreibe, wo ich genau weiß, dass du es lesen wirst: widersprüchlich.

In meinem unbelehrbaren Herzen: du

Auf der Abschlussparty fühl ich mich elend, weil ich das Festival nicht genießen konnte; du setzt dich neben mich und fragst, ob alles okay ist. Nein, sage ich, und deine Hand bleibt auf meinem Rücken, ich kann dich nicht anschauen (ich will so sehr, dass du da bleibst, dass ich mir wünsche, du würdest weggehen).

Sollen wir tanzen?, fragst du, und ich sage, was ich noch nie gesagt habe. Dieses Nein fühlt sich schrecklich an, und du fühlst es auch: Nein?, wiederholst du, weil es so unvorstellbar und verkehrt ist, dass wir beide nicht miteinander tanzen sollen.

Ich schüttle den Kopf, und damit zerschlage ich das Band zwischen uns, und es tut so weh.

Gefühlskater: Hingeben hinnehmen

Wie ich dich besuchen komme, weiß ich, dass ich heute verliebt in dich sein werde, und ich zaudere kurz vor dem Gefühl. Dann nehm ich es an, weil es schön ist, und es ist wirklich schön, so weich zu sein und für einen Abend, eine Nacht und einen Morgen die üblichen Schranken fallenzulassen.

Das Grübeln kommt am nächsten Tag, das hab ich in Kauf genommen, aber jetzt sitz ich eben da und – grüble.