Feierabend

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Keine Worte.

Felsgrund

Du willst nicht schlafen, weil der Augenblick im Bett vor dem Lichtausmachen der einzige ist, wo du in Sicherheit bist. Du willst nicht essen, weil du jedes Verhältnis zur Welt verloren hast und es sich falsch anfühlt, Dinge aus dieser Welt in deinen Körper aufzunehmen. Du gehst zu Bett ohne zu wissen, wie du die Stunden seit Feierabend verbracht hast. Du sprichst mit Leuten und versuchst so zu reden, wie du geantwortet hättest, bevor du nicht mehr da warst.

Sich doch was draus machen

Wenn man müde ist, verpasst man: bis spät nachts mit den Kinokollegen zusammensitzen, oder nach der Schicht noch eine Runde tanzen gehen, oder beides.

Am andern Morgen fühlt sich das für mich an, als wären da Dinge geschehen, die ich nie wieder aufholen kann, nie werde ich richtig dazugehören im Kino, nie bei den anderen Tänzern so ankommen wie du, der du einfach alleine tanzen gegangen bist, und ich kann mir tausendmal sagen, dass ich wirklich ins Bett musste, ich hab trotzdem Angst davor, dass mich keiner mag und braucht, wenn ich eh nie da bin.

Durch den Schnee

Mein kleines weißes Pferd wird kleiner, bis es mich nicht mehr tragen kann. Auf halbem Weg nehm ich ihm sein Zaumzeug ab und hebe es auf, schwer und warm liegt es in meinen Armen, wir schweigen beide in der großen Stille des Winterwaldes.

Nass und schwer ist der Schnee, ich gehe mühsam und der Weg ist noch weit; der kleine Pferdekopf nickt bei jedem Schritt.

Viel

Ein Wochenende voller Menschen, Nähe, Geborgenheit: ein Freund war zu Besuch, und jetzt habe ich ihn zum Bahnhof gebracht und finde mich vor der Universität wieder unter all diesen jungen, eiligen Menschen, und ich denke: Wie kann das hier zu mir gehören? Wie kann es sein, dass ein so seltsamer Ort Teil meines Lebens sein soll, all dieses Kommen und Gehen, jeder auf seinem eigenen Weg, wie kann es sein, dass ich mich hier hineingeworfen habe, in diese beständig wispernde Maschinerie mit ihren tausend Rädchen und Regelchen, wie soll ich all das im Blick behalten und dabei meine eigenen Füße nicht übersehen, wie sie mich auf einem krausen Pfad durch das absonderliche Geflecht zu tragen suchen.