Gib a Ruh

Das war ein Tag, wie er schöner nicht hätte sein können, von vorn bis hinten – todmüde vom Glück lieg ich neben dir und es ist schön, da zu liegen, aber grad, als ich da angekommen bin, springt etwas auf und beginnt, in mir herumzurasen. Mein Kopf wird nicht leise und mein Körper nicht bequem, in mir ist so ein Getöse, das kann keiner aushalten. Ich tappe in die Küche und hör dem Kühlschrank zu, wie er brummt, das hilft ein bisschen, aber als er plötzlich schweigt, ist in mir immer noch ein Höllenlärm.

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Schlaf, Kindlein, schlaf

Mein Kopf weiß viele Dinge.

Dass man die Frage, wie es weitergehen soll, nicht zwischen 2 und 4 Uhr nachts löst, weiß er nicht.

Worüber er nachdenkt: wie viel Geld brauche ich mindestens? Bekomm ich das im Kino? Soll ich im Kino weiterarbeiten? Soll ich mehr Geld fordern? Soll ich in die ver.di eintreten und einen Betriebsrat gründen? Wie respektvoll muss ich mit meinen Chefs reden? Wie kann man einen Streik organisieren und könnte sich den überhaupt wer leisten? Wo könnte man einen Kummerkasten aufstellen? Lohnt sich das alles, wenn ich nicht mal weiß, ob ich da bleiben will? Macht mich ein besser bezahlter Bürojob froh? Soll ich wirklich die Uni abbrechen? Wie trifft man Entscheidungen? Kenne ich wen, mit dem ich mal wieder ins Bett gehen kann, weil ich wirklich Hunger habe? Wie viel angenehmer wäre mein Leben ohne die drückenden Geldsorgen? Kann ich in meiner Stadt mit einem abgebrochenen Master eine Stelle finden, in der ich in Teilzeit genug zum Leben verdiene? Hab ich wirklich keine Lust auf das, was man Karriere nennt, oder berufliche Selbstverwirklichung? Wie lebt man denn?

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Gleißen

Es ist so sehr Vollmond, dass alles Vollmond ist, der Himmel, die Dächer, die Straßen und ich – auf dem Heimweg hab ich mich mit Mondlicht vollgesogen, das macht blass und sehnsüchtig, und ich liege schlaflos in der weißen Nacht und denke: Komm zu mir, komm zu mir.

Wer soll kommen? Ich weiß es nicht, aber das ist es, was der Mond sagt.

Don’t cry, you’re making it worse

In meinem Traum ist alles auf einmal passiert, Spaziergänge, vergessene Taschen, Verwirrung an Fahrscheinautomaten, Sonnenschein, Verschwörung, Sabotagepläne, doppeltes Spiel, Verführung, und das alles findet statt in einer sich dauernd verändernden Stadt, Hamburg ist Paris ist Berlin ist Lissabon aus ineinander verschlungener Architektur, gotische Kirchen kollidieren mit modernen Hallen, mittelalterliches Pflaster saust über die Hügel, und dann stehe ich mit meiner Freundin in einer Universität und zeige nach oben ins kühn geschwungene Treppenhaus: Das hier ist ein bisschen wie in Freiburg, sage ich und habe ganz deutlich das Freiburger Treppenhaus vor Augen, von dem ich da rede, einen porzellenhellen Wahnsinn aus Schwanenhalstreppen, die sich über- und durcheinander schwingen unter einem organisch gewölbten Glasdach, halsbrecherisch eilige Rolltreppen, ein Raum wie ein Sommertag, aber grotesk, traumschön und schrecklich, und beim Aufwachen weiß ich: diesen Raum habe ich auch geträumt, aber in einer anderen Nacht. Das ist, als würden sich meine Träume von mir ablösen und in eine neue, eigene Welt verwandeln, in die ich Nacht für Nacht geworfen werde.

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Ich wach auf und fühl mich scheußlich, erschöpft und steif, mir will nicht warm werden.

Seltsame Nächte, seltsame Zeit

Der Mond schaut durchs Dachfenster auf mich herab und sein Licht ist so grell, dass ich es beinahe hören kann. Im blendenden Weiß leuchtet meine Schlaflosigkeit taghell und treibt blasse Blüten namens Unfriede und Zweifel.

Gleich werde ich wieder einschlafen und bis zum Morgen so intensiv träumen, dass ich den ganzen Tag noch meine Traumgefühle und -konflikte verarbeiten muss, und währenddessen geht das Leben weiter, und dann kommt schon die nächste Nacht mit neuen Träumen. Wo ist Ruhe?

Ich will, dass die Nacht vorbei geht.

Trouble in mind

Um halb fünf in der Frühe stehe ich in der Küche und mache den Abwasch, weil du mir um halb zwei Uhr nachts geschrieben hast. Da war ich wach.

Immer noch übrig: der Teil von mir, der sich unbedingt mit dir auf das Eis treffen will, das du vorschlägst.
Viel lauter: der Teil von mir, der brüllt und tobt, weil dein netter Plauderton nicht zu fassen ist, nachdem du mich einmal durch den Fleischwolf gedreht hast.
Viel zu leise: der Teil von mir, der das einzig Vernünftige tut, indem er sagt: Jetzt kack auf ihn und geh wieder ins Bett.

 

17./18.08.

Ich tippe auf dem Handy, dabei kann ich das nicht leiden, aber eigentlich will ich auch schlafen und nicht tippen. Schlafen geht nur nicht, weil ich, Geniestreich, meine Tablette zu spät genommen und abends noch Kaffee getrunken habe. Wegen der Nachbarn liege ich mit Ohrstöpseln da, was bedeutet, dass ich auch den Regen auf den Dachfenstern nicht hören kann, und ich wär so gern bei Regen eingeschlafen. Sowieso kann ich in meiner Wohnung nicht so, wie ich will, weil meine Nachbarn mir die Stille wegnehmen und ich immer noch nicht weiß, was ich deswegen machen soll.

Ich bin unfroh, den ganzen Tag schon, der Nachmittag mit einer Freundin war schön, aber davor und danach, allein, ist irgendwas verkehrt. Ich erledige Sachen und versuche, mich zu entspannen, aber es geht nicht, ich bleibe unruhig und traurig und kann das nicht begreifen.

Im Second-Hand-Laden habe ich mich stürmisch in eine Lederjacke verliebt, die zu groß und zu teuer für mich ist; vielleicht ist es mein unerwidertes Verlangen, eine vergebliche Liebe, die mich wach hält. So eine wunderschöne Jacke war das, das glaubt ihr nicht, eine wilde Abenteurerin wär ich darin gewesen, kühn und verwegen wäre ich mit der Kamera durch den Herbst gestreift, und nichts hätte mir was anhaben können, nicht in dieser Jacke. Und am Abend wäre ich Richtung Sonnenuntergang geritten auf meinem treuen, schweren Schlachtross, das ich reite wie ein Rennpferd.