Killing me softly

Er hat ihr einen See gegeben, strahlend blau und bodenlos, in den sie tauchen kann, und sie taucht lang und tief; jetzt schwebt sie in der Dämmerung, wo Auftauchen und Ertrinken gleich nah sind, beides spürt sie, beides begehrt sie, aber aus der Tiefe vertreibt sie ein Ungeheuer, das sie sich selbst geschaffen hat. Ein monströser Fisch mit armlangen Zähnen ist, was sie am Leben hält.

Das passiert in einer Serie, hinter der ich eine Teenie-Romanze erwartet habe, aber sie ist hart und düster und spielt in allen Abgründen, zu denen Menschen fähig sind.

Wenn ich tagsüber Netflix gucke, stimmt was nicht.

 

Die Serie heißt „Kiss Me First“. Niemand hat irgendwen geküsst, bisher.

 

 

Oh, Jessica!

Weil ich sehr verliebt bin in Krysten Ritters Jessica Jones und nach den beiden Staffeln auf Netflix nicht von ihr lassen kann, gucke ich in meinem Liebeskummer auch noch die Defenders, dabei finde ich Marvel-Verfilmungen meistens lahm (Ehre, Erbe, Welt retten, Gut, Böse, Bestimmung, mehr Ehre, leere Dialoge, Liebe ist unmöglich – Liebe geht doch, nichts Neues).

Die „Defenders“ sind auch nicht besonders aufregend. Immerhin gibt es neben Jessica eine ganze Menge weiblicher Figuren – das Internet scheint sich über sie zu freuen, die fiesen Frauen funktionieren auch, aber was ist los bei den Guten? Die Dynamik zwischen weiblichen und männlichen Figuren fühlt sich an wie eine Familienfeier: vordergründig tun alle das Gleiche, aber in Wahrheit machen die Frauen irgendwann den Abwasch oder noch mehr Kaffee, und die Männer bleiben im Wohnzimmer sitzen und reden laut.
In den „Defenders“ machen die Männer auch viel Krach und diskutieren eine Menge und prügeln sich, während die Frauen im Hintergrund vernünftig schalten und walten, mit gedämpften Stimmen besorgte Gespräche führen und zwischendurch die Kerle zu Vernunft bringen. Die Superhelden stehen plötzlich da wie dumme kleine Jungen, die Frauen dagegen wirken wie nachsichtige Mütter. Bis auf Jessica, die sich prügelt und ab und an den Laden rettet, ohne viel Aufhebens darum zu machen. Gute Frau.

 

Netflix

Gibt es eigentlich auch Serien/Filme/andere Medien im Mainstream, die sich mit psychischen Erkrankungen auseinandersetzen, ohne dass dafür irgendwelche Mordfälle aufgeklärt werden müssen? Werden alle Psychos Detektive oder Polizisten? Liegt es daran, dass ich mit den Geisteswissenschaften auf keinen grünen Zweig komme? Sagt das doch gleich.