Traum

Ich träume von einem Spuk, einem Gespenst, das umgeht und mordet. Meine Freunde mordet es, und geisterhaft leben sie weiter und sagen zu uns, die noch am Leben sind: Kommt zu uns, es ist schön, so zu sein, wie leben, nur besser.

Wir aber wollen nicht sterben. Sie lassen nicht locker, und es wird ein langer Kampf mit Barrikadenkämpfen und Überfällen, langsam rücken sie gegen uns vor, und wir werden weniger: manche holen die Gespenster, manche legen Hand an sich, um selbst ein Gespenst zu werden, wir fürchten um unser Leben bei jedem Zimmer, das wir betreten, und wer allein bleibt, ist verloren. Und schließlich bin ich die letzte und ich bin so einsam und ich esse das Gift, das sie mir geben, dabei will ich lebendig bleiben, richtig lebendig, bloß kann ich’s nicht ertragen, so allein zu sein.

Sie sitzen um mich und halten mich im Arm und reden mir zu, Hier, iss, sagen sie, gleich ist es vorbei, gleich bist du bei uns und nie wieder allein, und ich esse und weiß, nichts wird je wieder richtig sein.

***

So war mein Traum. Ich erkenne das Motiv wieder, im Februar habe ich schon mal so geträumt, von Gespenstern und vom übrig bleiben, und versuche herauszufinden, ob die äußeren Umstände damals ähnlich waren. Ich finde aber keinen Zusammenhang. Mein jetziger Traum funktioniert allerdings gar nicht so schlecht als Bild für meinen Job.

 

Traum

Ich träume, dass ich mit Freunden in einem großen Haus auf einen Spuk stoße, jeder auf seinen eigenen: sie findet ihr persönliches Gespenst auf der Treppe, er seines auf der Dachterrasse, ich schließlich habe meines in der Abstellkammer.
Einer von uns findet heraus (und wie mutig das von ihm gewesen sein muss!), dass man sich seinem Spuk stellen kann, ihn immer und immer wieder durchleben, statt davonzulaufen: indem man standhaft und dem schrecklichen Gespenst zugewandt bleibt, wird es weniger schrecklich von Mal zu Mal, es erfährt Mitgefühl, es fühlt sich verstanden, es lässt los – und wir sind gezeichnet von seiner Heimsuchung, aber frei davon.
Meine Freunde stellen sich ihren Gespenstern, einer nach dem andern, nur ich fürchte mich bis zuletzt, weil mein Gespenst am schlimmsten ist. Du musst, sagen sie, es hilft alles nichts. Es hilft alles nichts, und ich erlebe furchtbare Dinge mit in der Abstellkammer meines Gespenstes.