It will come in time

Heute bin ich ein unstetes Tier und habe ungeheuren Hunger nach nackter Haut.

Und die Welt? Serviert mir Pizza.

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Gestern: Auf dem Balkon wachsen die Heuschrecken

Ich gehe zum Tanzen auf den Schlossberg, eine Band ist da und spielt Swing zum Sonnenuntergang. Ich komme an und weiß nicht, wie ich mich mit den anderen verbinden soll, es ist niemand da, mit dem ich viel zu tun habe. Du zwar, aber vor ein paar Stunden habe ich unser Verhältnis beendet und deshalb stehst auch du für Gefühle von Allein- und Getrenntsein. Ich stehe am Rand und gucke zu und spüre, wie ich schrumpfe, gleich muss ich aufpassen, dass keiner auf mich drauftritt, ein flüchtig Bekannter sagt von der Seite: Hi, wie geht’s dir? – Gut, sage ich und will schreien: Ich fühl mich so einsam, ich sterbe gleich.

Dann fragt mich aber doch wer, ob ich tanzen will: du, das freut mich, wir reden kurz miteinander in Andeutungen, dann möchte jemand anderes mit mir tanzen und ab da tanze ich und muss nicht mehr reden, rede aber doch plötzlich mit jemand, der Essen mit mir teilt, tanze weiter, bis die Band aufbricht. Auf ein ganz langsames Lied tanzt jemand Blues mit mir: das kann ich kaum, es genügt gerade eben so, um das Stück zu überstehen, aber wir tanzen Körper an Körper und ich bin schlagartig ganz woanders, ich fliege, das ist abgedroschen, aber ich fliege, über der Tanzfläche und den anderen Tänzern, in der Nachtluft, im Mondlicht, jawohl. Das ist wie Sex ohne Sex, nur die Nähe davon, und ich denke: schön, von nun an werde ich Blues tanzen und den Rest vergessen.

Am nächsten Morgen zähle ich die Stunden, bis ich bei der Arbeit sein muss. Es ist der erste Arbeitstag und ich habe vergessen, mich zu exmatrikulieren. Ich bin durcheinander, von der Intensität der letzten Tage, in denen ich so viel alleine war – und bin froh, dass ich ab heute für vier Stunden täglich ein zusammenhängender Mensch unter anderen Menschen sein werde. Ich trage neues Parfum, das mich ganz nervös macht, weil es so gut riecht, und schwarzen Nagellack. Ich spiele eine andere Version von mir und schicke sie ins Büro.

Einmal ins Blaue

Diesen Sommer möcht ich wegfahren, ich möchte eine Reise antreten und voller Vorfreude sein, ich möchte an einen Ort, an dem ich unter einer warmen Sonne durch schimmernde grüne Weite oder alte Städte streife, ich möchte mein Handy vergessen, ich will mich spüren in der Fremde, in der Wärme, im Losgelöstsein, ich will am Wasser sitzen und einen Sternenhimmel sehen, der mich umhaut, ich möchte tagelang nichts tun als atmen und existieren, ich will den ganzen Tag draußen bleiben und wahrnehmen und laufen und fotografieren und einen Baum finden, auf den ich klettern kann, ich will verspielt und frei sein und ganz leichte Kleidung tragen und abends in einem kleinen Restaurant landen, ich will in der Sonne liegen wie eine Eidechse, ich will schwimmen und staunen, ich will einen Urlaub, wie ich ihn noch nie gehabt hab, ja, das will ich.

(Ein ganzer Urlaub, der so ist wie der eine Tag, den ich zu zweit in Piran verbracht habe, wir waren zwei Kinder, die in der Stadt gespielt haben, in den Straßen, auf dem Aussichtsturm, am Strand, im Restaurant, wir haben uns neue Namen erfunden und eine Flasche Wein am Meer getrunken und keine Krabben gefangen, aber es versucht, und wir waren so verliebt und frei.)

Komm

Ich möchte mich verschenken – ich möchte mich öffnen wie die Tür zu einem wilden, blühenden Garten, und wer immer er ist, er soll sich verlaufen auf meinen stillen, grünen Pfaden, wo es immer Sommer ist und schwer nach Springkraut duftet. Hier soll er sich verlieren, unrettbar, zwischen meinen Ranken und Schatten und Dornen und phantastischen Gewächsen, während eine dunkelrote Rose langsam jene Tür verschließt, und jetzt wird er für alle Zeit in mir ruhen: auf moosigen Samt unter dem Apfelbaum gebettet wird er die weißen Rehe träumen, die bei Vollmond vom nahen Fluss her kommen.

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Gleißen

Es ist so sehr Vollmond, dass alles Vollmond ist, der Himmel, die Dächer, die Straßen und ich – auf dem Heimweg hab ich mich mit Mondlicht vollgesogen, das macht blass und sehnsüchtig, und ich liege schlaflos in der weißen Nacht und denke: Komm zu mir, komm zu mir.

Wer soll kommen? Ich weiß es nicht, aber das ist es, was der Mond sagt.

06.02.

Mein Traum geht mir nach. Nicht der mit den Gespenstern, seltsamerweise, sondern der mit Jason Momoa, weil ich diese Art von Nähe vermisse und Körperlichkeit und etwas, das wachsen darf.

Es müsste auch nicht Jason sein (das wär ja furchtbar). Es würde reichen, wenn er keine komischen Muskeln hätte, dafür aber was auf dem Kasten und ein großes, gutes Herz voller Neugier und Sinn für schöne Dinge.
Ich bin so müde.