Frontier

Grumpy und ich gucken Netflix. Wir probieren es mit einer Serie, in der Jason Momoa mitspielt, weil ich in The Bad Batch so Hunger auf ihn bekommen habe. Aber erstens spielt die Serie im nordamerikanischen Winter und Jason hat sehr wenig Anlass, oben ohne rumzulaufen.
Zweitens ist die Serie auch einfach schlecht. Es gibt die Guten und die Bösen, die Bösen sind die englischen Soldaten, und wer immer eine Uniform trägt, ist automatisch böse und ohne Mitleid zu behandeln. Die Guten sind die Armen, Unterdrückten und natürlich die Indianer (wie nennt man die eigentlich richtig?). Der Chef-Gute macht zwar böse Sachen, aber weil die Bösen gemein zu ihm waren, ist das alles total gerechtfertigt und er ist eigentlich ein richtig Guter, weil er auch noch für eine edle Sache kämpft/foltert/tötet/zerstört. Der Chef-Böse (Engländer, natürlich, und er macht noch bösere Sachen als der Chef-Gute) schickt einen armen Jungen als Spitzel ins Lager des Chef-Guten, der den Jungen direkt in Ordnung findet, weil der zwar ein kleiner Gauner, aber eigentlich edel und gut ist, denn er macht das alles nur, weil der Chef-Böse sonst seine Freundin töten lässt. Frauen sind nämlich allgemein nicht sehr fähig in dieser Serie, sie lassen sich retten oder belästigen oder bedrohen oder herumkommandieren, außer der einen Frau, die ein bisschen tougher ist, weshalb sie auch Hosen trägt, damit man das gleich sieht. Die anderen Frauen tragen Kleider mit Ausschnitt, damit man sieht, dass sie gerettet/belästigt/bedroht/herumkommandiert werden müssen. Bei den Indianern gibt es eine alte Frau, die immerhin das Kommando zu haben scheint, bisher aber nicht sehr oft aufgetaucht ist, und eine junge, die immer bei den Männersachen mitmacht, sonst aber keine Persönlichkeit besitzt.
Das ist alles so beknackt, das können nichtmal Jasons angenehm beunruhigende Armmuskeln retten. Man sieht sie ja auch nicht.

The Bad Batch

Gerade habe ich einen Film gesehen, in dem eine junge Frau von Kannibalen gefangen wird, die ihr ein Arm und ein Bein abnehmen, bevor ihr die Flucht gelingt. Und am Ende brennt sie mit dem Kannibalenchef durch. Der wahrscheinlich ihren Arm und ihr Bein gegessen hat.
Und der Witz ist, dass sich das total plausibel anfühlt, wahrscheinlich vor allem, weil der Chefkannibale so smoking hot ist. Damit man davon auch nichts verpasst, ist er den ganzen Film über oben ohne unterwegs. Fühlen sich Männer immer so, wenn sie Actionfilme gucken, immer irgendwo was Schönes, Leichtbekleidetes zum Anschauen? Das kann einen Film schon tragen. Mehr nackte Männer auf der Leinwand! Rrrrrrrrrr.

 

Killing me softly

Er hat ihr einen See gegeben, strahlend blau und bodenlos, in den sie tauchen kann, und sie taucht lang und tief; jetzt schwebt sie in der Dämmerung, wo Auftauchen und Ertrinken gleich nah sind, beides spürt sie, beides begehrt sie, aber aus der Tiefe vertreibt sie ein Ungeheuer, das sie sich selbst geschaffen hat. Ein monströser Fisch mit armlangen Zähnen ist, was sie am Leben hält.

Das passiert in einer Serie, hinter der ich eine Teenie-Romanze erwartet habe, aber sie ist hart und düster und spielt in allen Abgründen, zu denen Menschen fähig sind.

Wenn ich tagsüber Netflix gucke, stimmt was nicht.

 

Die Serie heißt „Kiss Me First“. Niemand hat irgendwen geküsst, bisher.

 

 

Oh, Jessica!

Weil ich sehr verliebt bin in Krysten Ritters Jessica Jones und nach den beiden Staffeln auf Netflix nicht von ihr lassen kann, gucke ich in meinem Liebeskummer auch noch die Defenders, dabei finde ich Marvel-Verfilmungen meistens lahm (Ehre, Erbe, Welt retten, Gut, Böse, Bestimmung, mehr Ehre, leere Dialoge, Liebe ist unmöglich – Liebe geht doch, nichts Neues).

Die „Defenders“ sind auch nicht besonders aufregend. Immerhin gibt es neben Jessica eine ganze Menge weiblicher Figuren – das Internet scheint sich über sie zu freuen, die fiesen Frauen funktionieren auch, aber was ist los bei den Guten? Die Dynamik zwischen weiblichen und männlichen Figuren fühlt sich an wie eine Familienfeier: vordergründig tun alle das Gleiche, aber in Wahrheit machen die Frauen irgendwann den Abwasch oder noch mehr Kaffee, und die Männer bleiben im Wohnzimmer sitzen und reden laut.
In den „Defenders“ machen die Männer auch viel Krach und diskutieren eine Menge und prügeln sich, während die Frauen im Hintergrund vernünftig schalten und walten, mit gedämpften Stimmen besorgte Gespräche führen und zwischendurch die Kerle zu Vernunft bringen. Die Superhelden stehen plötzlich da wie dumme kleine Jungen, die Frauen dagegen wirken wie nachsichtige Mütter. Bis auf Jessica, die sich prügelt und ab und an den Laden rettet, ohne viel Aufhebens darum zu machen. Gute Frau.

 

Netflix

Gibt es eigentlich auch Serien/Filme/andere Medien im Mainstream, die sich mit psychischen Erkrankungen auseinandersetzen, ohne dass dafür irgendwelche Mordfälle aufgeklärt werden müssen? Werden alle Psychos Detektive oder Polizisten? Liegt es daran, dass ich mit den Geisteswissenschaften auf keinen grünen Zweig komme? Sagt das doch gleich.