Alles wird gut

In den Nachrichten kommt, dass eine Studentin von einer Gruppe Männer vergewaltigt wurde, da möchte ich am liebsten mein Frühstück stehen lassen, weil mir schlecht geworden ist – beim Gedanken, was sie erlebt haben muss, und vor Wut auf die Scheißkerle, die sie kaputt gemacht haben, einfach so. Ich will, dass sie auch kaputt gehen, weil sie etwas Schreckliches getan haben. Ich weiß nicht, wie relevant der kulturelle Hintergrund ist; ich weiß, dass ich über die AfD kotzen könnte, weil die jetzt so tut, als wär sie eine von den Guten. Und nach den Demos heute Abend gehen alle wieder nach Hause und lesen ihre blutrünstigen Frauenmörderkrimis weiter?

Ich hab Uni und in dem Seminar reden alle – ausschließlich Frauen! – von Ausstellungen und dem Unterschied zwischen Performance und Tanz, als wäre das jetzt wichtig. Ich denke an mein neues Bett, als wäre das jetzt wichtig. Wir planen einen Theaterbesuch, als wäre nichts geschehen, die ganze Welt fühlt sich an wie eine Maschinerie aus Schiff und Eisberg und einem eisig kalten Ozean, die sich aufeinander zu bewegen, und keine guten Nachrichten streuen sich ins mächtig mahlende Getriebe.
In der Freiburger Unibibliothek ist gerade eine Ausstellung, in der es um die Opfer von Vergewaltigungen geht und wie sie damit leben und wie die Welt auf das reagiert hat, was ihnen zugestoßen ist. Kommt das eigentlich irgendwo an? Kommen Mitgefühl, Güte, Frieden und Besonnenheit irgendwo an, irgendwo durch?

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