Gut

Bis über die Hüften steh ich im Wasser, das noch zu kalt ist, meine Hände liegen offen auf der blauen Oberfläche und ich mache mich bereit für den Moment, der gleich kommen wird, das kalte Wasser, das sich um meinen Körper schließt – und es ist wahrhaftig noch zu kalt, ich schwimme in raschen Zügen, um mich aufzuwärmen, aber bald muss ich aufgeben. Danach sitze ich in der Sonne und spüre meinen Körper, der sich schwer atmend von dem Schreck erholt, die Sonne auf der Haut spür ich und meine ganze lebendige Schwere, und wie ich langsam in mich zurück gleite, ist die Traurigkeit nicht mehr so groß. Du bist noch da, sagt der See, und der Himmel ist sehr blau.

Frieden

Aber am schönsten ist es, an die Stelle hinauszuschwimmen, wo der See am leersten ist, und mich auf den Rücken zu legen; dann schwebe ich in der Kühle, die Ohren verschlossen vom Wasser, und egal, wie viele Schwimmer Kinder Boote Bojen Hunde Bälle Musikboxen Mikrofone eben noch um mich herumgeschwirrt sind, jetzt ist alles, was ich höre: mein Organismus im Wasser, ich.
Wenn ich die Augen aufschlage, ist da nur leeres Blau; nichts ist geblieben von der Welt, ich bin herausgelöst aus allem, schwerelos, zeitlos, mein eigener Kosmos, das Wasser ist schon kein Wasser mehr und der Himmel nicht mehr Himmel, nur mich gibt es noch und das Schweben und mein Atmen, in mir ist es vollkommen und unvergleichlich still.

 

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