Margaret and me

Zwischen mir und Margaret Atwood ist längst nicht alles klar. Ich juble, wann immer mir eines ihrer Bücher in die Hände fällt, und trage es voller Liebe und Vorfreude nach Hause. Aber jedes Mal* beginne ich zu lesen und fühle eine seltsame Distanz zwischen ihr und mir, eine nüchterne, irritierend bittere Kälte in ihren Beschreibungen, aber dann passieren wieder Sätze wie dieser, am Ende einer Beschreibung zweier Freundinnen in Cat’s Eye:

We’re impervious, we scintillate, we are thirteen. 

Ich liebe diesen Satz, er schillert triumphierend wie die aggressiv zur Schau getragene Selbstsicherheit junger Mädchen in der Pose einer Frau (was immer sie denken, dass eine Frau sei). Oder, ein paar Seiten weiter, die Beschreibung von Glasmurmeln, um die Kinder auf dem Schulhof spielen – so gebannt von den seltenen Murmeln, wertvollen Schätzen wegen ihrer Schönheit, dass ich auch gebannt bin und die Namen dieser Murmeln lese wie Zauberformeln: cat’s eyes, puries, waterbabies.

Wenn ich so etwas in ihren Büchern finde, macht mich das absurd glücklich und dann ist die Kränkung der Distanz vergessen, mit der Margaret Atwood mich begrüßt hat, dann weiß ich wieder ganz genau, warum ich immer wieder zu ihr zurückkehre, hungrig.

 

 

 

*Ausnahme: A Handmaid’s Tale, da hat mich jeder Satz begeistert, und jede Beschreibung des Blumengartens hat mir den Atem verschlagen, so schön ist das geschrieben.

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Wochenende

Die Badezimmertür geht auf, und heraus kommt ein blitzsauberer, splitternackter Mann, der strahlt aus jeder Pore.
Verrückt, denke ich. Das passiert wirklich, der ist wirklich hier.
Und ich geh zu ihm und umarme ihn.

Meine Wohnung redet

Die Scheibe meiner Balkontür haben die Vormieter bestimmt noch nie geputzt, so dreckig ist sie. Beim Einzug hab ich mich drüber geärgert und mir das Putzen sehr vorgenommen.

Jetzt, ein Jahr später, ist die Scheibe immer noch gleich schmutzig. Beobachten zu können, wie sich das Licht in Staubkörnern und Regenflecken fängt, bedeutet mir mehr als klar zu sehen.

Heiß auf

Einmal hab ich einen getindert, der war der schönste Mann, den ich je gesehen habe, hohe Wangenknochen und volle Lippen und ein Lächeln, dass ich singen könnte – damals hab ich ihm stundenlang in einer Bar gegenüber gesessen und ihn einfach nur angeschaut, während er geredet hat, einen Haufen Unfug in gebrochenem Deutsch: nicht klug, aber halt schön, so schön.
Ich wollte nur gucken, er wollte anfassen, deshalb haben wir uns nie wieder gesehen, bis jetzt, wo uns das Internet wieder zusammengewürfelt hat. Ich will dich fotografieren, sage ich, und er sagt JA, in Großbuchstaben, weil er schon ganz genau weiß, wie er aussieht.
Unsere Gemeinsamkeit also ist, dass wir ihn schön finden. Ist mir recht, ich werd ihn ausziehen mit der Kamera, ich will ihn Zoll um Zoll erobern. Oder: auffressen. Mit den Augen.