Sterne im Winter

Ich habe ein Geheimnis mit der Welt, so beschenkt fühl ich mich: allein in den klaren, kalten Straßen bin ich und spüre keine Sehnsucht, keinen Mangel, ich bin ganz.

 

30.11.

Gestern war ich bei meiner Freundin und hab ein Bild gezeichnet, von dem ich vorher nicht wusste, was drauf sein wird. Dann ist es einfach passiert und ich bin zufrieden. Schönes Gefühl.

 

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Gleißen

Es ist so sehr Vollmond, dass alles Vollmond ist, der Himmel, die Dächer, die Straßen und ich – auf dem Heimweg hab ich mich mit Mondlicht vollgesogen, das macht blass und sehnsüchtig, und ich liege schlaflos in der weißen Nacht und denke: Komm zu mir, komm zu mir.

Wer soll kommen? Ich weiß es nicht, aber das ist es, was der Mond sagt.

Seltsame Nächte, seltsame Zeit

Der Mond schaut durchs Dachfenster auf mich herab und sein Licht ist so grell, dass ich es beinahe hören kann. Im blendenden Weiß leuchtet meine Schlaflosigkeit taghell und treibt blasse Blüten namens Unfriede und Zweifel.

Gleich werde ich wieder einschlafen und bis zum Morgen so intensiv träumen, dass ich den ganzen Tag noch meine Traumgefühle und -konflikte verarbeiten muss, und währenddessen geht das Leben weiter, und dann kommt schon die nächste Nacht mit neuen Träumen. Wo ist Ruhe?

Ich will, dass die Nacht vorbei geht.

17./18.08.

Ich tippe auf dem Handy, dabei kann ich das nicht leiden, aber eigentlich will ich auch schlafen und nicht tippen. Schlafen geht nur nicht, weil ich, Geniestreich, meine Tablette zu spät genommen und abends noch Kaffee getrunken habe. Wegen der Nachbarn liege ich mit Ohrstöpseln da, was bedeutet, dass ich auch den Regen auf den Dachfenstern nicht hören kann, und ich wär so gern bei Regen eingeschlafen. Sowieso kann ich in meiner Wohnung nicht so, wie ich will, weil meine Nachbarn mir die Stille wegnehmen und ich immer noch nicht weiß, was ich deswegen machen soll.

Ich bin unfroh, den ganzen Tag schon, der Nachmittag mit einer Freundin war schön, aber davor und danach, allein, ist irgendwas verkehrt. Ich erledige Sachen und versuche, mich zu entspannen, aber es geht nicht, ich bleibe unruhig und traurig und kann das nicht begreifen.

Im Second-Hand-Laden habe ich mich stürmisch in eine Lederjacke verliebt, die zu groß und zu teuer für mich ist; vielleicht ist es mein unerwidertes Verlangen, eine vergebliche Liebe, die mich wach hält. So eine wunderschöne Jacke war das, das glaubt ihr nicht, eine wilde Abenteurerin wär ich darin gewesen, kühn und verwegen wäre ich mit der Kamera durch den Herbst gestreift, und nichts hätte mir was anhaben können, nicht in dieser Jacke. Und am Abend wäre ich Richtung Sonnenuntergang geritten auf meinem treuen, schweren Schlachtross, das ich reite wie ein Rennpferd.

Magisch

Wir stehen auf dem Aussichtsturm, der im Wind schwankt, ich lehne ganz oben an der Brüstung und fühl mich wie auf einem Schiff, das in die Wellen aus Nacht und Wind segelt, Böen brechen sich an unserem Bug, wir halten auf den Mond zu, der orangefarben glüht.

Später sehen wir ihn noch einmal von weiter unten, durch das Geäst eines Baumes: zur Hälfte weiß, zur Hälfte rot, verwunschen.