23.01.

So, fertig, das war’s, die Woche hat mich abgenutzt, jetzt bin ich nicht mehr übrig und mein seltsamer Rest muss noch durch zwei Tage. Dann Ruhe Ruhe Ruhe.

 

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Der kleine Hund kann nicht schlafen, bei ihm ist noch Licht an.

Aller Scheiß

Ich hatte ganz vergessen, WIE mistig Fernbeziehungen sind. Ich bin ein wackliges Pflänzchen mit dünnen Wurzeln, ich brauche Stabilität, bittesehr, nicht dauernde Ortswechsel mit emotionalen Jetlags, auf die ich gerade wieder klar komme, wenn ich schon wieder meine Tasche packen muss.

Und all die Eile in einem kurzen Wochenende. Und die Organisation, die Entscheidungen, und wie ich überwach auf Hinweise lausche, die eine beginnende Entfremdung andeuten könnten, ja, alles wiegt doppelt, nur ich bin zu leicht und treibe auf den Ereignissen wie ein durchgebeuteltes Blatt im Wind.

MAYDAY

Meine nächsten 48 Stunden sind verplant und ich kann nichts rausnehmen und bin heute schon von der Arbeit gekommen und hab direkt aufgehört zu existieren, weil ich so erledigt bin.

Das wird nicht gut gehen, ich muss was absagen, morgen ist Dus letzter Abend, bevor er wegzieht, und wir haben gar keine Zeit mehr für einander gefunden. Für mich habe ich auch keine Zeit mehr gefunden.

 

Damit will ich sagen

Im Feedbackgespräch lasse ich mir von meiner einen Kollegin erzählen, was ich alles schon toll mache und was ich noch verbessern kann. Beides löst Widerwillen in mir aus, das eine, weil ich nicht für etwas gelobt werden möchte, das ich lächerlich finde, von Menschen, die ich in ihrer Position nicht respektieren kann; das andere, weil das keine Dinge sind, die ich besser machen möchte, sie sind irrelevant für mein Leben.

Dann erzählt die andere Kollegin mir, was aus ihrer Sicht toll an meiner Arbeit ist. Da wir nie zusammenarbeiten, zählt sie lauter Sachen auf, die sich so zusammenfassen lassen: Es ist toll, dass du jeden Tag da bist. Im Grunde sagt sie mir also nur, dass ich meinen Arbeitsvertrag einhalte, und ich höre ihr zu und lächle und nicke und frage mich, ob sie denkt, ich merke nicht, was das für hohles Gerede ist, oder ob sie’s selber gar nicht weiß.

Danach bin ich dran und erzähle beiden, warum ich in letzter Zeit überhaupt nicht gern zur Arbeit gehe, warum ich mich unwohl fühle und was mich nervt. Das hören sie sich an und scheinen es auch irgendwie ernst zu nehmen, beteuern, dass sie wollen, dass ich mich besser fühle, und nachdem ich ihnen erzählt habe, wie viel Stress sie in den Telefonisten auslösen, stressen sie uns am nächsten Tag im selben Tempo weiter. Nicht, dass ich viel anderes erwartet hätte.

Ich muss da dringend weg. Ab Januar soll ich in der Marketing-Abteilung mit anfangen und weiß nicht, was ich da soll – ich kann keine tollen Sachen über ein Unternehmen schreiben, das ich von innen und außen dermaßen beknackt finde. Ich kann und will mich nicht verstellen, aber wenn ich Nein sage, hab ich Angst, dass sie mich rausschmeißen. Nur, Januar ist so bald und nie im Leben weiß ich dann schon, wo ich stattdessen hin soll.

Vielleicht kein Wunder, dass ich aufwache, wie ich aufwache, schwermütig.

Symptome

Ich beobachte an mir, dass ich in letzter Zeit im Straßenverkehr angespannter bin als sonst und dauernd Angst habe, irgendwas falsch zu machen. Kann daran allein ein frustrierter Rentner schuld haben? Heute auf dem Heimweg von der Arbeit begreife ich, dass es diese Stelle sein muss, in der die neuen Telefonisten – ich und eine Handvoll Kollegen – permanent überwacht und kritisiert werden. Und mit der Haltung geh ich dann durch den Alltag. Muss man sich mal klar machen.

Ich gucke die Kündigungsfrist nach: zwei Wochen. Die Niedertracht in mir beschließt, nicht eine Sekunde vorher irgendwem Bescheid zu geben.