Winter geh weg

Es soll nicht mehr nass sein, es soll nicht mehr dunkel sein, es soll nicht mehr kalt sein.

Vor zwei Wochen, ein Abend

Ich warte am offenen Fenster auf das Gewitter. Draußen murmelt der Donner, aber von anderswo; dann schweigt er und der Wind legt sich und die Hitze steht wieder still in der Stadt. Es donnert wieder, aber anders: ist das jetzt unser Donner, und bringt er den Regen, und die Kühle? Ist das endlich, worauf wir so gewartet haben? – Ja, wir sind hier, antworten die ersten dicken Tropfen auf dem Dachfenster.

Ich lösche das Licht, damit ich die Blitze besser sehe. Jetzt bin ich plötzlich ganz klar und präsent, der heraufziehende Sturm hat mich geöffnet. Heute Abend könnte ich unter Leute gehen, tanzen – aber ich weiß, ich werde nicht, nur dass ich Lust drauf hätte, ist schön. Ich habe heute noch mit keiner Seele gesprochen: mir ist nach Menschen zumute, aber zugleich habe ich das Gefühl, als wäre ich endlich mit etwas in mir fertig geworden, und es tut gut, mich mit mir selbst so ruhig zu fühlen.

 

Gartenzaun

Ich hab eine Wassermelone getragen

Das hab ich aus Witz gesagt, als ich eine riesige Wassermelone zur Sommerfeier mitgebracht habe.

Hat aber niemand reagiert, weil außer mir wohl die wenigsten in ihrer Kindheit dutzende Male Dirty Dancing mit ihrer Mutter angeschaut haben, die den Film liebt ohne Ende.

Guckt, hier:

 

(Toll, an der Szene errät man direkt den ganzen Plot! Den coolen Typ, in den sich irgendwer verlieben muss, erkennt man an seiner Coolness und dem offenen Hemd. Den unwichtigen Sidekick erkennt man daran, dass er nett ist. Die junge Frau, in die sich wer verlieben muss, erkennt man daran, dass sie nicht rüberkommt, als würde sich wer in sie verlieben. Deshalb weiß man auch gleich, dass noch irgendwas Großes mit ihr passieren muss. Dass der coole Typ und die junge Frau sich ineinander verlieben werden, erkennt man daran, dass sie nicht zusammen passen. Mein Baby gehört zu mir, ist das klar?)

Gegenmaßnahmen, 3

Ich klebe Menschen auf meine Wunden und so heilen sie wirklich schneller: die innere Abgezehrtheit, die fehlenden Reserven, die dünne Haut, die mich für alles durchlässig macht, statt mich zu schützen.

Ich klebe: Freunde auf einer Wiese bei Kerzenschein, die über Klimawandel diskutieren, die Umarmung meiner längsten Freundin, und dich, wie du beim Tagebuch schreiben aussiehst, und beim Denken.

Was ich mir zum Geburtstag wünsche

Dass ich davon leben könnte, kreative Sachen zu machen, Fahrräder umlackieren zum Beispiel, oder fotografieren.

Dass ganz viele Leute meinen Blog lesen.

Dass Freunde und Freundinnen, die es schwer haben, es leichter haben.

Das große Romantik-Kaboom!

Ein Lagerfeuer.

Diesen Hund. Bitte. Bitte.

Ein Lindy-Hop-Festival, irgendwo, wo es schön  und mein ehemaliger Tanzpartner weit weg ist.

Und Erdbeerkuchen.

Ein Morgen

Ich liege auf deinem Bett und habe noch keine Lust, meinen Tag anzufangen. Oben höre ich dich mit deiner Firma telefonieren, wir haben schon gefrühstückt, bis vor zwei Stunden haben wir hier gemeinsam gelegen und geschlafen, ich mehr, du weniger. Seit deine Schlaflosigkeit mich im Morgengrauen geweckt hat, habe ich den Wunsch, dich die ganze Zeit anzufassen und festzuhalten.

Ich weiß nicht, was wir sind oder werden, aber ich weiß, dass ich gern um dich bin. Ich weiß nicht, wie der Mann dazu passt, den ich am Wochenende treffe und auf den ich mich freue. Über dich freu ich mich auch. Es ist Sommer und ich habe wirklich frei.

Einmal ins Blaue

Diesen Sommer möcht ich wegfahren, ich möchte eine Reise antreten und voller Vorfreude sein, ich möchte an einen Ort, an dem ich unter einer warmen Sonne durch schimmernde grüne Weite oder alte Städte streife, ich möchte mein Handy vergessen, ich will mich spüren in der Fremde, in der Wärme, im Losgelöstsein, ich will am Wasser sitzen und einen Sternenhimmel sehen, der mich umhaut, ich möchte tagelang nichts tun als atmen und existieren, ich will den ganzen Tag draußen bleiben und wahrnehmen und laufen und fotografieren und einen Baum finden, auf den ich klettern kann, ich will verspielt und frei sein und ganz leichte Kleidung tragen und abends in einem kleinen Restaurant landen, ich will in der Sonne liegen wie eine Eidechse, ich will schwimmen und staunen, ich will einen Urlaub, wie ich ihn noch nie gehabt hab, ja, das will ich.

(Ein ganzer Urlaub, der so ist wie der eine Tag, den ich zu zweit in Piran verbracht habe, wir waren zwei Kinder, die in der Stadt gespielt haben, in den Straßen, auf dem Aussichtsturm, am Strand, im Restaurant, wir haben uns neue Namen erfunden und eine Flasche Wein am Meer getrunken und keine Krabben gefangen, aber es versucht, und wir waren so verliebt und frei.)