Traum

Ich träume, dass ich mit Freunden in einem großen Haus auf einen Spuk stoße, jeder auf seinen eigenen: sie findet ihr persönliches Gespenst auf der Treppe, er seines auf der Dachterrasse, ich schließlich habe meines in der Abstellkammer.
Einer von uns findet heraus (und wie mutig das von ihm gewesen sein muss!), dass man sich seinem Spuk stellen kann, ihn immer und immer wieder durchleben, statt davonzulaufen: indem man standhaft und dem schrecklichen Gespenst zugewandt bleibt, wird es weniger schrecklich von Mal zu Mal, es erfährt Mitgefühl, es fühlt sich verstanden, es lässt los – und wir sind gezeichnet von seiner Heimsuchung, aber frei davon.
Meine Freunde stellen sich ihren Gespenstern, einer nach dem andern, nur ich fürchte mich bis zuletzt, weil mein Gespenst am schlimmsten ist. Du musst, sagen sie, es hilft alles nichts. Es hilft alles nichts, und ich erlebe furchtbare Dinge mit in der Abstellkammer meines Gespenstes.

Werbeanzeigen