Kackscheiße

Meine Freundin ist einer der allerbesten Menschen, die ich je kennen werde. Sie ist ungeheuer fähig und bereit, in die Beziehungen zu anderen Menschen ganz viel von sich hineinzugeben, sie hat das größte und beste Herz von allen und kämpft mit wütendem Idealismus darum, es nicht an der rauhen Welt abzuschleifen, sie ist klug und sensibel und einfühlsam und impulsiv und lebendig und großzügig und liebevoll und ein riesengroßes Wunder, und sie ist das geworden, obwohl das Leben ihr alles Mögliche in den Weg geworfen hat. Sie ist stark und zerbrechlich und wenn jemand das Glück in rauhen Mengen verdient hat, dann ganz bestimmt sie.

Und dann wird diese hinreißende Persönlichkeit von irgendwelchen besoffenen Typen auf dem Heimweg belästigt, die fassen sie an und als sie sich wehrt, werden sie sauer und schreien, dass man sie mal durchficken sollte, ohne dass sie ihnen irgendwas getan hätte, einfach nur, weil sie eine Frau ist, irgendeine beliebige Frau, die gerade da vorbeikam und nicht einfach runterschlucken wollte, dass ihr ein Fremder auf den Arsch haut.

Und alles, was sie ist, zählt dann nicht mehr, nicht ihre Großzügigkeit und Klugheit und Lebendigkeit und Güte, schon dass sie ein Mensch ist, gilt kaum noch, sie ist einfach das fickbare Ding, das stillhalten soll, wenn ein Mann ihm an den Hintern will, weil er den geil findet, nicht sie, nur den Hintern, und ich bin so wütend.

Ich bin so, so wütend, dass unsere Gesellschaftsordnung so ist, dass einem wunderbaren, liebenswerten Menschen wie ihr so etwas passieren muss, ohne dass sie irgendetwas dafür könnte. Und dass so viele Männer es immer noch nicht für nötig halten, über diese Gesellschaftsordnung nachzudenken, weil sie zu bequem dafür sind, aber das MÜSSEN sie, weil Frauen daran allein einfach nichts ändern können, wann kommt das endlich in den blöden Männerhirnen an? Warum haben meine eigenen Brüder keine Lust, über solche Fragen nachzudenken, weil sie ja in der bequemen Situation sind, nicht betroffen zu sein? Warum finde ich mich plötzlich in der klischeehaften Rolle der hysterischen Feministin wieder, wenn ich versuche, mit (den meisten) Männern darüber zu reden, dass da wirklich Sachen nicht OK sind? Warum muss ich bestimmte Erniedrigungen, Einschüchterungen, Bedrohungen aushalten, nur weil die Person, die ich bin, zufällig in dem Körper einer Frau steckt? Das ist so ungerecht.

 

Ich hab mich mit dem Feminismus nie wirklich auseinandergesetzt. Ich will nur einfach, dass man mich als Persönlichkeit und als ganzen Menschen behandelt, egal, wie mein Körper aussieht, den ich mir nicht ausgesucht habe, und ich will, dass das auch für alle anderen Frauen und alle anderen Menschen in irgendwelchen Körpern gilt, weil niemand so eine Scheiße verdient hat.